Ich betrachte nun also die Sache als völlig in Richtigkeit gebracht. Mit dem Honorar, denke ich, machen wir nun folgende Einrichtung. Das Taschenbuch muß etwa 300 S. also 13–14 Duodezbogen à 24 Seiten enthalten. Wir honorirten also etwa unsre und der Freunde Beyträge mit 4 Lsd. per Bogen. Die 40 Lsd. die nachgezahlt werden, wenn es gelingt, theilen wir nachher unter uns. Hat das Taschenbuch gleich einen guten Erfolg, so entschließt er sich nachher wohl, die gesammten 100 Lsd. künftig sogleich zu zahlen, und dann können wir die Beyträge vielleicht noch etwas höher honoriren. Denn auf unhonorirte Beyträge müssen wir schlechthin nicht speculiren, um nicht in das gewöhnliche Musenalmanachswesen zu verfallen. Es muß schlechthin nichts aufgenommen werden, was von einem zweydeutigen halben Talent zeugt, und wir müssen uns die Grobheit nicht verdrießen lassen, wenn man uns so etwas aufdrängen wollte. Wir beyden, dann Hardenberg, Friedrich und Schelling (der sich aber vermuthlich nicht wird nennen wollen) können das Büchlein schon hinreichend anfüllen. Ritter hat sich auch mit poetischem Studium abgegeben, und ich habe Friedrich ermahnt, ihn väterlich anzuleiten: aber da wird wohl für’s erste noch nichts zu Stande kommen.

Was das beste ist, so schreibt mir Cotta, Goethen und Schillern würde er gern bey Arbeiten für das Taschenbuch ihre eignen Bedingungen zugestehn. Du weißt vielleicht, daß dießmal kein Schillerscher Musenalmanach erscheint; sollte er nun auch in Zukunft unterbleiben, wie ich vermuthe, (da Schiller sich wahrscheinlich ganz dem Theater widmen will), so werden uns die beyden, was sie an kleinen Sachen hervorbringen, gewiß nicht verweigern und so kann unser Taschenbuch leicht der Musenalmanach par excellence werden. Ich schreibe nächstens an Goethe darüber.

Zum einzigen Kupfer dabey wünschte ich für dießmal Goethe’s Porträt. Ich werde mich bemühen, nach Burys Bilde, das jetzt in Hannover steht, eine Zeichnung zu bekommen.

Nun ist also nur übrig, daß wir eifrig für das Taschenbuch sammeln. Noch habe ich zwar nicht vieles ausgeführt, aber eine Menge Gedanken zu Gedichten. Deine Sonette im Journal sind göttlich, ich habe sie oft mit großer Erquickung meines innersten Gemüths gelesen, und finde immer neue Tiefen darin. Fast hat es mir Leid gethan, daß sie nicht für das Taschenbuch aufgehoben worden. Indessen, Du lobst die andern Theilnehmer darin, und das würde denn freylich für eine Unschicklichkeit gelten. Ich baue auch auf Deine Fruchtbarkeit. Nur bitte ich Dich inständigst, jetzt von Deinen einzelnen Poesien ja nichts zu verzetteln, sondern alles beysammen zu halten und aufzusparen.

Friedrich wird uns mit Lyrischen Stücken in Spanischen und Italienischen Formen versorgen, (ich habe schon eine göttliche kleine Canzone von ihm) Hardenb. mit einheimischem Liedergesange; von Dir wünschte ich ganz besonders auch einige Romanzen. Versteht sich die freyen Lieder, Fantasieen, oder die mehr geordneten Lieder, Sonette und was es ist, wird auch willkommen seyn. — Ich werde wohl der einzige seyn, der Gedichte in antiken Formen unter die modernen mischt: den Plan zu einer zweyten lehrenden Elegie über die Gestirne hatte ich, wie Du weißt, lange. Jetzt gehe ich mit einer Idylle in deutschem lokalen Kostüm um. — Meine lyrischen Sachen werden meist alle zu einem Todtenopfer bestimmt seyn. —

Von Schelling (der von Deinen Sonetten ebenfalls sehr bezaubert ist) haben wir den Pfarrer[17], an dem er noch einiges verändert hat. Er schreibt mir: „Das poet. Taschenbuch wird nun ohne Zweifel bald ganz entschieden seyn. Wie froh wäre ich, mich mit würdigen Beyträgen anschließen zu können. Allein ich befinde mich hier jetzt in einer solchen prosaischen Lage, daß ich schwerlich so bald etwas neues zu Stande bringe. — Ein Lied jedoch kann ich Ihnen anbieten.“ — Bis zum Sommer wird ohne Zweifel noch manches hinzukommen.

Von Hardenberg habe ich noch das Lied an Dich über Jakob Böhme; sonst habe ich lange nichts von ihm vernommen.

Das sind so ungefähr die Aussichten. Laß mich vorläufig Bibliothekar und Registrator des Taschenbuchs seyn. Nach Neujahr hoffe ich nach Berlin zu kommen, und da wird unser Beysammenseyn noch manches hervorlocken.

Alsdann wollen wir auch überlegen, ob es besser ist, ganz friedlich mit reiner Poesie anzufangen, oder gemeinschaftlich eine große Teufeley auszubrüten. Die Abgeschmacktheit und Niederträchtigkeit ist groß, wie Du aus Falk’s Taschenbuch und den Rez. davon und von Deinem Zerbin in der A. L. Z. ersehen haben wirst. Die Frage ist nur, ob der Kampf grade an dieser Stelle fortgeführt werden soll, oder ob wir lieber ganz in unsrer Welt daheim bleiben sollen.

Ich habe auf meine eigne Hand einmal einen Streich ausgeführt, nämlich mit der Kotzebueschen Posse, die jetzt gedruckt wird und die Du nächstens erhalten wirst. Ich bin sehr begierig, wie sie Dir gefallen mag. Für das Taschenbuch wäre der Spaß viel zu weitläuftig gewesen, denn es werden an die sechs Bogen; auch dürfte es nicht veralten, da K. nun schon eine Weile her wieder im Glück ist.