Ich bin um eine Verwendung bei Ihnen angesprochen worden, wozu ich mich auch mit gutem Gewißen verstehen kann. Unsre Bühne geht mit dem 31ten März d. J. aus Mangel fernerer Subsistenzmittel wenigstens vor der Hand ein. Eines ihrer Mitglieder, der Komiker Jencke, wünscht nun auf das lebhafteste, wenn es möglich, in Dresden placirt zu werden, wo er sich namentlich von Ihrer Einwirkung die besten Folgen für seine fernere Ausbildung verspricht. Er hat gehört, daß sein Fach noch immer dort erlediget sei, und es würde ihm daher äußerst lieb seyn, wenn ihn die Intendanz zu Gastrollen im April verstatten wollte. Er glaubt, daß Ihrer freundlichen Vermittlung dieß ein Leichtes seyn werde, zu bewirken, und hat mich gebeten, Ihre Güte in dieser Hinsicht anzurufen.

Ich habe Herrn Jencke seinen Fehltritt vom vorigen Jahre — oder vielmehr seine Fehlfahrt nach Dresden — vergeben, da er sich seit der Zeit tadellos betragen hat, und manche Umstände ihn damals entschuldigten, obgleich ich im Intereße des von mir verwalteten Instituts streng zu verfahren verpflichtet war. Als Komiker kann ich ihn nun wirklich durchaus nur empfehlen. Er besitzt natürliche Laune, charakteristische poetische Auffassungsgabe, weiß seine Rollen vor allem Gemeinen sehr glücklich zu bewahren, und hat das regste Streben, sich noch viel weiter zu bringen, als wo er jetzt steht. Aus der Sphäre des ordinair Komischen, womit sich die gute Deutsche Bühne von Tag zu Tag hinhilft, ist es ihm schon gelungen, einigemale jenes höhere Gebiet der Heiterkeit zu erreichen, worin Sie mit Calderon und Shakespeare walten. Er lieferte mit entschiednem Erfolge den Junker Winfried im Blaubart, den Syrus, Mercutio und noch jüngsthin den Chinto in der Tochter der Luft, so wie den Clarin im wunderthätigen Magus. — Ich lege Ihnen daher sein Gesuch an das Herz und bin überzeugt, daß wenn er zum Spiel kommt, er sich selbst am besten empfehlen wird.

Unsre Bühne lieferte in diesem Winter von bedeutenden Werken, Othello, den wunderthätigen Magus, die Tochter der Luft (den 2ten Theil, mit einem aus dem 1ten Theile entnommen Vorspiele. Semiramis und Ningas ließ ich von einer Darstellerin geben).

Noch stehen bevor Kleists Schroffensteiner, Iphigenie, Richard der Dritte, Cäsar. Auch mein Alexis wird in nächster Woche wieder an 2 Abenden gegeben werden.

Es ist Schade, daß die Anstalt untergeht. Denn ohne sie oder mich zu überschätzen, kann ich doch sagen, daß sie eine poetische Bühne war, und daß immer neue schwierige Aufgaben alle Kräfte in Spannung erhielten. Was hätte noch Alles hier möglich werden können, wenn sich ein großgesinnter Fürst der Sache angenommen hätte!

Doch das sind Dinge, die in Deutschland sich immer wiederholen. Das Geistige pflegt doch in seinen Nachwirkungen nicht ganz verloren zu seyn; damit muß ich mich trösten.

Mit herzlicher Liebe und Anhänglichkeit

der Ihrige