Löwenau. Auch keiner meiner Blicke soll sich feurig zu deiner Emma verirren.

Beide waren so munter, daß sie sich nicht schlafen legen mochten; sie tranken die Nacht hindurch und überdachten noch mehr ihren Entwurf. Adalbert lächelte wieder und Löwenau versprach alles für seinen Freund zu unternehmen.

Als die Morgenröthe durch die Bogenfenster dämmerte, ließ sich Wilhelm ein Roß satteln, und sprengte davon. Adalbert sahe ihm lange nach, bis der Ritter mit seinem Knappen in einen Wald verschwand.


Der Liebende, der noch gestern das Schicksal anklagte, und sich den Unglücklichsten aller Sterblichen nannte, eilte froh so in die Burg zurück, als wenn sein Glück schon entschieden wäre. Er sahe wieder die Möglichkeit, glücklich zu werden, und eine kühne Hoffnung riß ihn um so höher wieder empor, je tiefer ihn vorher das Unglück gestürzt hatte. Er athmete wieder frei und unbesorgt, und dachte an den morgenden Tag mit eben der Unbefangenheit, mit der ein Knabe an ihn denkt, der vom Spiele auszuruhen kömmt.

Er ging durch die Burg, um sich mit allen Zimmern bekannt zu machen, er dachte sich schon Emma in die Säle, setzte sich in einen Sessel, und träumte sich Emma in den neben ihm stehenden. In jedem Gemälde suchte er mühsam die Züge zusammen, die auch nur die entfernteste Ähnlichkeit mit dem Gesicht seiner Emma hatten. Nur selten und schwach stieg der Zweifel an die glückliche Ausführung des Entwurfs seines Freundes in seiner Seele auf; er schien so unbesorgt, als wenn er mit dem Schicksal einen Vertrag geschlossen hätte.

Die Welt trat wieder aus dem Schatten hervor, die Natur blühte für ihn von neuem, ein neuer Frühling sank aus dem Morgenhimmel der Hoffnung nieder, und goß um jede Pflanze einen goldenen Schimmer; tausend schöne Träume tanzten um ihn her und reichten ihm ihren Nektarbecher; alle seine Sinne waren dem Gefühl der Freude aufgeschlossen.

Wie ein Genesender die Rückkehr seiner Kräfte fühlt, wie ein sanfter Purpur wieder über die bleichen Wangen schleicht, in den erstorbenen Augen das erste Feuer zuckt, so fühlte sich Adalbert jetzt wieder mit der Welt, mit allen Menschen ausgesöhnt; er empfand, daß er itzt Niemand hasse, oder auch nur hassen könne; in jedem Wesen ahnete er den Geist der Liebe, er hätte die ganze Natur an sein Herz drücken mögen.

So schwelgte er in den Armen der Hoffnung, er verlebte an dem Busen der holden Betrügerin Stunden, die unendlich mehr Freuden gewähren, als die Stunden des Genusses. — Der Knabe steht vor einer grünen Anhöhe, die ein goldnes Morgenroth beglänzt, durch die grünen Büsche funkelt freundlich der Flammenschein; er ersteigt den Berg, in die bezaubernde Gegend zu kommen, — aber die Sonne ist indeß heraufgekommen, der lockende Schimmer verschwunden.

Adalbert wäre auch ohne Emma nie unglücklich gewesen, wenn er nur immer so hätte hoffen können.