Abdallah. Du siehst dies Kochen meiner Brust und fragst noch? O! wann könnte mir auch eine Hoffnung in Erfüllung gehn, wäre sie auch so armselig, daß sie der Bettler auf seinem Wege liegen ließe! — Ich darf nur wünschen und tausend Stimmen schreien: Nein! in meinen Wunsch. — Das Schicksal hat mich unter Millionen zu seinem grausamen Spiel erlesen. — O warum ward ich ein Mensch geschaffen? — Warum mußte ich hinter dem Vorhang hervorgestoßen werden, um den Zuschauern zum Gespött zu werden?

Omar. Und dein Entschluß?

Abdallah. O was kann ich noch wollen? — Welchen Entschluß kann ich noch fassen? Selbst das Elend, das ich mir wählte, ist keine Freistätte mehr für mich; wohin ich auch fliehen will, hält mich ein Abgesandter der Verdammniß fest, die Erde stürzt unter mir ein, jede Scholle, an der ich mich empor arbeiten will, giebt treulos nach, — was kann ich anders als mich dem Verderben überlassen?

Omar ging mit großen Schritten auf und ab, seine Augen funkelten, seine Mienen drohten fürchterlich. — Ha! rief er endlich aus, — dies ist der zärtliche Vater, der seinen Sohn so innig liebt! — Worte sind seine Liebe, unbarmherzig läßt er den Sohn an diesem ehernen Eigensinn verbluten! Kalt läßt er ihn liegen und sterben, hat er doch seine Vaterrechte behauptet! — Und dieser Grausame nennt sich meinen Freund! — Wie kann er ein Freund sein, da er kein Vater ist? Liebe ist ihm fremd, seine Tugend ist Trotz, Eigensinn seine Standhaftigkeit! — Ich kündige ihm meine Freundschaft auf, wer meinen Abdallah haßt, den hasse auch ich, Selim ist aus meinem Herzen gestoßen, ich will seinen Namen aus meinem Gedächtniß reißen! — Dir auch dieses Glück nicht zu gönnen! — Diese Hölle war ihm noch zu schön für seinen Sohn, er hat härtere Strafen für ihn ersonnen. — Die Liebe sei verwünscht, mit der ich einst sein Freund war, für dich geb' ich die feindselige Welt verloren, was liegt mir an diesem Selim? —

Abdallah. O wär' ich nicht Selims Sohn, o dann, dann wär' ich glücklich! — Aber boshaft weht mir das Schicksal alle Unmöglichkeiten zusammen! Nur für mich wird alles angeordnet zum fürchterlichen Scherz. — O könnt' ich den Sohn verläugnen, dann würde Selims Eigensinn bestraft werden können, — aber, — es kann, es darf nicht sein!

Omar. Du wolltest ihn verloren geben, um Zulma zu gewinnen. Seinen Eigensinn gegen deine Liebe. — Er sollte dir eine Verschreibung werden, durch die du einen Schatz einlösetest, der dich auf ewig vor dem Mangel sicherte? — Ha, Abdallah, nein, nein, es kann, es darf nicht sein! — Die Tugend, die Pflicht, — o wer kann es alles nennen, was dich von diesem Gedanken zurückreißt? —

Abdallah. O ich schmachte nach andern Speisen, ich bin mit Grausen gesättigt. — Führt mein Pfad zur Hölle, o so ist es besser durch einen kühnen Sprung, als durch Umwege dahinzukommen. Aber noch spricht eine Stimme in mir, die mich Sohn nennt, die laut um Hülfe schreien würde, wenn ich sie ersticken wollte, hundert Gefühle sind mit diesem Ton verbunden. — Das Entsetzen der Natur wäre in den Abdallah verkleidet, wenn ich so sehr alles vergessen könnte, was den Menschen zum Menschen macht.

Omar. Nein, du darfst dich nicht von ihnen losreißen, verachte sie, nur halte dich treu in ihrer Mitte; o dürftest du nicht die Freiheit, ein Mensch zu sein, mit allen Schätzen dieser Welt bezahlen! — Ja, die Unmöglichkeit stellt sich fürchterlich vor den Eigensinnigen hin und beschützt ihn unverwundbar, — aber Abdallah! sorge auch bei Tage und in der Nacht, wachend und schlafend, daß niemand die Wohnung deines Vaters entdecke und ein Sklave den Preis erringe, nach welchem du strebtest. —

Abdallah. O, ehe ich Zulma in eines andern Armen sehe, ehe —

Omar. Ehe?