Ihre aufmunternden Zeilen über Fortunat kamen eben wenige Tage an vor der Aufführung dieses Stücks in einem hiesigen Vorstadttheater. Das Stück — fiel durch. Das Publikum schien das Volksmährchen gar nicht zu kennen, wunderte sich über den Sekel u. s. w. Zudem hatten Saphir mit seinen Anhängern und andere Uebelgesinnte Parthei gebildet; überdieß besitzen die beiden Holtei’s, welche z. 1. M. als engagirte Mitglieder spielten (Vasko und Rosamunde), keine Freunde unter den Schreibern der hiesigen Journale, welche, wie fast überall, in den schlechtesten Händen sind. Am zweiten Abend ging die Sache besser, u. Holtei’s wurden gerufen. Uebrigens wurde mir bei dieser Sache klar, daß das Stück auch auf unserm Hoftheater nicht gefallen hätte, und zwar nicht nur wegen seiner dramatischen Gebrechen, sondern hauptsächlich deßhalb, weil das Wiener-Publikum für das Freiere und Phantastische durchaus keinen Sinn mitbringt. So wurde ein Meisterwerk unserer Literatur „der Prinz v. Homburg“, mit welchem ich meinen Versuch natürlicher Weise nicht von Ferne zu vergleichen wage, auf den Hoftheater förmlich ausgelacht. — Sollten Sie, hochverehrter Herr, trotz jenes Erfolges dennoch die Aufführung des Fortunat beabsichtigen (welcher auch vom Berliner Hoftheater angenommen wurde), so werde ich so frei seyn, Ihnen in der Folge einige Abänderungen und Abkürzungen vorzuschlagen, welche sich bei der zweiten Darstellung als zweckmäßig erwiesen. —

Für den übrigen Inhalt Ihres Briefes, welche eine weit bessere Meinung für mich ausspricht, als ich bisher im Stande war zu verdienen, danke ich mit aufrichtigem Herzen. Schon in meinen frühesten Jünglingsjahren hatten, nebst Göthe und Shakespeare, Ihre Werke den größten Einfluß auf mich ausgeübt. Ich schrieb wohl über ein Dutzend Stücke beiläufig in den Manieren aller dieser Meister, worin sich vielleicht disjecta membra poëtae entdecken lassen; aber das Ganze blieb stets ungenügend. In der Folge fühlte ich ein brennendes Bedürfniß, das Theater kennen zu lernen. So kamen denn jene leichten Lustspiele zum Vorschein, bei denen, ich weiß es wohl, häufig das Poetische einer gewissen Technik aufgeopfert wurde, die sich aber der Theater-Schriftsteller durchaus erwerben muß. Dabei erschien mir die natürliche Auffassung moderner Zustände auch in das Feld der Poesie zu gehören, u. im bisherigen Deutschen Lustspiel noch wenig bebaut. — Schlimm ist’s, daß nun gerade der Versuch, wo ich der Poesie näher zu kommen dachte, verunglücken soll. Das soll mich jedoch nicht abhalten, dasjenige, was ich im Gefühl und im Gedanken einmal als das Richtige erkannt habe, mit Bedacht fortzubilden. Ist meine Kraft zu gering, dann hilft freilich die gute Absicht zu Nichts. Steht mir nur der Zeitgeschmack und die Gemeinheit entgegen, dann hoffe ich noch durchzudringen.

Verzeihen Sie, verehrter Herr, daß ich Sie mit einem so weitläufigen Schreiben belästige; aber ich fühlte ein wahres Bedürfniß, Ihnen den Gang meiner poetischen Bildung einiger Maßen darzulegen, da ich Ihnen, ohne Sie persönlich zu kennen, so Vieles verdanke.

Sollten Sie mir einige billigende Worte entweder selbst schreiben oder durch Rettich mittheilen wollen, so werden Sie dadurch sehr beglücken

Ihren

dankbaren Verehrer

Bauernfeld.
(J. P. Sollingers Buchhandlung in der obern Bäckerstraße.)


Beskow, Bernh. v.

Geb. am 19. April 1796 zu Stockholm, Hofmarschall, längere Zeit hindurch Theater-Intendant. Seine bedeutendsten dramatischen Werke sind: Erich XIV. — Hildegard — Torkel Knutson — Gustav Adolph in Deutschland. — Seine erste Dichtung war (1819) Carl XII.