Dir den ganzen Verlauf zu erzählen, wäre zu weitläuftig, Du kannst Dich in Berlin gleich von Schleiermacher davon unterrichten lassen. Der Letzte wird Dir auch den schriftlichen Entwurf der Jahrbücher mittheilen. Ich hoffte, er sollte Dich noch in Berlin treffen, da Du aber nicht mehr da warst, so hielt ich es nicht für nöthig, ihn Dir besonders zu schicken, da ich schon mündlich alles mit Dir durchgesprochen hatte. Denke nun ja mit rechtem Eifer und bald auf Beiträge. Erwarte dabei nicht meine Vorschläge, sondern besinne Dich selbst auf die im Guten oder Ueblen merkwürdigen Erscheinungen, besonders im dramatischen und Romanenfache, die Du übernehmen möchtest, und gieb sie mir an. In der Form, weißt Du, bist Du durchaus nicht gebunden. Ich trage jetzt Schillern die Selbstanzeige seines Wallenstein an, läßt er sich nicht darauf ein, so gebe ich ihn in Deine Hände. Ich werde es Dir baldigst melden, und wünsche sehr, es noch für den ersten Band zu bekommen.
In der Sammlung von Schillers Gedichten sind auch wieder schöne Fehlgriffe, — doch man muß ihm nicht alles auf einmal vorrücken.
Eine Anzeige Deiner romantischen Dichtungen von Dir selbst würde mir und auch gewiß Frommann sehr erwünscht sein. Du klagst mit Recht über die verwünschte Nothwendigkeit, für Geld arbeiten zu müssen. Indessen werden doch die Zeiten allmälig wieder besser, und wenn sich die Jahrbücher und das Taschenbuch im Gange erhalten, wie ich zu Gott hoffe, und wozu wir das unsrige thun wollen, so ist Dir da sowohl für kleinere Gedichte, als kritische Arbeiten ein besseres Honorar gesichert, als Du bisher bekamst. Mit den größern Werken ist mein Rath, sie lieber länger zurück zu halten, als unter ihrem Preis wegzugeben. — Mit den Novellen soll es, wie ich hoffe, auch noch gehen, wenigstens denke ich den Soltau so zugerichtet zu haben, daß er noch vor Ende des Don Quixote völlig den Hals brechen muß. Ich bin hier, besonders in der letzten Zeit recht fleißig gewesen. Heinrich V. ist mir sehr sauer geworden, auch habe ich, so sehr ich das Stück liebe, mit Abneigung daran gearbeitet. Endlich habe ich diesen Stein vom Herzen und Heinrich VI. entschädigt mich durch die Leichtigkeit und Schnelle, womit er von Statten geht. In sechs Tagen sind 2 Acte fertig geworden, und ich denke noch das Ganze von hieraus zu expediren. Alsdann begleite ich Carolinen nach Braunschweig, gehe auch nach Hannover auf einige Tage und so nach Jena zurück. Hier werde ich nun die Arbeiten für die Jahrbücher sogleich vornehmen, und dann vermuthlich in der letzten Hälfte des Winters nach Berlin kommen, wo wir recht viel zusammen leben wollen. Ich sehne mich recht nach unsern Gesprächen und Vorlesungen. Du wirst mich vielleicht in manchen Stücken verändert finden, — es muß natürlich den Sinn mehr von der äußern Welt abziehen, wenn man vor allem mit einem abgeschiedenen Wesen lebt. — Die Flecke auf der ersten Seite sind Spuren von Thränen, — ich erwähne es nicht als eine Seltenheit, — denn diese Libationen auf das Grab des geliebten Mädchens werden sich immer erneuern, diesen Tod werde ich nie aufhören, zu beweinen. Auf die erste Nachricht habe ich geglaubt, wahnsinnig zu werden, — dieser wüthende und empörte Schmerz stellte sich auch bei dem Besuche in (unlesbar) wieder ein. In der mildesten und heitersten Stimmung liegt mir doch die Wehmuth beständig nahe. Lebe recht wohl, mein geliebter Freund, ich grüße Deine Amalie aufs herzlichste und küsse die allerliebste kleine Dorothea. Wenn Du mir von Hamburg aus noch antwortest, so addressire nach Braunschweig beim Professor Wiedemann, sonst nach Jena. Nochmals Adieu.
Dein
A. W. S.
Denke Dir, vor einigen Tagen lasen wir ganz zufällig in einer französischen Zeitung, daß der gute Eschen, auf einer Alpenreise, in eine Eisspalte gestürzt und kläglich umgekommen ist. Es hat mich recht gejammert. Er hat mir noch seinen Horaz geschickt mit einem Briefe, den ich erst bekam, wie er schon todt war.
VI.
Braunschweig, d. 23. Nov. 1800.
Verzeih, liebster Freund, daß ich Dir so lange nicht geschrieben habe, Reisen, Zerstreuungen und Beschäftigungen haben mich abgehalten. Nun hoffe ich bald Dich wieder zu sehn und eine Zeitlang mit Dir zu lieben. Also nur das Nothwendige von Geschäften.
Du weißt, daß Cotta im Ganzen auf unsre Forderungen eingegangen ist, nur mit der Einschränkung, daß ein Theil von den 100 Lsd. als Grundhonorar festgesetzt, und das übrige erst, wenn der Erfolg der Erwartung entspräche, nachgezahlt werden sollte. Er schlug mir vor, die Summe des Grundhonorars zu bestimmen, dann wolle er die Zahl von Exemplaren bestimmen, nach deren Absatz er das übrige nachzahlen könne. Ich nannte nun, mit Voraussetzung Deiner Genehmigung, 60 Lsd. als das Grundhonorar; Cotta ist es zufrieden, und verspricht nach Absatz von 1000 Ex. das übrige nachzuzahlen. Dieses scheint mir billig, er muß von einem solchen Taschenbuch wohl 1500 absetzen, wenn er beträchtlichen Vortheil haben soll. Von Schillers Almanach, den er freylich auch wohl noch stärker bezahlt, sind immer 21–2200 Ex. gedruckt und, ich glaube, auch ziemlich vollständig abgesetzt worden.