Von ihnen wie von den weiter südlich lebenden Ohrenrobben wird auch das Fett gesammelt und eingekocht, das schwach behaarte Fell der letzteren zur Herstellung eines starken Leders erbeutet. Vor etwa 100 Jahren war die Zahl der Ohrenrobben vieler Gegenden ungeheuer groß. An der chilenischen Küste, die seitdem nahezu eine Million Felle lieferte, sollen damals 500000–700000 dieser Tiere gelebt haben. In Südgeorgien wurden im Jahre 1800 nicht weniger als 112000 Bärenrobben erbeutet, wovon auf ein einziges amerikanisches Schiff rund 50000 kamen. Damals wurde auch die Entdeckung von Bärenrobben an der australischen Küste bekannt, von wo im Jahre 1804 ein einziges Schiff 74000 Häute ausführte. Auch an den südostwärts vom Kap der Guten Hoffnung gelegenen Prinz Edward-Inseln wurden große Scharen von Ohrenrobben erbeutet, und zwischen 1820 und 1821 wurden über 300000 Häute von den Südshettlandinseln ausgeführt, wo 1821 über 100000 junge Ohrenrobben, ihrer Mütter beraubt, zugrunde gingen. Von der in der Nähe der Küste von Neusüdwales gelegenen Antipodeninsel wurden 1814 und 1815 über 400000 Felle großer Pelzrobben ausgeführt, wovon der vierte Teil bei der Ankunft in Europa wegen ungenügender Zubereitung als Dünger verkauft oder fortgeworfen werden mußte. Kein Wunder, daß die Anzahl der Pelzrobben der südlichen Meere schon im Jahre 1813 so gering geworden war, daß die auf ihren Fang ausgehenden Schiffe statt Gewinn meistens Verlust hatten, und daß eine den Pelzrobben geltende Schiffsreise ein großes Risiko in sich faßte, ob sie sich überhaupt bezahlt macht. So unvernünftig hat das grimmigste Raubtier, der Mensch, mit den ihm unerschöpflich scheinenden Naturschätzen gewütet, die ihm bei einigermaßen vernünftiger Ausbeutung viele Jahrhunderte hindurch Reichtümer ohne Zahl gewährt hätten. Die einst immensen Herden von Pelz- und Haarrobben sind heute so sehr zusammengeschmolzen, daß jährlich insgesamt nur noch etwa 185000 Pelz- und 875000 Haarrobben erbeutet werden. Wenn nicht ganz energische Schonungsmaßregeln von seiten der betroffenen Nationen ergriffen werden, wird das völlige Aussterben der großen Ohrenrobben wie so mancher anderer Wunder der Schöpfung — es sei hier nur an die gewaltige Stellersche Seekuh erinnert — nur eine Frage der Zeit sein.

Ein anderes Wassertier, dessen Pelz sehr geschätzt wird, ist der ebenfalls auf den Aussterbeetat gesetzte Biber, von dem in einem früheren Abschnitte eingehend die Rede war. Für den Handel ist nur noch mit dem Biber in Nordamerika, speziell Kanada, zu rechnen. Von dort kommen ungefähr noch 50000 Felle jährlich in den Handel. Die Farbe des Bibers, die gewöhnlich auf der Oberseite dunkelbraungrau, auf der Unterseite dagegen heller ist, variiert ganz bedeutend. Es gibt von ihm ganz helle und ganz dunkle Exemplare; die Pelze der letzteren sind die wertvollsten. Bei deren Zubereitung wird das grobe, braune Grannenhaar entweder stehen gelassen oder entfernt, so daß nur das weiche, dichte, graublaue Wollhaar zurückbleibt, das ein sehr feines, überaus geschätztes Pelzwerk liefert.

Eines der wichtigsten Pelztiere ist der Fuchs, dessen Lebensweise ebenfalls bereits besprochen wurde. Der bei uns heimische Rotfuchs mit rötlichgelbem, auf dem Rücken braunrotem Pelze hat an seiner dichten, buschigen Lunte meistens eine weiße Spitze. Je nach ihrer Farbe und Dichtigkeit steigen die Felle des Fuchses bedeutend an Wert. Die schönsten für Pelzwerk in Betracht kommenden Rotfüchse stammen aus Alaska und Kamtschatka; aber auch Sibirien hat sehr gesuchte Fuchspelze. Im Gouvernement Tobolsk wurden in den letzten Jahren 50000–75000 junge und nur 5000–10000 ausgewachsene Füchse jährlich gefangen. In den Gouvernements Jakutsk und Jenissei, wo die Jungen nicht gefangen werden dürfen, kommen jährlich 15000 bis 25000 Füchse zur Strecke. Zu diesem Rotfuchs tritt in den Polarländern noch der Weißfuchs. Eine besondere Art desselben mit blaugrauer Farbe ist der Blaufuchs, der schon sehr hoch im Preise steht. Bei weitem am kostbarsten sind aber die Silber- oder Schwarzfüchse, die in Sibirien, auf den Alëuten und im nördlichsten Teile Kanadas leben, aber heute infolge der unaufhörlichen Verfolgung überall selten geworden sind, so daß man sie manchenorts in regelrechte Zucht in eingehegten Revieren genommen hat, um einigermaßen mühelos ihren kostbaren Pelz zu erhalten. Derselbe hat ganz schwarzes, sehr feines, langes Haar, das stets nach unten fällt. Trägt dieses Haar weiße Spitzen, so wird der Pelz Silberfuchs genannt, überwiegt aber das reine Schwarz in der Färbung und sind nur wenige Stellen mit Silberhaaren bedeckt, dann heißt der Pelz Schwarzfuchs. Ganz reine Schwarzfüchse ohne jedes Silber sind ganz außerordentlich selten. Von ihnen werden jährlich noch nicht ein halbes Dutzend erbeutet, und der Wert eines solchen Felles steigt bis auf 12000 Mark.

In den Provinzen Schensi und Schansi wird das an Gestalt der Angoraziege ähnliche Tibetschaf in großen Massen nur des Pelzes wegen gezüchtet. Der deutsche Pelzhandel kennt diese Felle, die sich durch eine feine, langhaarige, glänzendweiße Wolle auszeichnen, seit kaum 20 Jahren. Heute aber werden jährlich wenigstens 600000 Stück davon importiert, und zwar meist schon in zugerichtetem Zustande, was die Chinesen, die überhaupt Meister in der Kürschnerkunst sind, ganz vortrefflich besorgen. In den weiten Ebenen und Steppen der Bucharei dagegen lebt in großen Herden bis zu 5000 Stück das auf Seite 127 besprochene Fettschwanzschaf von Arkalabstammung, das die schwarzen, seidenglänzenden, vielfach gekräuselten und gerollten Pelze gibt, die unter dem Namen Astrachan, Krimmer oder Persianer in den Handel gelangen und prächtige Wintermäntel und Jacken liefern. Ihn erzeugen die ganz jungen Schafe, während die Felle der neugeborenen Lämmer, die ein eigenartiges, moiréähnliches Muster zeigen, Breitschwanz genannt werden. Letztere werden an Ort und Stelle schon mit 8 Mark das Stück bezahlt, während die Felle der älteren Lämmer als Astrachan nur 4 bis 5 Mark kosten. Um die Bildung der feinen Löckchen des Felles zu fördern, näht man zuweilen die jungen Lämmer während ihres kurzen Lebens in ein Fell oder ein Stück grobe Leinwand ein. Die Bucharen sind sehr stolz auf diese ihre Schafe, die so herrliche Felle besitzen und die es noch nicht gelang anderswo anzusiedeln. Die Felle werden alljährlich von den Vertretern großer Pelzfirmen an Ort und Stelle eingekauft oder gelangen auch auf die großen Märkte nach Astrachan. Sie werden darauf in rohem Zustande in besonderen Fabriken einer ersten Präparierung unterworfen, die sie für die Reise nach Europa geeignet macht. Hier werden sie vollends gereinigt und, da das natürliche Schwarz zu stumpf wirkt, noch künstlich gefärbt, bis sie den sie so beliebt machenden schwarzen Glanz erlangt haben.

Zu Nachahmungen wertvollerer Pelze dient hauptsächlich der dichte Winterpelz des Kaninchens. Zu diesem Zwecke wird er gewöhnlich geschoren, gefärbt und kommt dann als Sealkanin, Nutriakanin, Chinchillakanin und Zobelkanin in den Handel. Am beliebtesten ist das Fell des Silberkaninchens, das im Rohzustande herrliche Imitationen des echten Hermelins liefert. Deshalb wird dieses Tier in sehr großen Mengen gezüchtet und seine Felle in gewaltiger Zahl namentlich in die romanischen Länder eingeführt, wo sie meist sehr gut bezahlt werden. Außer durch Kaninchenfell wird der so beliebte Chinchillapelz vielfach auch durch das Fell einer australischen Beuteltierart imitiert. Das Fell des nordischen Eisfuchses wird sehr häufig durch dasjenige des nordischen Schneehasen nachgeahmt oder aus dem Felle des vorhin genannten weißen Tibetschafes imitiert, nachdem es durch Aufbügeln und Auskämmen einem Regenerationsverfahren unterworfen wurde. Auf eine bestimmte nordische Wolfsart führt meist der vielgerühmte Kamtschatkafuchs seinen Stammbaum zurück und hinter dem Luchspelz aus Rußland steckt in der Regel das Fell eines australischen Beuteltieres. Der russische Edelmarder entpuppt sich dem Kundigen nicht selten als Fell des nordamerikanischen Opossums, also ebenfalls eines Beuteltieres. Gleicherweise werden auch die als Kolinski bezeichneten Felle des tatarischen Marders durch diejenigen von Hauskatzen geschickt nachgeahmt.

Wie die Säugetiere der nördlichen Breiten mit ihrem dichten Pelz, müssen die Vögel der sonnenreichen Tropenländer mit ihrem herrlichen Gefieder dem Menschen dienen. Wie jene hat er deshalb auch diese mit erbarmungsloser Gier in ungezählten Scharen gemordet, so daß das Herz jedes Naturfreundes sich in Bitterkeit zusammenkrampft, wenn man bedenkt, wie scheußlich gegen jene frohe, bunte Schaar im Laufe der letzten Jahrzehnte dank der infamen, launischen, von den herz- und gedankenlosen Halbweltdamen in Paris zum größten Teil diktierten Mode gewütet wurde. Und dank ihrer angeborenen Eitelkeit macht auch die bessere, anständige Frau jenen frivolen Hetären all diesen Blödsinn nach. Der beklagenswerten Mode des Tragens von bunten Vogelfedern oder ganzen Vogelbälgen auf den Damenhüten sind schon viele Milliarden Vögel in der herrlichsten Zeit ihres Lebens, in der Zeit der Fortpflanzung, wenn sie ihr schönstes Kleid, das Hochzeitskleid, anhaben, herzlos in den Tod geschickt und mit ihnen ihre Brut dem Hungertode und der Vernichtung preisgegeben worden. Wir haben bei Besprechung der kulturgeschichtlichen Rolle der Straußenfeder gesehen, daß ihr im 15. Jahrhundert am üppigen, reichen burgundischen Hofe die zierliche Aigrette als Hutschmuck vorausging. Diese Aigrette wurde ursprünglich vom Silberreiher (Ardea alba) gewonnen, der am liebsten in schwer zugänglichen Rohrdickichten an den Ufern stehender oder langsam fließender Gewässer nistet und einst wie in ganz Südeuropa, so in den Donautiefländern, von Ungarn an bis in die Dobrudscha hinein, ein häufiger Brutvogel war. Durch die ihm seiner prächtigen Schmuckfedern wegen bereiteten Nachstellungen ist er nicht nur dort, sondern überall auf der Welt, wo er nistet, selbst in den entlegensten Gegenden, überaus selten geworden. Auch der dieselben Gegenden bewohnende überaus anmutige Seidenreiher (Ardea garzetta), der in den Brutkolonien seine Nester fast ausnahmslos auf den obersten, ziemlich dünnen Seiten- und Gipfelzweigen der Bäume errichtet, in denen er von Ende Mai an seine 3–4, selten 5 hellbläulichgrünen Eier bebrütet, ist dank den eifrigen Nachstellungen beinahe ausgerottet, obschon seine Schmuckfedern viel weniger begehrt sind und dementsprechend niedriger im Preise stehen als diejenigen des Silberreihers. Die mit sparrigen, kurzen Strahlen versehenen Schmuckfedern dieser Edelreiher stehen bei dem Männchen den Rücken entlang und nicht am Hinterkopfe, wie man gewöhnlich glaubt. Ihretwegen werden sie geschossen. So hat man im Jahre 1898 in Venezuela allein 1538738 dieser Edelreiher zur Gewinnung der Aigretten getötet; zehn Jahre später konnte man nur noch 259916 derselben erbeuten. Dort und in Mittelamerika, Afrika und Ostasien, wo er einst in ungezählten Scharen lebte, ist er so überaus selten geworden, daß man trotz der hohen Preise die größte Mühe hat, die Nachfrage nach den Aigretten zu befriedigen.

Eine einzige Sendung eines großen Londoner Hauses umfaßte außer 19000 Aigretten 80000 Seevögel und 800000 Paare von Flügeln verschiedener Art. Eine andere einer Berliner Firma enthielt 32000 Kolibris. Die Kolibrifedern dienen nicht nur zur Verzierung von Damenhüten, sondern auch zum Garnieren von Schuhen, von denen allerdings ein Paar 6000 Mark kostet. So ist es kein Wunder, daß z. B. auf der Insel Trinidad, wo der Gang der Ausrottung überschaut werden kann, von ursprünglich 18 Kolibriarten nur noch 5 existieren. Von den wundervollen Paradiesvögeln Neuguineas kamen 1907 19742 Bälge in London auf den Markt. Eine einzige Sendung einer Londoner Firma zählte 28300 Bälge dieser Art auf und täglich laufen neue große Sendungen derselben in London ein. Kürzlich schossen japanische Raubjäger auf einsamen Inseln der Hawai-Gruppe 250000 brütende Albatros, jene herrlichen Flieger des offenen Meeres, die mitten auf den gewaltigen Wasserwüsten der Ozeane als fast einzige Vertreter der Vogelwelt anzutreffen sind, um sie über Japan auf den Londoner Mark zu bringen. In einer einzigen Saison wurden von einer Pariser Modistin 40000 Seeschwalben verbraucht. Hunderttausende von nützlichen einheimischen Schwalben und Stieglitzen, wie der schönsten und seltensten exotischen Vogelarten werden jährlich der Eitelkeit der europäischen Frau geopfert. Wie die Paradiesvögel stehen vor allem die herrlichen Glanzstaare, Quesals, Trogone, Sittiche, Kolibris und zahlreiche andere Schmuckvögel der Tropen auf der Liste der bald der Ausrottung Verfallenen. So hat man berechnet, daß für die europäische Damenwelt allein über 300 Millionen Ziervögel jährlich ihr Leben lassen müssen. Es ist dies, wie Dr. Paul Sarasin in Basel in seinem Aufruf zur Gründung eines Weltnaturschutzbundes mit Recht sagt: „ein die Natur beleidigendes Riesenopfer an die Eitelkeit und Herzlosigkeit der europäischen Frau.“

Es wäre höchste Zeit, daß die betreffenden Nationen sich in zwölfter Stunde aufrafften, um diesem sinnlosen Treiben der Ausrottung der schönsten Geschöpfe unserer Erde ein jähes Ende zu setzen. Haben wir nicht in den bunten Seidenbändern und den mit großer Naturtreue erzeugten künstlichen Blumen hübsche Garnituren genug, um auch die größten Ansprüche der verwöhntesten Dame zu befriedigen?

Außer Pelz und Feder ist auch das Schildpatt und die Haut mancher Schlangen und Alligatoren ein gesuchter Handelsartikel. Das Schildpatt oder Schildkrot wird von der eine Gesamtlänge von nahezu 1 m erlangenden, als gieriger Räuber ausschließlich von tierischen Stoffen lebenden Karettschildkröte (Chelone imbricata) gewonnen. Diese lebt nicht nur im Indischen und Stillen, sondern auch im Atlantischen Ozean, hat zwar ungenießbares Fleisch, liefert aber durch ihre 3–7 mm dicken, auf braunem Grunde eine gelbe Zeichnung tragenden, dachziegelartig angeordneten Rückenplatten, von denen ein ausgewachsenes Tier 2–6 kg besitzt, ein wichtiges Rohmaterial für allerlei Schmucksachen, wie Kämme, Dosen und Einlegearbeiten. Dieses Schildpatt wird indessen auch von mehreren anderen verwandten Schildkröten gewonnen und kommt in bester Beschaffenheit von Indonesien, in großer Menge aber auch vom Roten Meer, von Westindien und den Küsten Südamerikas in den Handel. Nur wenn es stark erwärmt wird, löst es sich leicht vom Rückenpanzer der betreffenden Schildkröte. So wird dieses bedauernswerte Tier über einem Feuer aufgehängt und so lange geröstet, bis jene Wirkung erzielt worden ist. Die Chinesen, die einsahen, daß das Schildkrot durch trockene Wärme leicht verdorben werden kann, bedienen sich gegenwärtig zu diesem Zwecke des kochenden Wassers. Nach überstandener Ablösung des Schildkrots gibt man die Karettschildkröte wieder frei und läßt sie dem Meere zulaufen, da man glaubt, daß sich das Patt wieder erzeugt.