Abdallah stand vor dem Pallast des Sultans und sahe mit brennenden Augen nach den Fenstern des Altans hinauf, — er sahe Zulma, sie blickte verstohlen hinter einem zurückgezogenen Vorhang auf die Straße, kaum aber sahe sie Abdallah's Gestalt, als sie sogleich schnell und erblassend zurückflohe. Er sahe ihr festgezaubert nach, bis auch der letzte Schimmer ihres Schattens verschwand, dann warf er sich auf eine Bank und sahe nach den Blumen des Altans. — Die Rose war hinter den Citronenbaum gestellt und in der Mitte des Altans stand die bleiche Lilie, das Sinnbild der Furcht. —
Er ging weiter und kam über die Brücke der Stadt an den Pallast seines Vaters. — Wehmüthige Thränen traten ihm in die Augen, als er so unbarmherzig alles zerstört sah. Einzelne Mauern und Thüren standen wie verspottet unter dem Schutt, im Hofe lag alles wild umher, Steine und Balken aufeinander gehäuft. Traurig suchte er die Stelle des Zimmers auf, das er ehedem bewohnt hatte; die Stufen waren abgebrochen, auf denen man auf das Dach hinaufstieg, ein Theil des Daches lehnte sich noch auf eine Mauer und drohte in jedem Augenblick den Einsturz. Das bekannte Haus, das ihn so oft so freundlich und väterlich aufgenommen hatte, das die Freuden und Schmerzen seiner Kindheit mit ihm getheilt hatte, lag itzt zerrissen vor ihm. Selbst das Leblose, in welchem er sonst glücklich gewesen war, war vernichtet, auch selbst das Andenken seiner Seligkeit schien ihm der zürnende Himmel nehmen zu wollen und bis auf die letzte Wurzel alles auszureissen, was ihn einst mit den schönsten Freuden genährt hatte.
Abdallah stand noch immer in seinem traurigen Nachdenken, als er das laute Schmettern einer Trompete hörte, von einem verwirrten Getöse und Geschrei des Volks begleitet; er kümmerte sich nicht um das Geräusch, nur klang es ihm, als wenn er den Namen Selim laut habe nennen hören. — Itzt kam der Zug bei ihm vorüber und er sahe einen Herold auf einem Pferde, der dicht neben ihm still hielt, einigemal in die Trompete stieß und dann laut ausrief:
»Daß derjenige, und wäre er selbst ein Sklave, welcher den Verräther Selim lebendig in die Hände des Sultan's liefern würde, seine berühmte, schöne Tochter Zulma als Gemalin dafür zum Lohn erhalten solle.«
Wieder das Schmettern der Trompete und der Zug lärmte vorüber. —
Dumpf und ohne Gedanken verließ Abdallah die Stadt, träumend wie ein Mann, der vom Schlafe erwacht und sein Haus in prasselnden Flammen sieht, die schon sein Bette lecken; er springt auf und steht betäubt und ohne Bewußtsein vor dem leuchtenden Element, das wüthend durch seine Besitzungen geht, er hat sich nur gerettet um desto unfehlbarer zu verderben: — so kam Abdallah fast ohne es zu bemerken zur Hütte im Walde zurück.
Drittes Kapitel.
Fürchterliche Gedanken warfen in der Nacht Abdallah hin und her, sein Auge starrte in die Finsterniß hinaus. Gräßlichkeiten zogen durch seinen Busen, Schauder jagten sich durch seine Gebeine, er wünschte mit Sehnsucht den Tag, die Dunkelheit um ihn her machte seine Seele noch schwärzer, oft schleppten seine heißen Wünsche seine sanftern Gefühle in Ketten hinter sich, oft riß sich sein Gefühl wieder los und rang seine Wünsche nieder. Er schien in zwei feindselige Wesen zerrissen, die unermüdet gegen einander kämpften.
Endlich erschlafften alle seine Kräfte, in seiner müden Seele starben alle seine Wünsche und Hoffnungen aus, gewaltsam schloß er in der Ermattung mit sich selbst einen Frieden.