Er schwieg und sein Blick senkte sich, als wenn ihn ein Gedanke plötzlich überraschte.
Nur gewinnen? fuhr er dann langsam und traurig fort. — Und mit deines Vaters Fluch, Elender, verlierst du nichts? — O eine schwarze Ahndung breitet sich über meine Seele aus. Mit diesem Tage nimmt vielleicht das Elend meines Lebens seinen Anfang, ich stehe hier vielleicht am Scheidewege, wo ich in einen dunkeln, unendlichen Wald hineingehe und die freie helle Flur auf immer verlasse. — Mein Vater selbst tritt mir in den Weg und hält mich an, mein Vater liebt mich, um mich elend zu machen. — Alle meine Hoffnungen stürzen von diesem Fels zurück und hinter mir stehn schwarze Klippen furchtbar aufgepackt, und versperren mir den Rückweg. — Omar, leite deinen Freund aus dieser Irre! —
Er überließ sich seinen Gedanken, die bald den vorigen Schwärmereien weichen mußten, bald wieder kalt und verweisend ihre Stelle einnahmen. — So träumte und dachte er bis zum Abend.
Achtes Kapitel.
Schwarz lag die Nacht auf dem Gefilde, als Omar und Abdallah die Stadt verließen.
Wolken gossen sich gedrängt und düster von den Bergen herab, in hohen unendlichen Gebirgen aufgewälzt, wie eine dicke gewölbte Mauer hing der schwarze Himmel mit seinen wankenden Riesenschatten über ihnen, kein Stern sah durch die Hülle, kein Strahl des Mondes zitterte durch die Wolkenwildniß: ein Regen rauschte in den nahen Bäumen, durch den fernen Wald wandelte der Sturm dumpf murrend, die Wächter riefen aus der Stadt die Stunden der Nacht, die Natur schwieg mit feierlichem Ernst und ein heimliches Grauen stieg von den finstern Bergen. — Beide gingen schweigend und in tiefen Gedanken versunken. — Nach einer langen Stille begann Omar:
Sieh Abdallah, wie der hohe Himmel mit seinen unabsehbaren Finsternissen über uns schwebt, wir treten wie in eine unendliche Wüste hinaus. Wie fürchterlich verlieren wir uns in diesem Wogensturm, der sich schwarz um uns her wälzt, — sieh, wie es durch einander wogt und flieht und sich zerrissen jagt! — Kaum ist ein ferner Schimmer des Mondes sichtbar, der unaufhörlich mit der Finsterniß kämpft, der Regen fällt in schweren Tropfen auf die Flur und der Sturmwind heult durch den dichten Wald, wie ein verlornes Kind, das in der Irre winselt.
Abdallah schloß sich fester an den Arm seines Freundes, — Omar, sprach er mit beklemmter Stimme, — o diese Nacht ist das Bild eines unglücklichen Lebens! So schwebt der Elende am Finger der Allmacht in die Nacht des Jammers verlassen hinausgehalten, von keinem Lichtstrahl erquickt. — Horch! wie sich der Strom in wunderbaren Tönen an dem Ufer bricht! Wie verworren alles vor uns liegt, — Omar, diese Nacht ist fürchterlich!
Omar. Fürchterlich?