Im Jahre 1800 ist sein erster Roman: „Der Mann auf Freiersfüßen“ erschienen, und von jener Zeit an hat Fr. Laun (wie er sich nannte) unter den beliebten Erzählern einen der ehrenvollsten Plätze behauptet. Ihm war die seltene Gabe verliehen, neben dem Beifall der großen, oft oberflächlichen Lesewelt, die er zu fesseln verstand, auch den Antheil und die Achtung strengerer Beurtheiler zu gewinnen, und sich fortdauernd zu erhalten. Den besten Beweis dafür liefert die (1843) veranstaltete Ausgabe seiner „Gesammelten Schriften,“ welche Ludw. Tieck mit einem Prologe begleitete.

Daß Laun auch anderweitig wirksam gewesen für die höheren Interessen der Poesie, geht aus einer Stelle des zweiten Briefes hervor, die von der Fortsetzung des Goethe’schen Faust handelnd, beherzigenswerthe Worte ausspricht.

I.

Dresden, den 11. Oktober 1842.

Innigstverehrter!

Die vor einigen Wochen verlautete Nachricht Ihres plözlichen Krankheitsanfalls betrübte mich allzusehr, als daß ich mich enthalten könnte, Ihnen selbst meine Freude darüber auszusprechen, nun das Uebel, nach der Versicherung der Frau Prof. Solger, so gut wie völlig gehoben erscheint. Professor Hübner, mit dem ich bald darauf zufällig zusammenkam, eröffnete mir sein Bedauern des Sie betroffenen Unfalls und freuete sich mit mir, wie ich ihm die neuere, so erwünschte Notiz mittheilen konnte.

Schwerlich werden Sie sich noch eines Gesprächs aus dem letztvergangenen Winter entsinnen, wo ich des Théatre italien von Gherardi Erwähnung that. Sie klagten darüber, dasselbe Buch (von dem Sie, vor nunmehr wohl 40 Jahren, mir einige Bände vorzüglich empfohlen und communicirt hatten), ich weiß nicht mehr ob ganz oder nur zum Theil, neuerlich in Ihrer Büchersammlung zu vermissen. Dabei erinnerte ich mich, daß mein geringer Büchervorrath mehr als Ein Exemplar des Werkes enthalten müsse, und faßte schon damals den festen Vorsaz, die beiden Exemplare aus den in größter Unordnung unter- und übereinander in Schränken, zum Theil ganz verpackt, liegenden Büchern, herauszusuchen. Leider aber verschob sich die Sache von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Der auf dem Bücherknäuel liegende, dicke Staub erfüllte mich immer mit neuem unbezwinglichen Grauen vor der unglücklichen Operation. Endlich und zwar grade am Tage nach Ihrer Abreise — die für alle Ihre hiesigen, zahlreichen Verehrer so traurig war — wagte ich mich denn doch an’s Werk. Und siehe da, es fanden sich wirklich, wie vielleicht am künftigen jüngsten Tage die auf Schlachtfeldern zerstreut liegenden menschlichen Glieder zu ganzen Körpern, die einzelnen Theile zu zwei vollständigen Exemplaren des Theatre italien, jedes von 6 Bänden, zusammen.

Nach einer oberflächlichen Vergleichung stimmen beide Ausgaben in Allem überein. Die eine ist im Jahre 1701 zu Amsterdam herausgekommen, wohin Gherardi, nachdem sein Bühnenunternehmen im Hotel de Bourgogne zu Paris im Jahre 1697 sich aufgelöst hatte, in’s Privatleben zurückgetreten zu seyn scheint. Meine zweite zu Paris im Jahre 1717 gedruckte Ausgabe hat der Verf. ebenfalls noch selbst besorgt.

In der Hoffnung, daß Sie mir das Vergnügen, dem einen mir völlig unnüzen Exemplare einen Platz unter Ihren Büchern einzuräumen nicht versagen würden, hätte ich Ihnen solches schon mit diesem Briefe gesendet, wünschte ich nicht, Ihnen die Wahl zwischen beiden zu überlassen. Erfreuen Sie mich daher, bitte ich, Verehrtester, mit der Nachricht, welches Exemplar Sie vorziehen. Mir ist es völlig gleichgültig, ob ich dieses oder jenes behalte. Beide sind übrigens in Lederbänden und das eine, wie das andere recht leidlich erhalten.

Noch füge ich meinen aufrichtigen Glückwunsch zur Vermählung Ihres Fräuleins Tochter und die gehorsamste Bitte bei, der Frau Gräfin von Finkenstein, nebst dem Wunsche des besten Wohlseyns, meinen Respekt zu erkennen zu geben.