Friedrich und Löwenau dachten itzt nur an das Vermählungsfest, welches sie recht glänzend zu machen beschlossen. Emma war in den Armen ihres Geliebten so glücklich, als man es auf dieser Welt sein kann.


Adalbert lebte während dieser Zeit noch immer unter seinen schönen Hoffnungen und erwartete täglich die Bothschaft seines Glücks. Sein vergebliches Warten machte ihn nicht traurig, nur verdrüßlich, denn dieser Aufschub schien die Hoffnung von dem glücklichen Fortgang des Unternehmens zu bestätigen. Er war oft auf die Jagd gegangen, hatte die schönen Gegenden in der Nähe besucht und dachte jeden Abend bei der Heimkehr, einen Bothen seines Freundes zu finden.

Er war von einem seiner Spaziergänge zurückgekommen und stand an eine Buche gelehnt, das Wolkenspiel im Abendroth zu betrachten, als er in der Ferne einen Reuter erblickte, der sich dem Schlosse näherte. Er erkannte bald in ihm Franz, den Knappen Löwenau's. — Schnell eilte er mit der Frage auf ihn zu: ob ihn der Ritter gesendet habe. — Franz antwortete mit Ja und überreichte ihm den Brief Löwenau's. —

Adalberts Herz klopfte heftig als er den Brief und die Aufschrift betrachtete, er zögerte ihn zu erbrechen. — Unaussprechliches Glück, oder Tod springt mir entgegen, — noch, noch darf ich hoffen, noch bin ich glücklich. — Die Sonne war untergegangen, er ging auf sein Zimmer, den Brief beim Schein eines Lichtes zu lesen. Dieser Augenblick war ihm feierlich, eine heilige Stille schwebte längst den Wänden des Gemachs, eine Grille zirpte leise und eine ferne Glocke tönte über den Berg herüber. — Er lößte das Siegel.

Emma's Brief fiel ihm zuerst auf, er kannte die Hand und küßte das Pergament. — Er las — und ward bleich, — er las von neuem und schaute wild mit weit geöffneten Augen empor, alle seine Gedanken verirrten sich, er wußte nur, daß er elend sei, kalt und fürchterlich faßte ihn diese Überzeugung an; was sein Elend sei, war aus seiner Seele geschwunden.

Emma! rief er endlich mit fürchterlicher Stimme, indem seine Besinnung zurückkehrte. — Er wagte es, noch einmal zu lesen, dann las er den Brief Löwenau's. — Seine Augen schlossen sich, wie von einer zu großen Helle geblendet, krampfhaft schlug er die Zähne zusammen und hing kalt und starr wie eine Leiche in dem Sessel. — Das hatte er nicht erwartet.

Er sprang nach einer Stille auf und brüllte wie ein Rasender: Fluch über alle, die in dieser Stunde glücklich sind! Fluch über alle Elende! — Ja, ich fluche mir selbst, ich fluche mir und ihr — o ihr Verzweifelten! kommt zu mir her an meine Brust und helft mich verfluchen! Eure Emma? Eure Emma? — Du lügst Meineidige! so hast du dich nie genannt! —

Mir hat noch keine Hoffnung Wort gehalten, keine Seligkeit der Erde hat mich Freund genannt. Mein Leben ist ein schwarzes Gewebe von Unglück, wie von einem Feind werd' ich vom Elend verfolgt, durch tausend Quaalen jagt es mich in den Rachen des Todes. Meinetwegen wird ein zärtlicher Vater grausam, meinetwegen ein edler Freund ein Ungeheuer, — ich gebe die Hoffnung, ich gebe das Schicksal auf. Ein blindes Ohngefähr würfelt mit Glück und Unglück, — gut, so will ich denn auch handeln, so lange ich noch handeln kann, — ich will zu ihnen, sie sollen aus ihren Umarmungen zurückstürzen, als hätten sie den Schuppenhals eines Drachen berührt. — Ich will nicht allein unglücklich sein, die Liebe haßt mich, der Haß soll mich itzt glücklich machen.

Eure Emma? — Konnte deine Hand diese Worte schreiben? Dieselbe Hand, die mir so oft den Schweiß des Kampfes von der Stirn trocknete, dieselbe Hand, die so oft in der meinigen lag und mich deiner Liebe versicherte — o Himmel! was für ein armseliges Ding ist die Tugend, wenn sich in wenigen Wochen der Mensch so ganz umschaffen kann! Richtet keinen Bösewicht mehr hin, er ist in wenigen Tagen vielleicht ein Muster für seine Richter! — Tugend? — Für mich ist keine Tugend, kein Gott mehr, denn sie, das Unterpfand für beide, ist mir verloren.