„Er macht alles mit der Phantasie,“ warf Frau Mertens ein, „er sitzt oft den ganzen Tag da und hat bloß Phantasie im Kopf; und dann kann man mit ihm reden, was man will, — er hört einen nicht.“

„Das wäre also ein passiv empfangender Vorgang, der zeitlich dem aktiv gestaltenden vorausgeht,“ bestätigte Direktor Höfler und sammelte zustimmendes Kopfnicken ein, indem er die Tafel entlang blickte.

„Ich denke es mir furchtbar interessant,“ sagte Frau Kommerzienrat Diestelkamp, „wie so eine Dichtung entsteht; das muß zu spannend sein! Was hat man da nun eigentlich für ein Gefühl dabei?“

„Tja ...“ sagte der Dichter.

„Das kann ich Ihnen ganz genau sagen, was wir da für ein Gefühl haben,“ warf wiederum Frau Mertens ein. „Zuerst, wenn wir anfangen, ist es sehr nett, weil man sich darauf freut, und dann in der Mitte wird es traurig, weil es oft nicht geht, aber dann, wenn es heraußen ist, sind wir wieder froh.“

„Ich kann mir das sehr gut vorstellen,“ meinte Frau Diestelkamp, „zuerst und dann ...“

„So daß wir gewissermaßen drei Momente der aktiven Gestaltung unterscheiden,“ warf der Direktor in erklärender Weise ein, „der von Hoffnungen getragene Beginn, das behinderte Werden und die Erleichterung der Vollendung.“

„Ja, ich bin immer erleichtert, wenn er es heraußen hat, denn Sie glauben nicht, was man als Frau dabei aussteht. Beim zweiten Akt ist es am ärgsten, weil man da immer stecken bleibt. Beim ersten hat er noch Appetit und schläft gut und hat auch seinen regelmäßigen Stuhlgang. Sie entschuldigen, wenn ich das erzähle ...“

„Aber ich bitte Sie, es ist ja so interessant,“ unterbrach hier Frau Diestelkamp die lebhafte Dichtersgattin, welche sogleich fortfuhr: „Ja, beim ersten Akt ist alles in Ordnung, aber sowie der zweite angeht, ißt er weniger und wacht mitten in der Nacht auf und verliert seine Regelmäßigkeit und verändert sich überhaupt. Ich kenne es sofort, wenn der zweite Akt angeht, und ich sage dann zu meiner Köchin, daß sie leicht verdauliche Speisen kocht, und daß mir immer Kompott auf den Tisch kommt, und ich lasse ihn dann auch fleißig Hunyadywasser trinken, bis wir den zweiten Akt heraußen haben, denn der dritte geht schon wieder viel leichter. Er kriegt dann eine bessere Gesichtsfarbe und schwitzt auch nicht mehr so stark in der Nacht.“

„Also die Lösung des Knotens gestaltet sich weniger schwierig, Herr Mertens?“ wandte sich der Direktor an den Mann, der sich teilnahmslos erklären ließ.