In der Haustür der Wirt, der Brunnenkassierer Voigt, devot das Käppchen in der Hand, bis die Pferde anziehen und der Wagen davonrollt … der brave Mann ahnt nicht, daß ihm dieser Kurbesuch Unsterblichkeit schenkt!

Erstes Reiseziel Göttingen. Dort ist Goethe, sehr tätig, bis zum 14. August. Tags drauf trifft er dann in Kassel Christiane und Heinrich Meyer, und im Posthaus am Königsplatz, bei der Madame Goullon, kann die »wertheste Demoiselle« Vulpius endlich wieder nach mehr als zehn Wochen des Hangens und Bangens den geliebten Mann und das »Bübchen« in ihre Arme schließen.


Donnerstag nach Belvedere …

»Und durch die Gärten blendet der Palast
(wie blasser Himmel mit verwischtem Lichte),
in seiner Säle welke Bilderlast
versunken wie in innere Gesichte,
fremd jedem Feste, willig zum Verzichte
und schweigsam und geduldig wie ein Gast.«

Rainer Maria Rilke

Mai Achtzehnhundertunddreizehn. Weimar hat sich von dem Schrecken erholt, den am 18. April ein Gefecht zwischen dem Blücherschen Korps und der Avantgarde des Marschalls Ney in seine stillen Straßen getragen hatte. Goethe ist in Teplitz. Die kriegerischen Wirren haben ihn nicht von der gewohnten Badereise abhalten können. Am 17. April, einem Tag nur vor dem Kampf am Kegeltor, hat er Weimar verlassen. In Tharandt erst hört er davon — wie er später aus Teplitz an Christiane schreibt: auf eine Weise, die ihn mehr verdroß als erschreckte. Seine eigene, so wunderbare und unvorsetzliche Entfernung hätte ihm die Hoffnung gegeben, daß das Übel auch von Weimar entfernt geblieben sein würde …

Nun ist Christiane schon weit über einen Monat allein zu Haus. Und langweilt sich. Sie ist mittlerweile eine rundliche, behäbige Frau geworden und sitzt jetzt mindestens ebenso gerne in dem schönen bequemen Rohrstuhl, den ihr der »liebe Herr Geheimderath« geschenkt hat und der unten in der Küche neben dem Herde steht, wie sie früher getanzt hat … womit nicht gesagt sein soll, daß sie etwa nicht auch jetzt noch für ihr Leben gerne tanzte. In den weichen Grübchen um Kinn und Mund wohnt noch immer der Schalk, und die guten braunen Augen schauen noch genau so lustig und lebensfroh in die Welt wie damals, als sie noch die junge Demoiselle Vulpius war.