Rennt, sich zu baden gewohnt in dem schön hinwallenden Strome,

Strotzend von Kraft; hoch trägt es das Haupt und umher an den Schultern

Flattern die Mähnen empor. Im Gefühl der eigenen Schönheit

Tragen die Schenkel es leicht zur gewohnten Weide der Stuten, —

So schritt Priamos Sohn von Pergamons Veste hernieder,

Paris im leuchtenden Waffenglanz, der Sonne vergleichbar,

Freudig und stolz, rasch trugen die Schenkel ihn —“

In der klassischen Zeit Griechenlands waren die großen, schweren Schilde, wie auch die Streitwagen zum Transporte der „schwerbewaffneten“ Helden außer Gebrauch gekommen; dafür führte man am linken Arm getragene kleine Rundschilde und einen Panzer, wenn man zu Fuß ging, keinen Panzer dagegen, wenn man zu Pferde kämpfte. In letzterem Falle ritt man ohne Sattel und Bügel auf dem Pferderücken, dem man höchstens etwa eine Decke auflegte. Jeder von uns kennt ja die Art des Reitens der Griechen und später auch der Römer an den mancherlei auf uns gekommenen antiken Darstellungen von Reitern, in erster Linie von der herrlichen Darstellung reitender junger Athener am Panathenäenzuge auf dem berühmten Friese des Parthenon und an den mancherlei Grabdenkmälern in Germanien verstorbener römischer Soldaten. Schon der griechische Feldherr und Staatsmann Xenophon schrieb zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. ein Werk über die Reitkunst. Darin ist von den Regeln die Rede, nach welchen man die Güte eines Pferdes beurteilen, es dressieren und reiten soll, fernerhin ist angegeben, wie Roß und Mann angetan sein und wie Speer und Schwert gebraucht werden sollen.

Das berühmteste aller Pferde von Griechen, die nebenbei bemerkt ausnahmslos von edler asiatischer Zucht waren, war das Leibroß Alexanders des Großen (356–323 v. Chr.), Bukephalos, d. h. Stierkopf, mit Namen. Nach den Angaben in der Naturgeschichte des älteren Plinius soll Alexanders Vater Philippos es ihm, als er noch ganz jung war, aus der Herde des Pharsaliers Philonikos um den Preis von 13 Talenten, d. h. 45000 Mark, gekauft haben, weil es ihm so wohl gefiel. „Obgleich dieses Pferd für gewöhnlich jeden Reiter aufnahm, so litt es doch, wenn es mit dem königlichen Schmucke geziert war, keinen als Alexander. Vorzügliche Dienste leistete es in Schlachten: bei der Belagerung von Theben (im Jahre 335) ließ es, obgleich schwer verwundet, den König doch nicht auf ein anderes steigen.“ Später gab es noch andere Beweise seiner Klugheit und Anhänglichkeit, begleitete seinen Herrn bis nach Indien und als es einige Zeit nach der Schlacht gegen König Porus „entweder an seinen Wunden oder an Altersschwäche starb,“ wie sich der Geschichtschreiber Plutarch ausdrückt, „betrauerte Alexander dasselbe wie einen Freund und baute ihm zu Ehren am Hydaspes die Stadt Bukephaleia. — Er soll auch einem seiner Hunde, welcher Peritas hieß, zu Ehren eine Stadt gebaut haben.“

Nach demselben Plinius soll wie Alexanders, so auch Julius Cäsars Pferd keinen andern Reiter auf sich gelitten haben. Dieses Pferd soll Menschenfüßen ähnliche Vorderfüße besessen haben, „was auch an seiner vor dem Venustempel aufgestellten Bildsäule ausgedrückt ist“. Er meint damit wohl die unschönen langen Hufe, die lange im Stall stehende Pferde bekommen. Daß nun der stolze Diktator Cäsar einen solchen minderwertigen Gaul gehabt haben soll, ist kaum anzunehmen, noch weniger, daß er sich mit einem solchen Klepper auf einer Bildsäule verewigt habe.