An der Stelle aber, wo sein Auge zum letzten Male jenes unvergleichliche Panorama, das Roßtrappe und Hexentanzplatz mit dem Bodetal zusammen bilden, umfangen hat, steht ein Stein. Man sieht ihn nicht, denn er ist nicht sichtbar. Es ist ein imaginärer Stein. Manche sehen die Worte, die darauf stehen. Auch sie lauten: Genio huius loci!
Für uns aber gilt, was Goethe einmal — drei Jahre später — an die Malerin Caroline Bardua schrieb: »Der Brocken wird noch eine Weile auf seinen Füßen stehen bleiben, und die Spur des Roßtritts auch nicht so bald verlöschen …« Nein, so bald nicht, und mit ihnen wird die Erinnerung an Goethe dauern, dem sie Erschütterung und tiefstes Erlebnis gewesen.
Ilmenau
Goethe-Worte geleiten nach Ilmenau: »Es entfaltet sich ein Trieb, alles, was von der Vergangenheit herauszuzaubern wäre, zu verwirklichen. Die Sehnsucht wächst, und, um sie zu befriedigen, wird es unumgänglich nötig, an Ort und Stelle zu gelangen, um sich die Örtlichkeit wenigstens anzueignen.«
Und nun gelangt man an Ort und Stelle. Langsam klettert der Zug bergauf. Der sanfte Frühlingstag, der Weimar noch in goldener Verklärung zeigte, wandelt sich gemach in Grau. Die linden Lüfte sind hier noch nicht erwacht. Wolken drängen dunkel übers Gebirge, Wind wirft Regen an die beschlagenen Scheiben … noch ist es früh im Jahr, noch nicht Mai. Die warme Sonne um Goethes Gartenhaus, der Veilchenflor »auf Höhen Ettersburgs, in Tiefurts Tal« waren nur holder Trug. Kaum, daß ein leichter grüner Hauch, der hier und da die kalten Hänge übertuscht, daran erinnert. Fröstelnd steht man am Fenster und schaut in die trübe Landschaft.