Löwenau. Ich will dir glauben, denn ich habe noch nie geliebt, seit meiner Kindheit leb' ich im Geräusch der Waffen; ein schönes Pferd war für mich das Meisterstück der Natur, und ich verstand die Schönheit nur an Harnischen zu bewundern, — und du glaubst gewiß, daß es für dich in dieser Welt kein andres Glück als die Liebe giebt. —

Adalbert. Keines! versagte mir die Liebe ihren Kranz, so sind für mich alle Blumen in der Natur gestorben.

Löwenau. Und Emma ist das einzige Mädchen, das du je lieben kannst?

Adalbert. Ich würde mir selbst verächtlich sein, wenn ich sie nicht mehr lieben könnte.

Löwenau. Sie muß sehr schön sein. — Adalbert, ich will dir einen Vorschlag thun, den du aber nicht zurückweisen mußt. Schon während deiner Erzählung faßte ich einen Gedanken, der gewiß, so sonderbar er ist, auszuführen wäre. — Doch noch vorher ein Wort. — Du nanntest mir in deiner Erzählung den Namen Konrad von Burgfels; ich kann dir gewisse Nachricht geben, daß er in Palästina geblieben ist. Er fiel im Kampf an meiner Seite. Wie, wenn du jetzt, da dieses Hinderniß aus dem Wege geräumt ist, zu Friedrich von Mannstein gingest, und von neuem um seine Tochter anhieltest?

Adalbert. Um von neuem schimpflich zurückgewiesen zu werden? — Mein Stolz verbietet es, Emma auf diesem Wege zu suchen. — Deinen andern Vorschlag, er mag so sonderbar sein, als er will. —

Löwenau. Nun so will ich dir meinen ganzen Entwurf mittheilen, aber du mußt mich nicht unterbrechen, ehe ich geendigt habe. — Du bleibst hier auf meiner Burg und lebst in einiger Verborgenheit. — Ich will zu Friedrich von Mannstein reisen und um seine Tochter anhalten; er schlägt sie mir gewiß nicht ab, denn er kennt mich als einen der reichsten Ritter dieses Landes, auch ist mein Name in Schlachten nicht ganz unberühmt — Auf meine Ritterehre! auf meine Brudertreue! ich reise dann mit ihr hieher, wie ich sie aus der Hand ihres Vaters empfange; du bewohnst mit ihr dann diese Veste, oder eine andre, sie ist heimlich bis zum Tod ihres Vaters deine rechtmäßige Gemalin, nachher magst du sie auch öffentlich dafür erkennen. — Wende mir nichts ein, zu viel kann ich für dich nie thun. — Ich weiß, tausend Freunde an meiner Stelle würden nicht so handeln, und hundert Liebhaber würden sich bedenken, ihre Einwilligung zu geben; aber wenn du sie so liebst, wie du sagst, wenn Emma dich wirklich wieder liebt, so müßt ihr beide meinem sonderbaren Entwurf keine Bedenklichkeiten in den Weg legen, Ängstlichkeit darf kein Menschenglück verhindern. —

Adalbert. O wie soll ich dir danken? — Er umarmte ihn rasch und drückte ihn heftig an seine klopfende Brust. — Bruder, du bezahlst, wie man einem Bettler eine Wohlthat vergilt. — Wie wenig ist ein Leben ohne Liebe gegen die Krönung der feurigsten Wünsche?

Löwenau. Du traust doch meiner Redlichkeit?

Adalbert. Verdiente ich sonst wohl den Namen deines Freundes?