Er sprang von seinem Lager auf, als kaum die erste graue Dämmerung des Tages die Schatten spaltete. Selim schlief noch und Abdallah verließ die Hütte. Er ging schnell unter den Bäumen auf und ab, er athmete die frische Luft des Morgens ein und wollte gewaltsam alle Gefühle von sich abwälzen, die ihn, wie lebendig eingegraben gleich Steinen drückten, aber er schlug vergeblich gegen die Mauern der Grube, kein Strahl des Tageslichtes wagte sich hinein.
Omar näherte sich ihm itzt und beide gingen schweigend auf und ab; Abdallah scheute sich, seinen Freund einen Blick in die Wüste seiner Seele thun zu lassen.
Was wühlt in deinem Innern so gewaltig? begann Omar, in der Nacht hört' ich dich seufzen. — Was ist dir, mein Abdallah?
Abdallah schwieg noch. — Nein, rief er plötzlich, — meine Seele ist zu schwach für diesen ewigen Streit! — die menschliche Natur erliegt dieser Gewalt, ich bin endlich müde und will mich selbst besiegt zu Boden werfen. — Er ergriff Omar's Hand. — Ja, Omar, höre das Gelübde, das ich vor dir ablegen will, — ich will, ich muß Zulma entsagen, mein Vater bleibe mir und Zulma gehe mir verloren; ich ward geboren, um den Becher des Glückes nicht zu kosten, ich willige in diese traurige Nothwendigkeit. —
Omar. Und was hat dich zu diesem Entschluß gebracht, der dir alle deine Hoffnungen kostet?
Abdallah. Meine Menschheit, — o! ich bezahle sie mit dem kostbarsten, was ich besitze, vielleicht weit über ihren Werth, denn ohne Zulma ist mir die Welt ausgestorben; ich entsage der höchsten Seligkeit auf ewig, das Gefühl der Liebe wird nie in meinem Busen wieder aufwachen, nur ihre Schmerzen bleiben mir auf immer zurück.
Abdallah erzählte seinem Lehrer itzt, was er gestern in der Stadt gesehn habe. — Diese Erinnerung, fuhr er dann fort, hat mir diese Nacht schlaflos gemacht; wenn ich die Augen schloß, weckten mich Ungeheuer durch Zuckungen auf, — o Omar, Omar, giebt es auf der Erde ein Wesen, das sein Elend mit dem meinigen messen könnte?
Omar. Und Abubekers Tochter wird deine Gattin?
Abdallah. Niemals, das Schicksal nimmt mir Zulma, aber kein andres Weib soll auch jemals in diesen Armen ruhn, diese Freiheit wird mir noch bleiben. Nein, ich will den Schwur nicht brechen, den ich zu Zulma's Füßen schwur. — Jeder Freude, jeder Hoffnung sage ich Lebewohl, mit meinem Elend will ich in die Wüste ziehn und dort das Morgenroth mit meinen Thränen begrüßen und den Abend mit Klagen rufen, Seufzer sollen meine Sprache werden und die Wehmuth meine Gespielin. — Ja, Omar, dieses Glück ist mir noch übrig, diese Freude ist die einzige, die mir nicht kann genommen werden.
Omar. Auch nicht durch deines Vaters Gebot? — Er will, du sollst der Gemal Roxanens werden.