Als er am Morgen erwachte, war Adalbert und sein Versprechen sein erster Gedanke. Furchtbar trat diese Erinnerung auf ihn zu, und mahnte ihn schrecklich, auf dem Wege nicht fortzuwandeln, den er zu betreten angefangen habe. — Aber wie war es möglich rückwärts zu gehn? Er hatte ihr seine Liebe gestanden, und sie, daß sie ihn wieder liebe. Wenn dieß Geständniß nicht über seine Lippen geschlüpft wäre, so hätte er gegen seine Leidenschaft noch kämpfen können; jetzt aber würde er sich und Emma zugleich unglücklich gemacht haben. — Er überließ sich und sein Schicksal endlich ganz und gar der Zeit, wenigstens verschob er alles Nachsinnen, alle Entschlüsse bis auf jene Stunde, in welcher er bei dem Vater um sie anhalten wollte. — Weiß ich doch noch nicht gewiß, ob sie mir der Vater nicht abschlägt; geschieht es nicht, nun so kann ich ja auch dann noch immer für Adalbert handeln. — Mit diesen Täuschungen beruhigte er die Vorwürfe, die er in dem Innern seiner Seele fühlte.

Emma und Wilhelm waren sich bald nicht mehr fremd, das vertrauliche Du verdrängte bald die fremde steife Höflichkeit; denn Löwenau verachtete alle Zurückhaltung, alles Verschließen in sich selbst; er glaubte, es zieme dem Mann, stets gerade und offen zu handeln, keinem ungeprüft zu mißtrauen, von jedem Unbekannten das Beste zu denken, und ihn als Freund zu behandeln. So war Wilhelm der Freund der ganzen Welt. — Emma, die nie die Burg ihres Vaters verlassen hatte, die fast immer nur mit Geschöpfen ihrer Phantasie umgegangen war, besaß noch weniger Zurückhaltung; sie äußerte sich ganz so, wie sie war, kannte Verstellung kaum dem Namen nach, und traute jedem offenen Gesichte.

Er sprach itzt zuweilen von Adalbert, und sie gestand ihm, daß sie ihn nie geliebt habe. Sie glaubte es jetzt. — Löwenau fühlte sich durch diese Erklärung glücklich. — Beide waren sich bald unentbehrlich, und Löwenau gab den Einladungen Friedrichs, da die übrigen Ritter die Burg verließen, sehr gern Gehör. Wenn er jetzt nicht bei Emma war, war er sich selbst zur Last; jede Beschäftigung machte ihm Langeweile, und doch verlegte er die Stunde immer von einem Tag zum andern, in welcher er bei Friedrich um sie anhalten wollte; denn er fühlte sich in der Täuschung etwas beruhigt, daß er noch immer nicht gegen Adalbert handle.

Emma war jetzt liebenswürdiger als je; der leichte Gram um Adalbert hatte ihr manches von ihrer Lebhaftigkeit genommen, sie war jetzt mehr eine stille, leidende Schönheit, die sich um so reizender an den stärkern Mann anschließt und hinter seiner Brust einen Schirm gegen alle Stürme des Schicksals sucht. Ihre neue Liebe hatte ihr einen seelenvollen Blick gegeben, in welchem ein schönes Feuer brannte. — Der heftige Löwenau liebte sie bis zur Anbetung, denn es war seine erste Liebe. —

Endlich aber fand er doch diese Lage peinlich, er beschloß noch heute mit sich und Adalbert Abrechnung zu halten, noch heute bei dem Vater um sie zu werben. Er ging zum alten Friedrich, den er in einem Sessel nachdenkend im Saale fand. — Woran denkt Ihr, Ritter? redete er ihn an.

Friedrich. Bei mir ist ja leider die Zeit gekommen, wo ich nur noch in der Erinnerung leben kann; die Zeit der Thaten ist verschwunden.

Löwenau. Aber könnt Ihr nicht auch in der Zukunft leben?

Friedrich. In der Rückerinnerung lernen wir mehr, nur Thoren sind in der Zukunft zu Hause. — Wenn man seinen ganzen Reichthum anwendet, in jenem goldnen Lande Palläste aufzubauen, und ein Windstoß sie alle niederreißt: wohin soll dann der verarmte Pilger fliehen? — Über dem Lande der Zukunft liegt ein dicker Nebel; oft scheint uns aus der Entfernung etwas ein Schloß zu sein, und wenn wir näher kommen, ist es eine überhangende Klippe, die sich im nächsten Augenblick auf unser Haupt herabwirft. —

Löwenau. Ihr wollt also nicht hoffen?