Abdallah stand auf und sahe ihn mit einem festen Blicke an. — Vater! rief er aus, an diesem Fluch hängt das ganze übrige Glück meines Lebens, meine letzte Tugend, mein Schicksal jenseit dieser Welt! — Widerrufe, Vater, du sollst, du mußt es, — o ja und du wirst es auch. —
Selim. Nein. In dreien Tagen wird Roxane deine Gattin, oder alle Verwünschungen, die ein Vater für seinen ungehorsamen Sohn vom Himmel herabflehen kann, fallen auf dein Haupt.
Ich kann nicht, sagte Abdallah kalt und langsam. — Du liebst mich, ja, Vater, — o wie wenig kostet dich diese Zurücknahme, — ach! und wüßtest du, wie viel sie mir gälte!
Selim. Zurück, Ungehorsamer! ich widerrufe nicht, das schwör' ich beim Himmel und der Pracht seiner Sonne! — Mein Wort kann ich nicht brechen, das ich Abubeker gab, um die thörichten Launen eines Jünglings zu befriedigen, der seinem Vater trotzen will.
Abdallah warf sich wüthend nieder. — Du schwörst? rief er heftig. — Nun so schwör' ich hier auch beim Grabe des großen Propheten, beim Himmel und allen seinen Engeln, daß Roxane nie, nie, nie meine Gattin wird! —
Selim stand zornig auf. — Ich habe keinen Sohn mehr! sprach er heftig. — Ist das die Sprache, in der ein Sohn zu seinem Vater sprechen muß? Glaubst du mich durch Trotz zu beugen? O hier stoßen Felsen auf Felsen, ich wanke nicht in meinem Vorsatz. — Du hast den Sohn verläugnet, nun so will ich denn auch den Vater verläugnen! — Ich werfe meinen Fluch auf dich hin und mit Centnerlast möge er dich drücken. — Alles Unglück jage hinter dir dreimal Verfluchten her, der Himmel wende sein Angesicht von dir ab, wenn die Hölle nach dir die Arme ausstreckt; wenn du am Busen der Geliebten liegst, so fresse ein kaltes Grauen das Mark deiner Gebeine, in der Einsamkeit liege der Leichnam deines Vaters vor dir, den dein Ungehorsam zum Grabe reif macht; von Gewissensangst gefoltert, von allen Schrecken zum Leibeigenen erkauft, stirb unter Krämpfen und Verzuckungen.
Abdallah. O wirf nur Fluch auf Fluch, der Ewige hat mich schon seit der Geburt verflucht, dein Höllensegen findet nichts mehr zu vollenden. — Ha! so spricht ein Vater zum einzigen Sohn? dies ist die Einsegnung, die er mir auf die große Reise giebt. — Wer soll mich segnen, wenn der Vater mich mit diesen Flüchen verwünscht?
Selim. Fort aus meinem Angesicht! Du hast meinem Unglück die Krone aufgesetzt! — Du gehörst mir nicht mehr! Ich hasse deinen Anblick! hinweg! daß ich nicht versucht werde, dir noch mehr zu fluchen!
Er verließ das Zimmer wüthend.
Nein! schrie Abdallah, mir soll keine Rettung bleiben! Ich steh in der Verdammniß eingekerkert, und mein Vater selbst nimmt den Schlüssel zur Pforte und wirft ihn auf ewig in's Meer; nun ist keine Befreiung möglich, die Hölle streckt den Arm über mich aus und läßt mich nicht entrinnen! — Er warf sich ohne Bewußtsein in einen Sessel und Omar trat herein. — Er sahe lange den Jüngling mit forschendem Auge an: Hat er deine Bitte erhört? fragte er besorgt.