Dankst du dann, am Blick dich weidend,
Reiner Brust der Großen, Holden,
Wird die Sonne, rötlich scheidend,
Rings den Horizont vergolden.«

Genaueres über sein Leben in Dornburg geben die Briefe, die er hier geschrieben, darunter manche, die von der Schönheit eines lyrischen Gedichtes sind. Der fast Achtzigjährige war eben wieder ganz in poetischer Bewegung, wie immer, wo er so unmittelbar in und mit der Natur lebte wie hier. Rückhaltlos spricht er sich zu den alten Freunden Zelter, Heinrich Meyer, Soret und Knebel aus. »Seit fünfzig Jahren,« schreibt er bereits am 10. Juli an Zelter, »hab' ich an dieser Stätte mich mehrmals mit ihm (dem Großherzog) des Lebens gefreut, und ich könnte diesmal an keinem Orte verweilen, wo seine Tätigkeit auffallend anmutiger vor die Sinne tritt.« Und nun schildert er, was Carl August für Dornburg alles getan, und deutlich spürt man zwischen den Zeilen die tiefe, fast behagliche Freude des Genusses an all dem Schönen, was hier Natur und Kunst in edlem Wettstreit bieten, ja, er malt förmlich, und das Bild, das so von Dornburg entsteht, ist so plastisch, daß selbst jemand, der Dornburg und seine Schlösser nie gesehen hat, sich dem Reiz der Darstellung nicht entziehen kann.

Ein völliges Kunstwerk ist der große Brief vom 18. Juli an Friedrich August v. Beulwitz, den Generaladjutanten des neuen Großherzogs Carl Friedrich. In ihm erscheint die ganze Dornburger Zeit in poetischer Verklärung — das Tagebuch nennt ihn ja auch die »reflexive Relation meines hiesigen Aufenthalts«. Das lange und ausführliche Schreiben beginnt mit jenem alten Distichon, das über dem Portal des Stohmannschen Freiguts in den Stein gemeißelt ist; den lateinischen Worten läßt Goethe gleich die Übersetzung folgen:

»Freudig trete herein und froh entferne dich wieder!
Ziehst du als Wanderer vorbei, segne die Pfade dir Gott.«

Und er schildert dann, wie er nach Verlauf von einigen Tagen und Nächten der Trauer sich ins Freie gewagt und begonnen hat, die Anmut dieses »wahrhaften Lustorts« still in sich aufzunehmen:

»Da sah ich vor mir auf schroffer Felskante eine Reihe einzelner Schlösser hingestellt, in den verschiedensten Zeiten erbaut, zu den verschiedensten Zwecken errichtet. Hier, am nördlichsten Ende, ein hohes, altes, unregelmäßig weitläufiges Schloß, große Säle zu kaiserlichem Pfalzlager umschließend, nicht weniger genugsame Räume zu ritterlicher Wohnung. Es ruht auf starken Mauern, zu Schutz und Trutz. Dann folgen später hinzugestellte Gebäude, haushälterischer Benutzung der umherliegenden Feldbesitzer gewidmet.

Die Augen an sich ziehend aber steht weiter südlich, auf dem solidesten Unterbau, ein heiteres Lustschloß neuerer Zeit zu anständigster Hofhaltung und Genuß in günstiger Jahreszeit. Zurückkehrend hierauf an das südliche Ende des steilen Abhanges, finde ich zuletzt das alte, nun auch mit dem Ganzen vereinigte Freigut wieder, dasselbe, welches mich so gastfreundlich einlud.

Auf diesem Weg nun hatte ich zu bewundern, wie die bedeutenden Zwischenräume, einer steil abgestuften Lage gemäß, durch Terrassengänge zu einer Art von auf- und absteigendem Labyrinthe architektonisch auf das schicklichste verschränkt worden, indessen ich zugleich die sämtlichen übereinander zurückweichenden Lokalitäten auf das vollkommenste grünen und blühen sah. Weithingestreckt, der belebenden Sonne zugewendete, hinabwärts gepflanzte, tiefgrünende Weinhügel; aufwärts, an Mauergeländern, üppige Reben, reich an reifenden, Genuß zusagenden Traubenbüscheln; hoch an Spalieren sodann eine sorgsam gepflegte, sonst ausländische Pflanzenart, das Auge höchstens mit hochfarbigen, am leichten Gezweige herabspielenden Glocken zu ergötzen versprechend; ferner vollkommen geschlossen gewölbte Laubwege, einige in dem lebhaftesten Flor durchaus blühender Rosen, höchlich reizend geschmückt; Blumenbeete zwischen Gesträuch aller Art.

Konnte mir aber ein erwünschteres Symbol geboten werden? deutlicher anzeigend, wie Vorfahr und Nachfolger, einen edlen Besitz gemeinschaftlich festhaltend, pflegend und genießend, sich von Geschlecht zu Geschlecht ein anständig bequemes Wohlbefinden emsig vorbereitend, eine für alle Zeiten ruhige Folge bestätigten Daseins und genießenden Behagens einleiten und sichern? …

Von diesen würdigen landesherrlichen Höhen sehe ich ferner in einem anmutigen Tal so vieles, was, dem Bedürfnis des Menschen entsprechend, weit und breit in allen Landen sich wiederholt. Ich sehe zu Dörfern versammelte ländliche Wohnsitze, durch Gartenbeete und Baumgruppen gesondert; einen Fluß, der sich vielfach durch Wiesen zieht, wo eben eine reichliche Heuernte die Emsigen beschäftigt; Wehr, Mühle, Brücke folgen aufeinander, die Wege verbinden sich auf und ab steigend. Gegenüber erstrecken sich Felder an wohlbebauten Hügeln bis an die steilen Waldungen hinan, bunt anzuschauen nach Verschiedenheit der Aussaat und des Reifegrades. Büsche hier und da zerstreut, dort zu schattigen Räumen zusammengezogen. Reihenweis auch den heitersten Anblick gewährend seh' ich große Anlagen von Fruchtbäumen; sodann aber, damit der Einbildungskraft ja nichts Wünschenswertes abgehe, mehr oder weniger aufsteigende, alljährlich neu angelegte Weinberge.