Omar. Wo willst du Adlersfittige hernehmen, dich zu dieser Sonne empor zu schwingen?
Abdallah. O die Liebe, die Allmächtige wird sie mir reichen! — Der Verzagte verliert ewig, dem Kühnen geht das Glück selbst entgegen.
Omar. Du stehst vor einem Abgrund, der sich zwischen zwei Felsen reißt, ein dichter Nebel liegt wie Land dazwischen und du trittst mit vertrauendem Fuß in die Luft, aber du wirst in die Tiefe stürzen.
Abdallah. Ach Omar, ich habe dir mein Geheimniß entdeckt, kannst du nichts, als es tadeln, hast du keinen mitleidigen Trost, keinen Rath für mich?
Omar. Und wenn ich ihn hätte?
Abdallah. O dann wollt' ich vor dir knien und dich meinen Erschaffer nennen. — Nur Hoffnung und ich bin nicht ganz elend!
Omar. Nicht elend? Wenn aber tausend Gefahren —
Abdallah. Die Unmöglichkeit soll unter das Joch den ehernen Nacken beugen, Gefahren will ich wie Blumen brechen und sie Zulma entgegentragen, ich will durch wilde Ströme schwimmen, über Abgründe springen, durch hundert Schauder unerschrocken gehen, mich durch Klüfte drängen, durch die kein Leben wandelt, wenn sie nur am Ziel der schreckenvollen Wanderung steht. — O sprich! nur ein Strahl, der mir aus der Ferne leuchtet und ich will ihm mit Adlersflug entgegenfliegen!
Abdallah! rief Omar aus, sein Gesicht war feierlich ernst, seine Augen durchschauten wild den Jüngling, — heut in der Nacht will ich dich wieder sprechen. Dann ging er und Abdallah sah' ihm staunend nach.
Unglücklicher! rief er aus, — wo sind nun alle deine hohen, himmlischen Schwärmereien? Sie sind vor einem Worte wie Nebel niedergesunken, und eine kahle Felsenwand steht vor dir, wo erst ein goldner Duft im tausendfachen Schimmer spielte. — Welche Kette hängt an dem Worte Ali, die mich so gewaltsam von Zulma zurückreißt? Lieg' ich in den Staub gebunden und glänzt sie ewig unerreichbar wie ein Sirius über mir? — Nein, ich will eine Leiter bis in den Himmel legen, ohne sie giebt es kein Glück, kein Leben für mich, bei diesem Spiele kann ich nur gewinnen.