Eine drückende Hitze zog herauf und sein Roß war schon ermüdet, als er einen Ritter einholte, der auch diese Straße zog. — Wohin? fragte er diesen. — Nach Mannstein, war die Antwort, zur Hochzeit des edeln Löwenau und der schönen Emma. — Adalbert lachte wild auf. — Worüber lacht Ihr? — Voll Freude, daß wir einen Weg haben. — In eben dem Augenblicke gab er von neuem dem Rosse die Sporen und sprengte wie rasend hinweg. — Warum eilt Ihr so? rief ihm der Ritter nach. — Seht Ihr nicht, schrie Adalbert zurück, wie mir der bleiche Tod nachjagt? — Er war ihm bald aus den Augen.

Das grüne Band war um seinen Arm gebunden und flatterte ihm nach; Todtenblässe hatte sein Gesicht überzogen, sein Roß keuchte und sein treuer Hund lief ihm oft voraus, und sah ihn winselnd an, — aber ohne Bewußtsein jagte er immer wieder in neuer Wuth weiter. — Am Abend stürzte der Rappe todt nieder, der Hund war fort, als er sich nach ihm umsah. — Auch er hat mich verlassen, dachte Adalbert; aber der treue Gefährte lag schon weit hinter ihm sterbend am Wege.

Adalbert reiste zu Fuß die ganze Nacht hindurch, seine Kräfte schienen übermenschlich, tausend Schrecken schienen ihn unermüdet vor sich hin zu jagen. — Am Mittag des andern Tages entdeckte er in einem kleinen versteckten Thale eine Schäferhütte, sein Gaumen war von der Hitze aufgeschwollen, er trat in die Hütte und begehrte von einem Greise, den er dort fand, eine Schale Wasser. — Ihr sollt kühle Milch bekommen, sagte dieser, und gab seiner Tochter den Auftrag eine Schale voll zu holen. — Das kleine Mädchen eilte willig hinweg und Adalbert stand düster an die Thür gelehnt. — Das Mädchen verweilte etwas lange. Wo bleibst du, Emma? rief der Alte. Adalbert fuhr auf, das Mädchen trat in eben dem Augenblick herein und bot ihm freundlich lächelnd die Schale. Statt sie an den Mund zu setzen, warf er sie wüthend auf den Boden, daß sie in tausend Scherben zersprang; dann eilte er wie ein Wahnsinniger weiter.

Die Sonne ging schon unter, als er auf der Grenze des Horizonts einen Thurm erblickte, der ihm bekannt schien; — tausend Erinnerungen kamen in seine Seele zurück, — es war die Burg Mannstein.


Er stand still und sahe mit langem Blick nach der wohlbekannten väterlichen Gegend, und in seine Verzweiflung mischten sich einige Tropfen der Wehmuth, sie so wiederzusehn. Die Burg stand zaubervoll da in einem rothen Flammenschein. Die Sonne ging blutig unter.

Er eilte weiter. Der letzte Streif des Tages verschwand hinter einen grünen Berg; der Mond brach hervor, und glänzte durch die zitternden Tannenzweige. Schon unterschied er die erleuchteten Fenster der Burg, schon erblickte er in ihnen Schatten, die ungewiß hin und wieder schwebten, schon hörte er immer näher und näher das Tönen der Trompeten und den Donner der Pauken, — tausend brennende Dolche fuhren durch seine Brust.

Jetzt war er an die Burg gekommen. Er ging durch das offne Thor, das frohe Getümmel der Gäste lärmte ihm entgegen, er hätte gern geweint, aber seine Augen waren trocken. Er schlich sich in den Burggarten und setzte sich in eine kleine Laube, welche ein Fliederbaum bildete; bald sahe er still und mit anscheinender Ruhe durch die monderhellte Gegend, bald nach der geräuschvollen Burg. — Alle seine Empfindungen wurden nach und nach abgespannt; er war betäubt, als er zwei Gestalten auf sich zukommen sah, — es waren Löwenau und Emma. —

Löwenau hatte sich in sich selbst geirrt, er hatte sich für stärker gehalten, als er wirklich war, die Stimme seines Gewissens war nur unterdrückt gewesen, sie fing itzt um so lauter an zu sprechen. Er begann zu ahnen, daß er in Emma's Armen nie recht glücklich sein würde, aber ohne Emma lag ein grenzenloses Elend vor ihm. Er war am Abend still und nachdenkend gewesen, und wollte itzt mit Emma einen Spaziergang durch den Garten machen, um sich etwas zu beruhigen.

Emma war indeß immer froh und guter Laune gewesen; sie fühlte sich als Löwenaus Geliebte ganz glücklich — nur itzt, — so plötzlich aus dem Gewirre der Gäste, aus dem Klang der rauschenden Musik gerissen, mitten in die Einsamkeit eines schauerlichen Gartens gezogen, — itzt fühlte sie eine sonderbare Empfindung zu ihrem Herzen emporschwellen, sie hing an dem Arme Löwenaus und schloß sich fester an ihn. Mein Wilhelm, sagte sie endlich, — warum so traurig? Ich habe dich noch nie so still und gedankenvoll gesehn. — Deine Hand ist heiß.