Emma! du bist mein! dein Vater hat dich mir zugesagt, du mein! ich dein! so rief Löwenau als er in Emmas Zimmer trat und in ihre Arme eilte. — Jetzt kann uns nichts in der Welt von einander reißen.

Emma. Ich dein? du mein? —

Löwenau. Nur etwas mangelt unserm Glück und dieses Wort umfaßt noch mehr.

Emma. Was könnte dieses Etwas sein?

Löwenau. Daß Adalbert alle seine Rechte auf dich aufgiebt; so lange wir noch fürchten müssen, daß er zwischen unsre Umarmungen tritt, so lange sind wir nur halb glücklich. — Emma, ich weiß den Ort seines Aufenthalts, schicke ihm durch einen Bothen nur wenige Worte, die ihm sagen, daß du ihn nicht mehr liebst, daß er jeden Gedanken an dich vergessen solle, daß du mein seist. — Ich bitte dich darum, Emma. Dann wollen wir uns ohne alle Besorgnisse ganz dem Glück unsrer Liebe überlassen, dann soll keine ängstliche Furcht uns nahe treten, dann will ich es trotzig mit der Zeit aufnehmen, ob sie durch unzählige Jahre im Stande sei, meine Liebe zu schwächen.

Emma gab sehr leicht ihre Einwilligung, auch Löwenau setzte sich und schrieb diesen Brief:

Adalbert!

Mein Versprechen ist gebrochen! rechte mit dem Schicksal und nicht mit mir! Ich bin unschuldig. — Engel gaben der Versuchung nach und verspielten ihr ewiges Glück; ich bin nur ein schwacher Mensch, mag der Verlust Deiner Freundschaft meine Schwäche bestrafen. — Emma gehört Dir nicht mehr, sie ist mein, mir von ihrem Vater und der Liebe zugesagt. Zweifle nicht Adalbert, sie liebt Dich nicht, sie hat Dich nie geliebt. Alle Deine Hoffnungen sind durch mich gemordet; ermorde mich, wenn Du Dich rächen mußt; aber ihren Besitz wirst Du mir nie streitig machen. Gieb sie verloren Adalbert, sie kann in Ewigkeit nicht die Deinige werden. Ich bin der Hüter dieses Schatzes; wer ihn erlangen will, muß mich erst tödten.

Löwenau.

Emma hatte indessen einige Worte geschrieben, die sie ihm gab. Er legte sie in seinen Brief und siegelte ihn.

Ritter,

Vergeßt mich, so wie ich Euch vergessen will, denkt an mich stets wie an einen verstorbenen Freund; ich bin die Verlobte eines Ritters und darf mich daher nicht mehr nennen:

Eure Emma.

Löwenau gab die Briefe seinem Knappen Franz, der ihn nach Mannstein begleitet hatte. Dieser ritt noch an eben dem Tage fort, um so früh als möglich auf der Burg Löwenau's anzukommen.