Löwenau. Und die deine kalt. Du zitterst Emma?
Emma. Nicht vor Frost, die Sommernacht ist warm; — aber Wilhelm, es ist hier im Garten so heimlich, mir ist alles so sonderbar fremd, die Büsche rauschen und flimmern so wunderbar im Mondenstrahl; hast du nie einen Geist gesehn, Wilhelm?
Löwenau. Nie Geliebte; aber wie kömmst du zu der Frage?
Emma. Und wie kömmt dieser Gedanke zu mir? heut zu mir? — Mein Vater ist doch schon sehr alt, Wilhelm, ich habe ihn sonst nie so genau angesehn, der Gedanke ängstigte mich drinnen über eine Stunde lang: wie er mir so gegen über saß, schien er mir schon todt. — Der Anblick eines todten Menschen muß schrecklich sein, — wie mag ich wohl als Leiche aussehn?
Löwenau. Du quälst mich, Emma.
Emma. Sage mir, wie ich wohl als Leiche aussehn werde.
Löwenau. Wie der Frühling, der im Irrthum um einige Tage zu früh seine Blumen ausgestreut hat, und vom eisigen Winter wieder übereilt wird.
Emma. Wilhelm!
Löwenau. Was ist dir Emma? Warum fährst du zusammen?
Emma. Mir ist, als stünd' ich unter tausend Gespenstern! — sieh! jene Bäume dort sehn fürchterlich aus! —