2 Stuben für 3 Bedt und 2 Reitknechte, nebst geh. Betten.
Stall und Furage auf 4 Pferde.
Wir kommen über Caßel. An Table d'hôte eßen wir beyde und bedürfen daher keiner besonderen Kost. In welchem Hause wir wohnen sollen, ist mir gleichgültig … Deine Gesundheit befindet sich wohl an der trefflichen Heils Quelle erneuert und frisch belebt? herzlich wünsche ich es. Auch ich suche Trost dorten, um mit Dir noch etliche Jahre vergnügt und nützlich zu vertreiben.«
Ein zweiter Brief am 29. Juni meldete dann in humorvollerer Form, daß Carl August, um Goethe möglichst wenig Mühe zu machen, seinem »Mephisto«, d. h. den Kammerdiener Kämpfer, als Quartiermacher nach Pyrmont vorschicken würde: »Dazu kömmt, daß den armen Teufel es gut behagen wird, wenn er ein Tager achte ohne an meinen Leibe warten und schaaben zu müssen, ruhig zu seinem besten baaden und trincken kann.«
Ob der Herzog, um dessen Gesundheit es wirklich damals kritisch stand, in Pyrmont die erwartete Erholung gefunden hat, weiß man nicht. Ein Brief Goethes an Christiane berichtet nur kurz und sachlich: »Der Herzog ist munter und lustig.« Aber immerhin: es spricht nichts dagegen, daß Karl August sich in Pyrmont zumindest wohl gefühlt hat; um im Stile seiner Briefe zu sprechen, hat das Bad doch dafür gesorgt, daß nicht die schwarze, sondern die weiße Fahne wehte, und Goethe und er haben noch mehr als »etliche Jahre vergnügt und nützlich« zusammen vertrieben.
Am 17. Juli verläßt Goethe Pyrmont, mit »Akten und Erinnerungen reicher beladen«, als er selbst gedacht, und vor allem, wie die nun folgenden Tage in Göttingen zeigen, schaffensfreudig und empfänglich wie lange nicht.
Regenwetter erleichtert den Abschied; die Sehnsucht nach der geliebten Hausgenossin und Frau in Weimar, mit der er auf der Rückreise in Kassel zusammentreffen will, hat den Zeitpunkt der Abfahrt ebenfalls um Tage vorgerückt. »Mit Freuden werde ich,« schreibt er am 12. Juli an Christiane, »Koppenfeldens Scheungiebel (das Nachbarhaus am Frauenplan) wiedersehen und Dich an mein Herz drücken und Dir sagen, daß ich Dich immerfort und immer mehr liebe.«
Wie schön, wie liebevoll diese wenigen Worte!
Und so verstauen sich an einem feuchten Morgen, von den Bergen weht es kühl, und auf der aufgeweichten Straße spiegeln die Regenpfützen grauen Wolkenhimmel, »Vater, Sohn und Geist« wieder in der schwerfälligen Reisechaise, die sie vor vier Wochen hierhergebracht: Goethe ernst und nachdenklich, der in Pyrmont verlebten Tage gedenkend, deren Resultat immerhin ungewiß; August lebhaft und sich kindlich des Neuen im voraus freuend, das die Fahrt bieten wird; Geist, der Schreiber, gleichmütig wie immer.