Ich kann dem Ueberbringer dieses, meinem Sohn Ehrenfried v. Willich nichts angenehmeres wünschen als daß er Sie noch in Dresden finde, und Sie werden es der väterlichen Liebe verzeihen, wenn ich ihn Ihnen zusende. Meinen Dank bin ich Ihnen noch schuldig für die Bekanntschaft Ihres medicinischen Freundes. Leider war nur während der kurzen Zeit seines Hierseins ein solcher baulicher Unfug in unserer Wohnung, daß wir gar keine Fremde bei uns sehn konnten.

Ueber unsere Freunde und besonders den Verstorbenen[23] spräch ich gern mit Ihnen. Aus andern Aeußerungen war es mir so erschienen, als habe er sich in der letzten Zeit vom Katholizismus wieder mehr abgewendet und zu der indischen Weisheit hin, die er in seinem Buche so wenig günstig behandelt hatte. Es gehört zum consequenten Philosophiren auch eine gewisse Stärke des Charakters und diese mag ihm wohl am meisten gefehlt haben. Wenn ich in diesem Jahr noch eine Reise machen kann, so denke ich auf ein Paar Wochen nach Paris zu gehen, und das führt mich leider nicht zu Ihnen.

Meine besten Grüße an die Ihrigen und an unsere Freundin Alberti, wenn sie noch bei Ihnen ist.

Schleiermacher.

III.

Berlin, d. 9ten Mai 1831.

Diesmal lieber Freund ist es ein Amerikaner, den ich Ihnen zusende Mr. Walter-Haven; aber ich weiß wirklich nicht mehr aus welchem Staat. Er hat sich hier schon sehr degourdirt, und Sie werden gewiß auch Ihren Beitrag dazu geben, dies gute Werk an ihm zu fördern. Wenn nur Jeder, den ich Ihnen schicke, zugleich ein Executor wäre für die Cevennen! aber leider habe ich nun alle Hoffnung aufgegeben.

Mir ist die Reise, auf der wir uns zuletzt sahen, nicht sonderlich bekommen. Ich fand noch in Basel die Brechruhr, und habe mich mit der lezten Hälfte davon den ganzen Winter gequält. Jetzt endlich bin ich ganz frei von allen Nachwehn. Mögen Sie besseres rühmen können. Empfehlen Sie mich allen Ihrigen auf das beste.

Schleiermacher.