In seiner Biographie des Kaisers Probus (276–282) schreibt Flavius Vopiscus: „Probus gab im Zirkus ein ungeheures Jagen und überließ dem Volke die Tiere. Dabei verfuhr er so: Erst ließ er von Soldaten entwurzelte Bäume im Zirkus pflanzen und wartete ab, bis sie mit grünem Laube prangten. Als nun der Wald fertig war, wurden alle Zugänge geöffnet: Es kamen 1000 Strauße in die Arena hinein, dann 1000 Hirsche, 1000 Wildschweine, 1000 Antilopen, Steinböcke, wilde Schafe und andere graßfressende Haartiere, soviel man hatte auftreiben und füttern können. Jetzt wurde auch das Volk hereingelassen und jeder packte und behielt, was ihm beliebte. Am folgenden Tage ließ er im Amphitheater auf einmal 100 mit Mähnen prangende Löwen los, deren Gebrüll wie Donner rollte. Sie wurden sämtlich mit sarmatischen Speeren erlegt. Nach ihnen traten 100 libysche Leoparden auf, dann 100 syrische, ferner 100 Löwinnen und 300 Bären. Übrigens war das ganze Schauspiel mehr großartig als hübsch.“
Nach Plinius hat zuerst Quintus Scaevola als Ädil mehrere Löwen in Rom kämpfen lassen. Dann ließ Lucius Sulla, der spätere Diktator, als Prätor zuerst 100 alte bemähnte Löwen kämpfen, später Pompejus in der Rennbahn 600 Löwen, worunter 315 mit Mähnen, und Cäsar als Diktator 400 Löwen. Gezähmte Löwen hat nach demselben Autor zuerst Marcus Antonius, der Triumvir, vor den Wagen gespannt, und zwar nach der Schlacht bei Pharsalos, wo er von Augustus besiegt worden war. Nach Dio Cassius gab Pompejus bei der Einweihung des von ihm erbauten Theaters außer Wettrennen, Schauspielen, Konzerten und gymnastischen Spielen auch Tierhetzen im Amphitheater, wobei in der Zeit von fünf Tagen 500 Löwen erlegt wurden und 18 Elefanten mit bewaffneten Männern kämpften. Und Julius Capitolinus berichtet, daß bei Jagdspielen, die Kaiser Antoninus Pius (der Adoptivsohn Kaiser Hadrians, regierte von 138–161) gab, Elefanten, gefleckte Hyänen, Krokodile, Flußpferde, Tiger und andere Tiere aus allen Weltgegenden auftraten. Damals wurden auf einmal 100 Löwen auf den Kampfplatz gelassen.
Wie an den morgenländischen Fürstenhöfen gab es gelegentlich auch im Kaiserpalast in Rom gezähmte große Raubtiere als Begleiter der Cäsaren, wie am Schlusse des XII. Abschnittes über die Katzen berichtet wurde. Die sich als Götter fühlenden halbverrückten Kaiser, wie Caracalla (212–217) und Heliogabalus (218–223) ließen sich wie die ihnen vorschwebenden Vorbilder aus dem Olymp gelegentlich von bestimmten wilden Tieren auf ihrem Zweigespann ziehen, so ersterer von Löwen mit der Behauptung, er sei die Göttin Cybele, die man sich von Löwen gezogen vorstellte, und letzterer nach Lampridius von Tigern als angeblicher Bacchus; der Tiger war ja mit seinem buntgefleckten Fell das Leibtier jenes angeblich aus Indien nach den Mittelmeerländern gekommenen Gottes der Fruchtbarkeit und des Lebensgenusses. Älian sagt, daß unter den Geschenken, welche die Inder ihrem Könige darbringen, auch zahme Tiger seien. Aus Indien gelangten solche auch nach Westasien und in den Machtbereich des römischen Reichs. Nach Plinius hat Pompejus den ersten zahmen Tiger, den er aus Kleinasien im Jahre 63 v. Chr. mitbrachte, zu Rom in einem Käfig gezeigt. Nach ihm zeigte Claudius, der Stiefsohn des Augustus, der nach Caligulas Ermordung im Jahre 41 von den Prätorianern zum Kaiser ausgerufen wurde, deren vier zu gleicher Zeit. Afrikanische Panther durften nach einem alten Senatsbeschluß nicht nach Italien gebracht werden. Doch setzte nach Plinius der Volkstribun Cnäus Aufidius beim Volke ein Gesetz durch, wonach sie wenigstens zur Verwendung bei Jagdspielen im Amphitheater nach Rom gebracht werden durften. Scaurus habe als Ädil zuerst 150 nach Rom kommen lassen, dann Pompejus 410 und der vergötterte Augustus 420. Alle wurden bei Jagdspielen im Zirkus Maximus zur Unterhaltung des römischen Plebs getötet.
Derselbe Autor sagt, daß Pompejus zum erstenmal den nordischen Luchs bei den zirzensischen Spielen in Rom vorführte. Sein Beispiel ist späterhin kaum je nachgeahmt worden, da dieses Tier zu klein ist, um Aufsehen zu erregen, was doch der Hauptzweck dieser Tierkämpfe war. Dagegen war, wie oben geschildert, der grimmige Bär ein dankbares Objekt, das besonders in der Arena der nördlich der Alpen gelegenen Theater, die dieses Tier aus den ausgedehnten Wäldern der Umgebung sich leicht verschaffen konnten, häufig aufzutreten hatte und von Hunden gehetzt wurde und mit Menschen kämpfte. Auch dieses Tier hat sich wenigstens ein Kaiser zu seinem Liebling erwählt. Es war dies der aus Pannonien gebürtige Valentinian I. (364–375), ein sonst tüchtiger Regent und Krieger. Von ihm erzählt der Geschichtschreiber Ammianus Marcellinus: „Kaiser Valentinianus hielt sich zwei Bären, die er mit Menschenfleisch fütterte. Den einen derselben nannte er Goldkrümchen, den andern Unschuld. Diese Bestien wurden aufs allerbeste verpflegt; ihre Käfige standen neben dem Wohnzimmer des Kaisers (er residierte in Mailand) und treue Wärter mußten für ihre Wohlfahrt sorgen. Endlich ließ er die Unschuld, nachdem sie vor seinen Augen eine große Anzahl Menschen gefressen hatte, zur Belohnung dieses guten Dienstes im Walde frei.“
Zur Kurzweil der mächtigen Herren der Welt wurden in den Palästen Roms neben gezähmten Raubtieren auch zahme Affen und Papageien gehalten. Nach dem Griechen Älian war der Affe beliebt, „weil er herrlich nachahmt und allerlei Verrichtungen leicht lernt, so z. B. tanzen und die Flöte spielen. Ja, ich habe einen gesehen, der die Zügel hielt, die Peitsche schwang und kutschierte. An schlimmen Streichen läßt’s der Affe auch nicht fehlen, namentlich wenn er den Menschen nachahmen will. Beobachtet er z. B. von fern eine Amme, wie sie ein Kind badet, so paßt er auf, wo sie es dann hinlegt, schlüpft, wenn die Stube leer ist, zum Fenster hinein, holt das Kindchen aus dem Bett, legt es in die Wanne, holt siedendes Wasser vom Feuer, begießt damit das unglückliche Geschöpf und tötet es so auf eine jämmerliche Weise.
In Indien gehen die Paviane in Tierfelle gekleidet, sind gerecht, tun niemandem was zuleide, sprechen nicht, heulen aber und verstehen die Sprache der Inder. Sie fressen das Fleisch wilder Tiere, halten sich auch Ziegen und Schafe und trinken deren Milch. Zur Zeit der Ptolemäer lehrten die Ägypter den Pavian buchstabieren, auf der Flöte oder auf einem Saiteninstrument spielen. Das Tier ließ sich auch seine Mühe bezahlen und steckte, wie ein geübter Bettler, den Lohn in ein angehängtes Ränzchen. Bekommt so ein Pavian Mandeln, Eicheln, Nüsse und dergleichen, so knackt er sie auf, wirft die Schale weg und frißt den Kern. Er trinkt auch Wein und labt sich ganz gehörig an gesottenem und gebratenem Fleisch, wenn er’s bekommt. Zieht man ihm ein Kleid an, so schont er es. Hat man ein ganz junges Paviänchen, so kann es gesäugt werden wie ein Kindchen. — Klitarchos (ein Begleiter Alexanders des Großen) erzählt, es gebe in den indischen Gebirgen so große Affen, daß Alexander samt seinem Heere nicht wenig erschrak, als er plötzlich eine Menge solcher Affen sah und sie für eine feindliche Armee hielt. Um sie zu fangen, ziehen die Jäger vor ihren Augen Schuhe an, lassen dann aber die Schuhe stehen, die aus Blei gefertigt und also schwer sind, zugleich auch Schlingen enthalten. Man erzählt auch noch allerlei andere Dinge von Affen, die für gescheite Leute recht interessant sind.“ Auch Plinius weiß allerlei Merkwürdiges von den Affen zu erzählen. Er sagt von ihnen unter anderem: „Die Affen kommen der menschlichen Gestalt am nächsten. Ihre Klugheit setzt in Erstaunen. Nach Mutianus sollen sie sogar Schach spielen und die Figuren unterscheiden lernen. Die geschwänzten Affen sollen bei abnehmendem Monde traurig sein, den Neumond aber mit Jubel begrüßen. Mond- und Sonnenfinsternisse fürchten sie gleich andern Tieren. Haben sie in der Gefangenschaft Junge bekommen, so tragen sie diese herum, zeigen sie allen und freuen sich, wenn sie liebkost werden. Meist ersticken sie die Jungen durch allzu zärtliche Umarmungen.“ Daher die noch bei uns gebräuchliche Redensart von der Affenliebe. Einst soll ein Affe auch künftiges Geschehen vorausverkündet haben, wie uns der beredte Cicero in seinem Buche über Prophezeiungen erzählt: „Als die Spartaner vor der Schlacht bei Leuktra (in Böotien südwestlich von Theben, wo 371 v. Chr. die Thebaner unter Epameinondas über die Spartaner unter Kleombrotos siegten) Gesandte nach Dodona schickten, dort den Jupiter zu fragen, ob Sieg zu hoffen sei, da prophezeite ihnen ein Affe schweres Unglück. Die Sache verhielt sich so: Als die Gesandten die Urne zurechtgestellt hatten, worin sich die Lose befanden, kam der Lieblingsaffe des Königs der Molosser und warf die Lose und alles, was zum Losen gehörte, nach allen Seiten hin auseinander. Darauf sprach die Priesterin des Jupiter die Worte: ‚Denkt nicht an Sieg, ihr Lakedaimonier, denkt nur an eure Rettung!‘“
Nach den vorhin aus den Angaben der alten Autoren mitgeteilten Tatsachen läßt sich ersehen, welch ungeheurer Verbrauch von wilden, aber auch gezähmten Tieren aus allen damals den Römern erreichbaren Weltgegenden besonders in der Hauptstadt, aber auch in den Provinzialstädten, die hinter jener nicht zurückbleiben wollten, jährlich stattfand, alles nur zur Unterhaltung und zum Vergnügen des Volkes, das in Rom ohne ernsthafte Beschäftigung, von den Machthabern gefüttert und verwöhnt, nach Brot und Zirkusspielen (panem et circenses!) schrie. Dort in der Hauptstadt war stets so viel los, daß der Dichter Juvenal sagen konnte: „Deshalb trauert, wer aus Rom auswandert!“
Trotz aller unbeschreiblichen Grausamkeiten, die dabei geübt wurden, ist aber doch anzuerkennen, daß die Römer mit ihren Tierhetzen zugleich auch ein unvergleichliches Kulturwerk leisteten. Wenn allein Kaiser Augustus während seiner allerdings 45jährigen Regierungszeit nicht weniger als 3500 afrikanische Tiere an den Spielen in Rom umbringen ließ, wenn bei einer einzigen Hetze des Pompejus 500 Löwen umkamen und der Betrieb so bis ins 5. Jahrhundert andauerte, so summiert sich das schließlich zu Millionen. Darunter waren weit mehr schädliche als nützliche Tiere, und zwar große Raubtiere. So geschah es, daß alle Provinzen des ausgedehnten Reiches von den großen Raubtieren, die süd- und westdeutschen Wälder von den Bären planvoll gesäubert und dadurch erst der friedlichen Kultur erschlossen wurden. Dafür sind die auf deutschem Boden ausgegrabenen Mosaikfußböden — so beispielsweise auch das von uns wiedergegebene schöne Mosaik in Bad Kreuznach, etwa aus dem Jahre 300 n. Chr. — denkwürdige Monumente, wenn sie uns wie dort den Bären in der Arena von Schwerbewaffneten angegriffen zeigen.
In Pompeji hat man mehrere Anschläge (programmata) vorgefunden, durch welche dergleichen Tierhetzen angekündigt wurden. Sie waren mit roten Buchstaben auf die geweißten Mauern der Stadttore geschrieben. Um nun immer wieder neue Anzeigen darauf schreiben zu können, wurden letztere öfters neu geweißt. Ein solches in Pompeji aufgefundenes Programm besagt: „Die Gladiatorentruppe des Ädilen Aulus Svettius Cerius wird zu Pompeji am 31. Mai (79 n. Chr.) kämpfen; es wird eine Tierhatz geben und das Amphitheater wird mit Tüchern beschattet sein (familia gladiatoria pugnabit — venatio et vela erunt).“ Ein anderes zeigt folgendes an: „Die Gladiatorentruppe des Numerius Popidius Rufus wird am 29. Oktober (79) zu Pompeji kämpfen; es wird eine Tierhatz geben.“ Tücher zum Schattenspenden werden da keine erwähnt, da die Sonne im Spätherbst nicht mehr zu heiß schien, und nur für sie, nicht für etwaigen Regen, waren jene über die Arena und die Zuschauerplätze ausgespannten Tücher bestimmt. Allerdings kam diese hier angekündigte Schaustellung nicht mehr zustande, da bekanntlich jene etwa 30000 Menschen beherbergende blühende Landstadt Kampaniens im August durch einen fürchterlichen Aschenregen des Vesuvs verschüttet wurde. Bei den 1748 begonnenen, oft unterbrochenen, erst seit 1860 mit Energie wieder aufgenommenen Ausgrabungen, wobei bisher erst ein Drittel der Stadt aufgedeckt wurde, fand man am Amphitheater die sich nach der arena, dem Kampfplatze hin öffnenden Zwinger für die wilden Tiere nebst den für die Fechter bestimmten Räumen gut erhalten. An der Brustwehr waren noch inzwischen von der Witterung zerstörte Bilder, welche den Kampf zwischen Löwe und Pferd, Bär und Stier, Tiger und Eber vorstellten. Man fand in jenem Amphitheater eine ziemliche Menge Einlaßbilletts in Gestalt kleiner Knochenplatten, die die Nummer des betreffenden Platzes rot aufgemalt trugen.
Mit dem Verfall des Römertums hörten diese Jagdspiele auf; doch vergnügten sich die großen Herren noch im Mittelalter gelegentlich damit, in eigenen Tiergärten großgezogene Bären mit großen Doggen kämpfen zu lassen. Besonders war solches am sächsischen Hofe unter dem Kurfürsten August dem Starken (1670–1733), dem späteren König von Polen der Fall. Flemming erzählt, daß im Jahre 1630 im Schloßhofe in Dresden binnen acht Tagen drei Bärenhetzen stattfanden. In den beiden ersten mußten sieben Bären mit Hunden, im dritten aber mit großen Keilern kämpfen, von denen fünf auf dem Platze blieben. Die Bären wurden außerdem durch Schwärmer gereizt und vermittelst eines ausgestopften roten Männchens genarrt. Gewöhnlich stachen die großen Herren selbst die von den Hunden festgehaltenen Bären ab; August der Starke pflegte ihnen aber den Kopf abzuhauen. Mit der Verfeinerung der Sitten kamen aber diese rohen Schauspiele glücklicherweise allmählich ab.