Hierin stimmen mit den Potwalen die verschiedenen Entenwale (Hyperoodon) überein, die der Hauptsache nach durch gestrandete Exemplare bekannt wurden. Auch sie leben im offenen Meere und ernähren sich von pelagischen Tintenfischen. Sie haben ihren Namen von der schnabelartigen Form ihrer längeren oder kürzeren Schnauze, besitzen aber im Gegensatz zu den Potwalen im Unterkiefer nur ein bis zwei Paar Zähne, die besonders bei den Männchen sehr groß werden. Der gemeinste von ihnen ist der im männlichen Geschlecht 9 m, im weiblichen 7,3 m lang werdende Dögling oder Entenwal im engeren Sinne (H. rostratus), bei dem die beiden an der Spitze des Unterkiefers stehenden Zähne während des Lebens vollständig im Zahnfleisch versteckt bleiben. Dieser in der Jugend oben schwarze, mit zunehmendem Alter aber hellbraun und zuletzt fast gelb werdende Zahnwal ist auf den Norden des Atlantischen Ozeans beschränkt und gehört zu den wandernden Walen, der aber nicht weit über Großbritannien hinaus nach Süden vorzugehen scheint, da man an der Westküste von Frankreich und Spanien noch niemals Exemplare von ihm gestrandet fand, wie dies im Herbste gewöhnlich an den Küsten des Kanals und der Nordsee der Fall ist. Schon früh im Jahre wandert dieser Entenwal nach Norden, um in größerer Tiefe seine größtenteils aus Tintenfischen bestehende Nahrung zu erbeuten. Dem weiten Weg in die Nährgründe entsprechend bleibt er sehr lange unter Wasser und atmet sehr schwer, wenn er wieder auftaucht. Mit großer Lebendigkeit schwingt er sich gelegentlich hoch in die Luft, um nach Artgenossen Umschau zu halten; denn, wenn er auch meist in einzelnen, übrigens gewöhnlich noch jungen Stücken, ausnahmsweise auch als altes Weibchen mit seinen beiden Jungen auf den Strand gerät, trifft man ihn als geselliges Tier meist in Herden von 4–10 Stück. Sie werden manchmal von einem der allerdings häufig einzeln lebenden erwachsenen Männchen geführt und vom Geselligkeitstrieb so beherrscht, daß die Mitglieder einer Herde bei einem verwundeten Genossen bleiben, bis er tot ist, so daß man bisweilen sämtliche Mitglieder einer Herde nach und nach töten kann. Die Erbeutung des wenig furchtsamen, dagegen, wie es scheint, sehr neugierigen Döglings wird auch durch dessen Gewohnheit, um die Schiffe herum und darunter hinweg zu schwimmen, sehr erleichtert; doch ist er sehr zählebig. Alte Männchen haspeln rasch die ganze Harpunenleine ab und bleiben zuweilen zwei Stunden unter Wasser, um anscheinend völlig munter wieder zu erscheinen. Dennoch ist sein Fang lohnend genug, da erwachsene Männchen in ihren Köpfen wenigstens 100 kg Walrat haben und außerdem mehrere Faß Tran liefern.

Auf der südlichen Erdhalbkugel, wie es scheint, in größerer Anzahl vertreten als auf der nördlichen, sind die in verschiedenen Arten bekannt gewordenen Riemenzahnwale (Mesoplodon), so genannt, weil die beiden, gewöhnlich nicht am Ende, sondern mehr in der Kiefermitte stehenden Zähne des Unterkiefers zwar zugespitzt, aber seitlich stark zusammengedrückt sind, wodurch sie namentlich bei einer Art der Gattung, bei der sie stark verlängert und gebogen sind, eine riemenartige Gestalt annahmen. An den europäischen Küsten ist der etwa 4,5 m lang werdende Sowerby’s Riemenzahnwal (M. bidens) der häufigste. Er ist durch einen fast geraden Schnabel, von welchem an sich der Kopf allmählich wölbt, um vor dem Atemloche eine ziemlich starke Hervorragung zu bilden, und durch seine verhältnismäßig kleinen Zähne gekennzeichnet.

Den Entenwalen näher steht der sehr weit verbreitete, aber seltene und nur von gestrandeten Stücken bekannte Cuvierswal (Ziphius cavirostris). Bei ihm sind die an der Spitze des Unterkiefers stehenden beiden Zähne gut entwickelt. Von allen Walen aber strandet am allerhäufigsten der zu den Rundkopfwalen gehörende Grindwal (Globiocephalus melas), dessen große Geselligkeit ihm bei Gefahr regelmäßig verderblich wird. Kaum ein Jahr vergeht, in welchem nicht hier oder da eine größere oder geringere Zahl dieser Tiere, die zu den wichtigsten Nutztieren der Nordländer gehören, auf den Strand läuft. Im Jahre 1779 verunglückte eine Herde von 200, 1805 eine solche von 300 Stück auf den Shetlandinseln; in den Jahren 1809 und 1810 wurden gar 1110 Stück in einer nach den Grindwalen Walfjord genannten Bucht auf Island durch die eifrigen Bemühungen der Menschen ans Ufer geworfen, und 1845 sollen in einem Zeitraum von sechs Wochen 2080 Stück auf den Faröerinseln in ähnlicher Weise erbeutet worden sein. Überall, wo sich Herden dieses Tieres zeigen, erfolgt eine allgemeine Jagd auf sie. Die ganze Fischerflotte der Nachbarschaft eilt unverzüglich aufs Meer, um den Tieren durch Bildung eines aus Booten bestehenden Halbkreises den Rückzug abzuschneiden und die ganze Grindwalgesellschaft in eine Bucht oder dergleichen hineinzutreiben, wobei man die Tiere durch Werfen von zu diesem Zwecke reichlich mitgenommenen Steinen zu erschrecken sucht, wenn sie durchzubrechen versuchen. Gelingt der auf den Faröerinseln noch durch Seile, mit Strohpuppen von Boot zu Boot gezogen, erschwerte Durchbruch auch nur einem einzigen Wal, so ist die ganze Gesellschaft für die Fischer verloren, weil dann die übrigen Tiere trotz aller Bemühungen der Fischer dem ersten folgen. Gelingt es aber, die Grindwale in seichtes Wasser zu treiben, so drängen sie in ihrer Angst so ungestüm vor, daß sie stranden. Dann eilt die ganze Bevölkerung mit allerlei Waffen, wie Harpunen, Speeren, Beilen, Pickeln, Spaten u. dgl. herbei, um unter heillosem Geschrei den hilflosen Tieren den Todesstreich zu geben. Weithin färbt sich das Meer vom Blut der Gemordeten rot. Solcher Tag bedeutet einen Festtag für die Insulaner; denn bei der meist gewaltigen Beute gibt es Fleisch und Speck die Fülle. Zuerst werden Leber, Herz und Nieren als besondere Leckerbissen gegessen; dann labt man sich an Fleisch und Speck, und was man von diesen nicht essen kann wird eingesalzen oder getrocknet. Auf jeden Grindwal rechnet man eine Tonne Tran. Unter allen Angehörigen der artenreichen Delphinfamilie ist der Grindwal einer der größten. Er wird nämlich etwa 6 m lang und bildet unter allen Walen die größten Scharen, nämlich Gesellschaften, die nicht selten 200–300 Stück zählen und gelegentlich aus 1000, ja selbst aus 2000 Tieren bestehen. Wenn das Leittier dieser sonst das hohe Meer bewohnenden Wale in seichtes Wasser gerät und dort festgerannt ist, folgen ihm die übrigen Mitglieder der Herde blindlings, wodurch eben ganze Scharen stranden und verderben. Er geht ziemlich weit nach Norden, nämlich bis Grönland, und kommt in verschiedenen Abarten in fast allen Meeren vor, scheint aber im Mittelmeer selten zu sein. Er besitzt in jeder Kieferhälfte nur 8–12 auf das vordere Ende der Kiefer beschränkte kleine Zähne, ist einförmig schwarz gefärbt — deshalb wird er auch Schwarzwal genannt — von Natur sehr sanftmütig und ernährt sich vorzugsweise von Tintenfischen, daneben aber auch von Fischen und Weichtieren. Er ist durch seinen schnabellosen, fast kugelförmigen Kopf, durch eine lange, niedrige, dicke Rückenflosse und durch lange, schmale Brustflossen ausgezeichnet. Von den Mundwinkeln bis zu den Brustflossen erstreckt sich ein weißer Fleck.

In allen Meeren rings um den Nordpol lebt ebenfalls meist in großen Gesellschaften der auch Beluga genannte Weißwal (Delphinapterus leucas). Dieses 5–6 m lang werdende Tier ist in der Jugend hell graubraun, erwachsen dagegen gelblichweiß und entbehrt der Rückenflosse. Große Herden der Weißwals treten namentlich an den Küsten von Spitzbergen und Nowaja Semlja auf. Gern besucht der Weißwal die Mündungen von Flüssen, in die er beträchtliche Strecken weit hinaufsteigt. Er ernährt sich von Kopffüßlern, Fischen und Krebsen und gerät gelegentlich bei der Verfolgung von Heilbutten oder Flundern in seichtes, ihm kaum das Schwimmen erlaubendes Wasser. Oft ziehen die Mitglieder einer Herde in einzelnen Reihen, selten mehr als zwei oder drei der Tiere nebeneinander, unregelmäßig auftauchend dahin, wobei sie oft ein schwaches Gebrüll ausstoßen. Wo er nur kann, macht der Nordländer Jagd auf ihn. Wie den Grindwal sucht man ihm durch vor die Eingänge der Fjorde und Buchten aufgestellte Netze den Rückweg zum Meer zu versperren und ihn mit Harpunen und Lanzen zu töten. Im offenen Meere ist ihm dank seiner Geschwindigkeit und Gewandtheit kaum beizukommen, so daß die Walfänger meist auf seine Jagd verzichten, obschon er einen Handelswert von durchschnittlich 60 Mark besitzt. Die Zirkumpolarvölker schätzen ihn außerordentlich hoch und benützen alle Teile von ihm. Auch die Europäer verwenden außer dem Tran, von dem ein ausgewachsenes Tier über 450 Liter gibt, das Fleisch und die Haut, die in England als Tümmlerhaut verkauft und in Rußland zu Pferdegeschirr u. dgl. verarbeitet wird. Wenn auch gefangene Weißwale in der Gefangenschaft bald sterben, so erweisen sie sich als leicht zähmbar und gelehrig. Wiederholt wurden diese Tiere im Westminsteraquarium in London vorübergehend gehalten.

Ebenfalls eine hochnordische Delphinart ist der Narwal oder das See-Einhorn (Monodon monoceros), ein gewöhnlich in kleinen, 15 bis 20 Stück starken Scharen auftretendes Tier von 4–5 m Länge, unten weiß, oben dunkelgrau gefärbt, mit unregelmäßigen, verwaschenen, helleren und dunkleren kleinen Flecken dazwischen. Abgesehen von einigen kleinen, verkümmerten, unregelmäßig auftretenden Zähnen ist der weibliche Narwal zahnlos, was auch für das Männchen gelten würde, wenn dieses nicht durch einen im Oberkiefer stehenden 2–2,5 m langen und an der Wurzel einen Umfang von 20 cm besitzenden Stoßzahn ausgezeichnet wäre. Dieser Zahn gehört in der Regel der linken Oberkieferhälfte an, ist schraubenförmig, und zwar immer von links nach rechts gewunden, auf dem größeren Teil seiner Länge hohl und besteht aus einer sehr dichten, sahnenfarbigen, elfenbeinartigen Masse. Äußerst selten entwickeln sich bei einem Männchen zwei Stoßzähne, wie sie sich z. B. an einem Narwalschädel des Museums von Cambridge finden, an dem auch der rechte Zahn merkwürdigerweise von links nach rechts gedreht ist. Dieser Stoßzahn dient den Männchen bei ihren Kämpfen um die Weibchen. Die Tiere sind sehr lebhaft und spiellustig, ernähren sich ebenfalls vorwiegend von Tintenfischen, daneben von verschiedenen Krebsen und kleinen Fischen. Wie bei allen Walen werfen die Weibchen meist nur ein einziges, nur ausnahmsweise zwei Junge, die von ihnen lange gesäugt und sorgsam behütet werden.

Wegen der sehr geschätzten Stoßzähne, seines trefflichen Fleisches und seines gewöhnlichen Waltran an Güte übertreffenden Tranes hat der Narwal heute in allen den Walfängern zugänglichen Meeren bedeutend an Zahl abgenommen. Südlich des Polarkreises kommt er nur ausnahmsweise in verirrten Exemplaren vor. So weiß man nur von drei Narwalen, die zwischen den Jahren 1648 und 1808 an der Küste Englands auftauchten und erlegt wurden. An der deutschen Nordseeküste wurden nur im Jahre 1736, aber zweimal, solche beobachtet und erlegt. Bei der ungeheuren Seltenheit des Tieres an den nördlichen Küsten Europas kann es nicht wundern, daß man seine Stoßzähne, denen man allerlei Wunderkräfte zuschrieb, mit ungeheuren Summen bezahlte. Galten sie doch als vom Einhorn der Bibel abstammend, weshalb dieses fabelhafte Tier im englischen Wappen auch solche Zier trägt. Kaiser und Könige ließen sich oft mit dem zierlichsten Schnitzwerke versehene Stäbe daraus verfertigen und sich nachtragen, auch wurden die kostbarsten Bischofsstäbe daraus geschnitzt. Noch im 16. Jahrhundert bewahrte man im Bayreuther Archiv auf der Plassenburg vier Narwalzähne als außerordentliche Seltenheit auf. Einen derselben hatten zwei Markgrafen von Bayreuth von Kaiser Karl V. für einen großen Schuldenposten angenommen, und für den größten wurde von den Venezianern noch im Jahre 1559 die ungeheure Summe von 30000 Zechinen (= 198000 Mark) angeboten, ohne daß es ihnen gelungen wäre, in den Besitz desselben zu gelangen. Ein Zahn, der in der kurfürstlichen Sammlung zu Dresden an einer goldenen Kette hing, wurde auf 100000 Reichstaler geschätzt.

In den gemäßigten Meeren, auch im Nordatlantischen Ozean, in der Nordsee und im Mittelmeer lebt der fast 4 m lange, hauptsächlich Tintenfische fressende Risso’s Delphin (Grampus griseus). Viel verbreiteter und auch weiter nach Norden gehend ist der 9 m, meist aber 5–6 m lange Schwertwal (Orca gladiator), der nirgends häufig ist und sich nur in kleinen Gesellschaften teils in offenem Meere, teils nahe den Küsten umhertreibt, um Beute zu machen. Er ist nicht nur der größte, sondern auch der raublustigste und gefräßigste aller Delphine, der nicht bloß von Fischen, sondern auch von Seehunden und kleinen Delphinen lebt. Er ist so unersättlich, daß er gelegentlich vier oder mehr Tümmler nacheinander verschlingt. Im Magen eines gegen 5 m langen Schwertwales befanden sich einmal nicht weniger als 14 Seehunde. Ja, er greift gelegentlich sogar die größten Wale, darunter den Grönlandwal, an, um ihnen ganze Stücke Fleisch aus den Seiten und von den Lippen zu reißen. Schon Plinius weiß in seiner Naturgeschichte zu erzählen, daß der orca junge und alte Wale angreift und sie mit seinen großen Zähnen zerfleischt. „Die Wale können weder ausweichen, noch Widerstand leisten und suchen nur zu entfliehen und das hohe Meer zu erreichen; ihre Feinde aber versperren ihnen den Weg, treiben sie in die Enge und jagen sie auf die Sandbänke oder Klippen. Solche Kämpfe bieten ein erhabenes Schauspiel dar und die Wogen brausen und schäumen infolge des Schlachtgetümmels, als ob der ärgste Wirbelwind wütete.“ Obgleich der Schwertwal sehr viel Tran besitzt, wird doch nirgends regelmäßig Jagd auf ihn gemacht.

Der gemeinste Delphin unserer Meere ist der Tümmler oder Braunfisch, auch Meerschwein genannt (Phocaena communis), der 1,5–2, in seltenen Fällen auch wohl 3 m lang wird. Er lebt im ganzen Norden des Atlantischen Weltmeers, wandert gegen den Winter nach Süden, im Frühling wieder nach Norden und verfolgt dann die Heringe mit solchem Eifer, daß er den Fischern die Netze zerreißt. Seine Gefräßigkeit ist sprichwörtlich, er verdaut außerordentlich schnell und bedarf einer ansehnlichen Menge von Nahrung. Gesellig wie alle Delphine, findet man ihn nur in kleinen Scharen mit überraschender Schnelligkeit durch die Wellen dahineilen. Er zieht im Gegensatz zu den anderen Walen die Küstengewässer dem hohen Meere entschieden vor und tummelt sich, wie schon die Alten wußten, besonders lebhaft vor und während eines Sturmes im Wasser umher. Selbst in der schwersten Brandung weiß er der Gefahr des Strandens zu entgehen und schwimmt spielend um die Schiffe, denen er begegnet. Früher wurde er auch seines Fleisches wegen, jetzt wird er hauptsächlich zur Gewinnung seines Tranes und seiner Haut, die gewöhnlich als Haut des Weißwals auf den Markt gelangt, verfolgt.

Viel berühmter als er und mit den merkwürdigsten Fabeln bedacht ist unter den verschiedenen eigentlichen Delphinen der gemeine Delphin (Delphinus delphis). Dieser etwa 2,3 m lange, gewöhnlich oben dunkelbraune und unten weiße Zahnwal besitzt eine schnabelförmig ausgezogene Schnauze und ist durch seine ungewöhnliche Lebendigkeit und Spiellust allen Seefahrern bekannt. Früher wurde er an den meisten Küsten Europas seines Fleisches wegen gejagt; nur die alten Griechen und Römer hielten das Töten dieses dem Meeresgotte heiligen Tieres für eine Sünde und Schande. Plinius sagt von ihm, daß er gegen den Menschen freundlich gesinnt sei, die Musik, besonders den Ton der Wasserorgel sehr liebe und leicht so zahm werde, daß er sich mit Brot füttern lasse. Unter der Regierung des Kaisers Augustus habe ein Delphin im Golf von Puteoli (dem heutigen Pozzuoli) bei Neapel eine solche Zuneigung zu einem Knaben, der ihn mit dem Namen Simon anrief und mit Brot fütterte, gefaßt, daß er jedesmal erschien, wenn er gerufen wurde, dem Knaben aus der Hand fraß, ihn durch seine Stellung zum Aufsitzen einlud und ihn mitten durch das Meer nach Puteoli in die Schule trug und ihn von dort wieder nach Hause brachte. Dies sei mehrere Jahre so gegangen, bis der Knabe an einer Krankheit starb. „Jetzt kam der Delphin noch oft traurig ans Ufer geschwommen und überlebte, ohne Zweifel von Sehnsucht gequält, seinen Geliebten nicht lange.“ Mehrfach weiß Plinius nicht nur von Knaben, sondern sogar von Männern zu berichten, die von Delphinen weithin übers Meer getragen worden seien. „Alles dies,“ fährt er fort, „macht auch die Geschichte des Arion glaublich. Er war zu Schiffe und die Matrosen wollten ihn wegen seiner Schätze ermorden. Da bat er um die Erlaubnis, nochmals seine Kithara erklingen lassen zu dürfen. Beim Klang der Töne versammelten sich die Delphine, und als er sich ins Meer stürzte, ward er von ihnen aufgenommen und ans Ufer von Tänarum (am Peloponnes) getragen.“ Nach ihm sollten in einem See an der Rhonemündung die Delphine, zu Hilfe gerufen, den Menschen die Fische ins Netz treiben und dafür mit einem Teil der Beute und mit in Wein getauchtem Brot gefüttert werden.

Im Mittelalter war man auch in den Mittelmeerländern weniger skrupulös gegen diesen „Liebling Poseidons“ und harpunierte ihn gern, um ihn als geschätzte Fastenspeise wie die eigentlichen Fische zu verzehren. In der Neuzeit wird der Delphinfang besonders an der atlantischen Küste Nordamerikas mit starken Netzen eifrig betrieben und scheint sich reichlich zu lohnen, da 3,5 m lange Stücke des in allen gemäßigten und warmen Meeren verbreiteten großen Delphins (Thursiops tursio) etwa 110 Liter Tran liefern. Auch die in den großen Strömen Indiens und Südamerikas vorkommenden Flußdelphine, die kaum über 2 m Größe hinausgehen, werden vielfach ihres Fleisches und Tranes wegen gejagt.