Geehrter Herr Professor!

Die Dreistigkeit, Ihnen zu schreiben, kann ich nur damit entschuldigen, daß ich sowohl die Verpflichtung fühle, Ihnen noch einmal meinen Dank für Ihre so freundliche, mir unvergeßliche Aufnahme abzustatten: als auch Ihnen anzuzeigen, daß ich meinen Aufenthalt in Heidelberg verschiedner Umstände wegen um ein halbes Jahr verschoben habe. Die mir von Ihnen für diesen Ort gütigst mitgegebnen Briefe habe ich daher couvertirt und mit einigen entschuldigenden Worten nach Heidelberg gesandt in der Hoffnung, daß meine Verspätung mich nicht des Glückes berauben werde, mich persönlich vorstellen zu dürfen. Den Brief an J. P. F. Richter habe ich übergeben und dadurch große Freude gemacht. Höchst wahrscheinlich befindet sich J. P. jetzt in Heidelberg, wohin er gleich nach meiner Abreise von Bayreuth (am 30ten August) zu reisen gedachte. Er prophezeihete das beste Wetter, allein es ist so übles eingetroffen, (wenn dort und hier sich gleichen), daß er vielleicht deshalb die Reise gar unterlassen haben mag, indem er um eine solche mit Vergnügen machen zu können das heiterste Wetter fordert.

Noch einmal sage ich Ihnen besten und herzlichsten Dank für das Freundliche, das Sie dem ganz unbekannten und unbedeutenden erwiesen, und hege nur den Wunsch, daß ich (wenn auch nicht es erwiedern, denn dazu ist schwerlich Hoffnung) doch zeigen können möchte, daß Sie Ihre Güte nicht an einen ganz Unwürdigen verschwendet haben.

Mit größester Hochachtung

Ihr

ergebenster

L. Rellstab.


Rettich, Julie, geb. Gley.