„Johann Feichtl, Schäfer von Kraglfing..“

„Jaa! Was..? Und wer sind denn Sie?“

„I war der Glas...“

„Da hört sich doch alles auf! Wie können Sie sich unterfangen, unter falschem Vorgeben hier als Schöffen aufzutreten...“

„.. Erlaubens, Herr Ambsrichta, mir hamm ja net reden derfa. Der Herr Gerichtsdeana hat g’sagt, de Schäfa soll’n z’erscht reikemma, und wia ma hering’wen san, hat er nimma auslassen, bis ma uns da rauf g’setzt hamm...“

Die Heiterkeit, welche sich inzwischen aller Anwesenden mit Ausnahme Schneckels und unserer Freunde bemächtigt hatte, steckte nun auch den Herrn Vorsitzenden an, so daß er Mühe hatte, nicht zu lachen.

Er ließ die zwei Angeklagten rasch von ihrem erhöhten Platze abtreten und erfuhr nun von den zwei wirklichen Schöffen, die sich inzwischen meldeten, daß sie sich auch nicht ausgekannt hätten, weil Schneckel die zwei Schäfer gleich mitgenommen und auf die Plätze hinaufbefohlen hätte.

„Natürlich!“ sagte jetzt der Vorsitzende. „Mein lieber Schneckel, ich habe Ihnen schon oft gesagt, daß Sie nicht so viel Schmalzler schnupfen sollen. Ihre Aussprache ist auch so noch miserabel genug. Außerdem sollten Sie die Leute nicht so anschreien. Dann wäre Ihnen diese einfältige Verwechslung nicht passiert.“

In Schneckels Seele ging ein schmerzlicher Kampf vor; der langgewöhnte Respekt vor den Vorgesetzten rang mit der Furcht, für immer die Autorität bei den „Erzengeln“ zu verlieren, wenn er jetzt schwieg. Er wußte, daß die Zuhörerschar mit innigem Vergnügen die Standrede des Vorsitzenden vernahm, und daß heute noch in allen Wirtshäusern des Bezirks dieses Ereignis besprochen wurde.