Als ich vor vier Jahren das letztemal in Dresden war, hoffte ich Sie, Hochverehrter, wieder einmal zu sprechen, aber ich fand Sie nicht gegenwärtig. Daß ich seit der Zeit oft in Gedanken, mit Ihnen mich beschäftigt habe, werden Sie wohl ohne ausdrückliche Versicherung glauben. Jetzt soll mein Taschenbuch mir Gelegenheit geben, mit Ihnen in Berührung zu kommen, und ich bin deshalb so frei gewesen, der Willmannschen Verlagshandlung den Auftrag zu ertheilen, es Ihnen zu senden. Ich bilde mir nämlich ein, daß eine Erzählung von mir darin: Die beiden Candidaten nicht ohne Interesse für Sie sein möchte. Ob ich gleich alles auf Natur und Erfahrung gebaut habe, so ist doch besonders die Hauptfigur darin: der Herr von Grauenstein reine Erfindung. Es giebt in den entlegenen Provinzen unter dem Adel närrische Kauze dieser Art, und ich glaube gewiß, daß Sie auch mehrere dergleichen gekannt haben. Ich habe ihn zugleich als Repräsentanten des materiellen Princips benutzt und bei Abwägung des geistlichen und leiblichen in Beziehung auf einen Ausschlag ein klein wenig an Goethe gedacht, der, im Leben wenigstens, einer recht tüchtigen bürgerlichen Erscheinung gern den Vorzug gab, und auf Augenblicke sich von ihr bestechen ließ, auch mündlich öfters in Grundsätzen sich dafür aussprach. Es versteht sich, daß ihm dabei das Geistige nicht entging, aber es folgte nicht selten erst um ein Paar Schritte später. — Dies alles ist indeß nur Nebenbemerkung. Die Erzählung geht frei für sich ihren Gang fort, und sie hat in der Darstellung auf eine solche Beziehung keine Rücksicht genommen. — In der Sprache bin ich dem Grundsatze der Natürlichkeit und Einfachheit treu geblieben, mit der Ueberzeugung, daß sie um so mehr dem Stoff sich nähert, je mehr sie sich immer den Gegenständen selbst anschmiegt, woraus denn die Abwechselung in den Tonarten und Stimmungen sich von selbst ergeben muß, ohne daß man nöthig hat, wie viele neuere Schriftsteller thun, zur lebhaften Erregung der Theilnahme über alles hinaus ein Feuerwerk in verschiedenen Farben abzubrennen. Ich denke, daß ich hiermit nur Ihren eigenen Weg verfolge.

Mündlich ließe sich noch mehr, und wohl recht viel darüber sprechen; da mir aber das Glück einer solchen Unterhaltung mit Ihnen versagt ist, und eine schriftliche Mittheilung doch nur dürftig bleibt, so schließe ich lieber diese Zeilen, indem ich mich dem sehnlichen Wunsche und der Hoffnung überlasse, von Ihnen bald vielleicht manches Belehrende und Ermunternde vernehmen zu dürfen.

Auf jeden Fall mich somit Ihrem geneigten Andenken empfehlend verbleibe ich mit alttreuer Hochachtung

Ihr

ergebenster

St. Schütze.


Schulze, Friedrich August.

Geb. am 1. Juni 1770 zu Dresden, gestorben daselbst am 4. Sept. 1849.