„Eine solchene Sprach verbitt i mir, was fallt denn Dir ei? Vorstand bin i, und Punktum!“

„Oho!“

„Frau Lippel, lassen’s eahm sei Red halt’n,“ interveniert der Hofbauer, „vielleicht gibt’s a Gaudi, dös war dös beste Mittel.“

Die Gattin läßt sich endlich herbei, und ein paar Minuten später steht der Herr Lippel in seiner ganzen Größe auf dem Stuhl und wartet darauf, daß sich der Lärm legt.

Nach vielen Bemühungen gelingt es den Musikern und den Komiteemitgliedern, die allgemeine Aufmerksamkeit auf den Redner zu lenken.

„Meine Herren,“ beginnt dieser, „Hochansehnliche Föstversammlung! Indem ich umherblücke und indem ich den heintigen Tag anschaue, kommt es mir traurig vor, daß ein solchenes Fest aufhören muß. Aber alles hat ein End, und dieses muß ich jetzt bereiten. Aber bevor wir allmählich auseinandergehen, schauen wir noch einmal zurück auf die Freiden, die wo wir gehabt haben. Und wir fragen uns zuerst, warum wir ein solches Fest und eine solchene Freid gehabt haben. Nur deswegen, weil wir uns alle lieb haben, weil Friede und Eintracht unter uns wohnen....“

Die letzten Worte verklingen in einem gräulichen Lärm, der sich vom Tanzboden her erhebt. Fensterscheiben klirren, die Mädel stoßen gellende Schreie aus, und über die Stiege herunter poltert und rumpelt unter wütenden Rufen ein dichtgedrängter Haufen. Kaum sind die vordersten im Garten angelangt, ertönt schon das verhängnisvolle Patschen und Klatschen, das jeder Eingeborene kennt. Vergeblich stürzt sich der Wirt mit seiner Hilfsschar unter sie; der Haufen wird immer größer, der Knäuel immer dichter. Der uralte Haß zwischen den Huglfingern und den Kraglfingern ist zum Ausbruch gekommen, und die Zeidelfinger benützten die günstige Gelegenheit, um an den Ansiedlern von Lackelhofen ihre Wut auszulassen. Und so auch die andern. Im Nu ist der Garten in einen Kampfplatz verwandelt. Durch Pfeifen und Zurufen finden sich die Dorfschaften zusammen, und nun beginnt eine homerische Schlacht.

Wütendes Schnaufen, Stampfen, Schreien; Tischfüße knaxen, Köpfe krachen, da und dort fliegen klirrend die Scherben von Krügen und Tellern. Im dichtesten Haufen ficht die streitbare Jugend, weiter abseits steht das ehrwürdige, aber doch kampfbegierige Alter und entsendet mit sicherer Hand die Wurfgeschosse. Der Hofbauern Nazi hat seine Aufgabe erkannt; er ergreift die Fahne mit der Linken und stürzt sich in das Gewühl; seine ledernen Handschuhe erweisen sich ebenso tauglich zur Parade wie zum Hieb. Das flatternde Panier weist den Kraglfingern den Weg zur Ehre, und so wogt der Kampf hin und wider.

Allmählich jedoch ermatten die Kräfte; immer mehr Kämpfer verlassen das Blachfeld, um an den Brunnen und in den Teichen des Dorfes die brennenden Wunden auszuwaschen. Jetzt gelingt es dem Wirt und der Gendarmerie, durchzudringen und die Völker zu trennen. Aber wie sieht der Festplatz in der Abenddämmerung aus!

Kein Tisch steht mehr auf seinen Füßen, kein Stuhl kann sich mehr gerade halten; Fetzen von Kleidungsstücken liegen auf dem Boden neben Hüten und ehemaligen Halstüchern; in den Bierlachen liegen die Scherben der Maßkrüge, und da, wo der Kampf am heftigsten war, wo der Kies am stärksten aufgewühlt ist, liegt der zerbrochene Schaft und die zerstückelte Fahne des Rauchklubs Kraglfing.