Löwenau. Euch sehen und nicht wünschen? —
Emma. Ihr sprecht in Räthseln.
Löwenau. Daß Euer Herz sie verstehen wollte!
Emma sahe starr vor sich hin. Löwenau's Augen wurzelten auf ihrem Antlitz, er zitterte, eine niegefühlte Empfindung bebte durch seinen Körper, wie mit Ketten riß es ihn zu Emma hin, er umarmte sie plötzlich und sprach mit leiser unterdrückter Stimme: Emma, ich liebe dich! —
Betäubt hing er an ihrem Halse, Emma sprach nicht, eine von seinen Händen lag in der ihrigen, sie drückte sie schweigend.
Liebst du mich? rief er, wie aus einem Traum erwachend. — Ein leises flüsterndes »Ja,« nur der Liebe hörbar, flog ihm entgegen.
Sein Gesicht sank auf das ihrige, er drückte einen brennenden zitternden Kuß auf ihre Lippen, — kein Gedanke, kein Gefühl, keine Erinnerung trat vor seine Seele, als daß er sie in seinen Armen halte; selbst daß sie ihn liebe, hatte er vergessen. —
Emma erholte sich zuerst aus ihrer Betäubung, noch einen Kuß drückte sie auf seine Lippen, und flohe dann zitternd in ihr Gemach, wo sie sogleich athemlos auf einen Sessel niedersank, als würde sie von einem Ungeheuer verfolgt. Löwenau starrte ihr nach, bis der letzte weiße Schimmer ihres Gewandes verschwand; lange noch blieb sein Auge unbeweglich auf einen Punkt geheftet, als wäre ihm ein Gespenst begegnet.
Endlich ging er in den Saal, wo alle Ritter noch fröhlich bei den Pokalen saßen; selbst Friedrich und Konrad hatten ihre verlornen Söhne vergessen.
Löwenau wandelte wie im Traum und beantwortete jede Frage nur unvollständig. — Friedrich glaubte, er sei von der Reise und vom Turnier ermüdet und ließ ihn durch einen Diener auf sein Zimmer führen. Auch die übrigen Ritter gingen aus einander. — Löwenau entschlief, als sich seine Phantasie müde geschwärmt, und seine Leidenschaften in Erschöpfung gekämpft hatten.