Hirschjagd mit Leithunden. Nach einem Stich von J. E. Ridinger (1695–1767).

Vogeljagd mit Leimruten und Lockvogel. Nach einem Stich von J. E. Ridinger (1695–1767).

Aus reinem Egoismus und nicht aus moralischen Bedenken kam es im 16. Jahrhundert an den aufgeklärteren Höfen zur Aufstellung einer Schonzeit, wenigstens so lange das Wild minderwertig war. So kamen 1521 Hessen und Henneberg mit unter den ersten überein, die Jagd auf Rotwild „in der Kalbung“ ruhen zu lassen, und diese Einschränkung wurde zehn Jahre später auf die Zeit von Anfang März bis Anfang Juli erweitert. Für Mecklenburg ward 1562 eine geschlossene Jagdzeit festgesetzt und bald folgten ihm darin auch andere Staaten. Aber erst im 17. Jahrhundert gelangte man allgemein zur gesetzlichen Aufstellung einer Schonzeit und zur moralischen Verurteilung vor allzu groben Verstößen gegen weidgerechtes Jagen, wie solches heute als selbstverständlich geübt wird. Sonst stand die Jagd auch damals noch in sittlicher Beziehung auf einer recht tiefen Stufe, wie die Herren, die sie übten, denen das täglich geübte Sichbesaufen die wichtigste Beschäftigung war. Mit den geistlichen Herren stand es auf katholischer Seite selbst nach der Reformation nicht besser als mit den weltlichen. Wie der Adel, so nahm auch die hohe Geistlichkeit noch immer Jagdfalken und Hunde mit in die Messe, so daß der Gang der gedankenlos heruntergeleierten heiligen Handlung und der eintönige Gesang der Priester vom Bellen der Hunde unterbrochen wurde. Auch die Geistlichkeit brachte die Feiertage mit Jagen zu und hatte oft mehr Jagdhunde als die weltlichen Landesherrn. Der Übermut der Herren und des von ihnen geschützten Jagdpersonals kannte keine Grenzen und erlaubte sich gegen die Bauern und deren Weiber und Kinder Eingriffe, die sich hier nicht wiedergeben lassen.

Die allgemein geübte Jagdart in Deutschland war das „Jagen am Zeug“, wobei der betreffende Bezirk so gut wie möglich umgrenzt und abgeschlossen war, um ein Entweichen des Wildes zu verhindern. Während aber im Mittelalter außer den Warten vorzugsweise lebende grüne Hecken mit Schlingen und beutelförmigen Netzen in den Durchgangsöffnungen Verwendung fanden, wurden im 16. und 17. Jahrhundert neben solchen vorzugsweise Fallnetze benutzt, die den großen Vorzug hatten, beweglich zu sein und nach Bedarf an verschiedenen Orten aufgestellt werden zu können. Nachdem der betreffende Bezirk morgens mit Berücksichtigung des Windes in aller Stille mit Fallnetzen und Wachen umstellt war, wurde die Hundemeute auf die vorher bestimmte Fährte gesetzt und die Treibjagd ging los, indem die Treiber das eingeschlossene Wild mit den hinter ihm herstürmenden Hunden den Hecken und Netzen zutrieben. Letztere schlugen als Fallnetze über dem angstvoll einen Ausweg suchenden Wilde zusammen und hielten es fest, bis die in der Nähe versteckten Warten es abstechen konnten. Die früher geübte kunstgerechte Spurjagd war jetzt ausgeschlossen. Die Hunde jagten nicht mehr nach der Nase, sondern nach den Augen und verfolgten jedes Wild, das ihnen begegnete, in gleicher Weise, so daß es innerhalb des sich gegen die scheinbar offene, tatsächlich aber mit Netzen umstellte offene Seite verengernden Treibergürtels ein wüstes Durcheinander von einzelnen bellenden, jagenden Hunden und angstvoll flüchtendem Wild gab. Die Warten waren hinter grünen Schirmen aus Laub innerhalb des Triebes vor den Fallnetzen versteckt und hetzten, sobald das flüchtende Wild auf die Netze zukam, ihre Windhunde hinter ihm her, so daß es aus Schrecken vor diesen und dem Geschrei der Warten in die Netze lief und hier alsbald abgestochen werden konnte. Um dem Grundherrn, seinen Damen und Gästen Gelegenheit zu geben, diesen kritischen Moment der Jagd zu beobachten und sich am Abstechen des wehrlosen Wildes höchst eigenhändig zu beteiligen, waren neben den Schirmen der Warten mit den Windhunden auch solche für die hohen Herrschaften errichtet. Stellte sich ein Hirsch den Hunden, so suchte man ihn zu schießen, wenn er sich nicht von der Seite her, während ihn die Hunde beschäftigten, erstechen ließ. Das getötete Wild wurde auf der Stelle zerlegt, das Fleisch verteilt oder auf bereitstehende Wagen für die Hofküche verladen und den Hunden die nicht vom Menschen beanspruchten Eingeweide überlassen.

Ein Überlandjagen in Form von Verfolgung des Hirsches zu Pferd im freien Revier ohne Hecken und Netze war damals in Deutschland eine große Ausnahme und kam erst im darauffolgenden Zeitalter auf, während solches in Frankreich noch immer üblich war. Das klassische französische Werk des 16. Jahrhunderts über die Hetzjagd mit Spürhunden ist die venerie von Fouilloux. Dieser Autor rechnet zur venerie nur die Hetzjagd von Hirsch, Reh und Hase, nicht aber die des Wildschweins, weil letzteres mit Rüden gehetzt werde. Fuchs und Dachs dagegen wurden statt mit chiens courants mit chiens de terre gejagt.

Bevor die Jagdgesellschaft zur Hirschhetze aufbrach, hatte sie gut gespeist und so reichlich getrunken, daß die ganze Jagd in angeheitertem Zustande vor sich ging. Sie verlief ähnlich der bereits geschilderten des 14. Jahrhunderts, ebenso die Sauhatz, zu welcher zahlreiche Hunde bereit gehalten wurden. So erschien 1592 Herzog Julius von Braunschweig zur Sauhatz an der Oberweser mit nicht weniger als 600 Jagdhunden, Saurüden oder Hatzhunde genannt. Man schätzt die Zahl der alljährlich den Saujagden zum Opfer fallenden Rüden für Deutschland allein auf 20000 Stück. Die Schäfer waren in den meisten Gegenden dazu verpflichtet — natürlich ohne irgend welche Entschädigung — jährlich je einen Hund zu stellen. Taten sie es nicht, so wurden sie mit der Wegnahme von fünf Hammeln gestraft. Da man so billig zu den Hunden kam, wurden sie auch nicht geschont und mit Vergnügen wütenden Ebern geopfert. Landgraf Philipp von Hessen, der von jedem Untertan „so Schafe und einen Pferch hat“ alljährlich einen Rüden verlangte und ihm im Falle des Nichtleistens das Recht zur Schäferei nahm, erlegte im Jahre 1561 auf den Sauhetzen, an denen er persönlich teilnahm, 1714 Sauen. Der Reinhardtswald allein lieferte ihm 1563 1072 Wildsauen, und sein Nachfolger, Landgraf Wilhelm, fing 1584 in einem einzigen Jagen daselbst 133 Sauen. Welch eine Metzelei setzte es ab, eine solche Menge von Tieren in den Netzen abzustechen, und wie mögen die armen Bauern geseufzt haben, wenn ihnen diese so zahlreich auftretenden Borstentiere ihre Äcker verwüsteten. In der Jagd auf die Wildsau war insofern eine Verfeinerung vom Mittelalter bis zum 16. Jahrhundert eingetreten, als die Bracke, die damals auch zur Sauhatz verwendet wurde, als zu edel dafür galt und man sich dabei meist mit minderwertigen Hunden behalf. Eine wichtige Rolle spielte auch die Jagd auf den Wolf, für dessen Vertilgung die Bauern ihrem Herrn eine besondere Steuer bezahlen mußten.

Bild 60. Sauhatz. Der Mann zu Fuß bedient sich der Saufeder zum Abstechen des Ebers. (Nach einem Holzschnitt von Jost Ammann in „Das neuw Jag und Weydwerck Buch“, Frankfurt 1582.)

Die Hatzjagd auf Hasen wurde von dem deutschen Adel mit Windhunden geübt, während in Frankreich die allerdings feinere Jagd mit Spürhunden bevorzugt wurde. Sie machte im allgemeinen auch mehr Freude als die Hirschhetze, da man die Hunde besser sah und diese auch mehr zusammenhielten. Die Hasenmeute betrug 12 bis 16 Hunde und war gewöhnlich zahlreicher als die Hirschmeute. Sie arbeiten zu sehen war wie im Mittelalter das Entzücken derer, die sich den echten jägerischen Geist bewahrt hatten, wie er im 12. bis 14. Jahrhundert in Frankreich wie in Deutschland herrschte. Die Technik dieser Jagd war ebenfalls ähnlich derjenigen des Mittelalters.