Ihrer

Adelaide R.


Rellstab, Ludwig.

Geb. den 13. April 1799 in Berlin, gestorben am 28. Novbr. 1860 ebendaselbst.

Sein Vater, Inhaber einer bekannten Buch- und Musikalien-Handlung in Berlin, erzog die Kinder entschieden für Musik. Ludwig’s ältere Schwester wurde als Sängerin beim Breslauer Theater angestellt, und gewann, obgleich Anfängerin auf den Brettern, durch liebliche Stimme, ausgebildete Schule und weibliche Bescheidenheit allgemeinen Beifall. Leider starb sie, einem dortigen Regierungsbeamten verlobt, in der Blüthe ihrer Jahre, da ihr Bruder noch ein Knabe war. Als sechszehnjähriger Jüngling griff dieser, den der Vater auch zum „Musiker von Métier“ bestimmt hatte, nach dessen Tode (1815) zu den Waffen, machte die Feldzüge mit, wurde Offizier in der Artillerie, Lehrer an der Brigade-Schule, und nahm 1821 seinen Abschied. Dann hielt er sich abwechselnd in Frankfurt a. O., Dresden, Heidelberg, Bonn u. s. w. auf, ein „freies Dichterleben“ führend. Mannichfach enttäuscht durch die nicht in Erfüllung gehenden Hoffnungen, wie sie ein junger Poet in seine ersten Tragödien setzt, kehrte er nach Berlin zurück und warf sich, gleich manchem andern, im ersehnten Erfolge gehemmtem Autor, auf die Kritik, worin er besonders für musikalische Besprechungen eine gefürchtete Autorität wurde, und den Anmaßungen des Ritter Spontini fest entgegen trat. Doch hörte er daneben nicht zu produciren auf und schrieb Gedichte, Abhandlungen, Dramen, Novellen, Romane &c., die als „Gesammelte Schriften“ (von 1843 bis 1860) mehr als dreißig voluminöse Theile bilden.

Wenn er hier und da sich hatte verführen lassen, die spitzige Feder in einigermaßen vergiftete Tinte zu tauchen, und Schriften in die Welt zu senden, die vielleicht besser ungeschrieben geblieben werden (z. B. „die schöne Henriette“), oder wenn er in der kritischen Polemik zu einseitig, manche Gegnerschaft hervorrief, so war und blieb er doch ein redlicher, wohlmeinender, ja weichherziger Mensch, der mit kalter Absicht Niemanden verletzten wollte. Für seinen ehrenhaften Charakter spricht wohl am deutlichsten sein Verfahren beim Konkurse der von ihm, mit einem ehemaligen Kameraden unternommenen Buchhandlung, wo er, — nachdem Jener „schlechte Geschäfte gemacht,“ — mit seinem väterlichen Erbtheil das Defizit deckte, ohne als ungenannter und nicht in Anspruch zu nehmender Kompagnon verpflichtet zu sein. — Vierunddreißig Jahre hindurch ist er unermüdet thätiger Mitredakteur der Vossischen Zeitung gewesen.

Weimar am 21sten September 1821.