Wie oft sehne ich mich nach Ihrem Rathe, Ihren Nachweisungen aus dem Schatze Ihrer Kenntniße auf diesem Gebiete, wie viel vollständiger würde mein Buch in Ihrer Nähe werden. Darauf muß ich nun freilich verzichten. Mich tröstet es, daß ich der erste bin, der einen Weg durch die Ruinenwüste bahnt, so wird von mir auch fürs erste nur die gangbare Straße gefordert werden können.

Den Nachrichten zufolge, welche wir zuletzt von Ihrem Befinden erhalten haben, trifft dieses Blatt Sie in leidlichem Wohlsein. Hoffentlich wird der Sommer und Ihr Aufenthalt in Potsdam Sie wieder vollständig erfrischen. Vielleicht kann ich mich doch so einrichten, bevor ich meinen ersten Band drucken lassen, zu Ihnen zu kommen und Ihren Rath über Einiges zu erbitten. Möchte es mir schon deshalb vergönnt sein, um mich von Ihrem Wohlergehen überzeugen zu können.

Leben Sie wohl, hochverehrter Mann, und gedenken Sie meiner mit dem alten Wohlwollen

ganz der Ihrige

Eduard Devrient.


Devrient, Carl.

Wenn Emil Devrient, der „ewige Jüngling,“ die bis in’s Alter blühende Macht des Schönen in theatralischer Kunst personificirt; wenn Eduard den Werth besonnen-wirkender theoretischer Studien zur Geltung bringt; dann dürfen wir Carl, der drei Brüder ältesten, (denn er schlug schon die Befreiungskriege mit, und kehrte von Wunden geziert wieder heim,) als den nächsten Erben seines Oheim’s im Genialen betrachten. Carl hat Rollen gehabt, — manchmal nur einzelne Scenen, — wo er, begeistert, zu wahrer Begeisterung hinriß. Aber seine Darstellungen waren ungleich. Er hing vom Augenblick, von dessen Stimmungen ab. Es ist vorgekommen, daß er bei Gastspielen als Räuber Moor — als Lear — als Hamlet in einem Akte die größten Reminiscenzen aller Theaterfreunde überbot, — daß er im andern, durch irgend welche Zufälligkeit gestört, wichtige Momente fallen ließ, und sich selbst nicht ähnlich blieb. Dennoch wird er mit vollem Rechte als eine Zierde des K. Hoftheaters zu Hannover geschätzt, und ist allgemein geachtet und beliebt wegen seines geraden, männlichen Charakters.

I.