Abdallah. Nein, voll Todesschmerzen; o wie kann ich ihm für diese Welt voll Quaalen danken?

Omar. Nein, für dein Dasein kann der Felsenharte keinen Dank von dir fordern, denn dann hättest du Unrecht über seine Halsstarrigkeit zu klagen, über den fürchterlichen Fluch zu jammern, den er auf dich gelegt hat. — So lange er dann nicht dein Leben endet, hast du keine Ursach auf ihn zu zürnen.

Abdallah. In eine Hölle hat er mich verwiesen und dafür sollt' ich ihn lieben?

Omar. Er konnte aber nicht vorher wissen, daß dies Leben dir Pein zubereiten würde, — freilich, eben so wenig, ob es dich glücklich machen würde.

Abdallah. Nicht er, ein blindes Ohngefähr hat mich in das Leben gerufen. — Wußte mein Vater denn im voraus, daß gerade ich, dieser Abdallah, sein Sohn werden würde? —

Omar. Wäre es nicht die Pflicht des Sohnes, vor dem rasenden Vater Schutz bei den Gesetzen zu suchen?

Abdallah. Vater, Sohn, nichts als leere Namen, der Verstand muß sich nicht vom Geschrei der Menge betäuben lassen, er zieht der Wahrheit ihre Hülle ab und sieht sie ohne Kleidung, Gewohnheit und Sitten hindern ihn nie in seiner Forschung. — Nicht wahr, mein Omar?

Omar. Halt ein, Abdallah! Soll der Leichtsinnige der zärtlichen Vaterliebe, der Fürsorge vergessen? Soll er die Sorgen mit kaltem Undank vergelten? — Dankbarkeit ist das große Band, das sich unzertrennlich durch alle Wesen webt, jeder handelt für den andern, um sich in seiner Brust einen Pallast zu erbauen, an Dankbarkeit knüpft sich Liebe und Wohlwollen, Wohlthaten und Dank wechseln sich in dem Herzen der Ältern und Kinder aus, ein Magnet in jeder Brust, der sich ewig anzieht.

Abdallah. Dies, ja dies ist das letzte Gefühl, das mich noch an ihn gefesselt hält, alle Fäden hat er durchgeschnitten, nur dieser eine ist ihm treu geblieben. —

Omar. Deine Erziehung war Selims Pflicht, aber nicht die hundert kleinen Wohlthaten, die er dir erzeigte, die tausend Freuden, die er dir zubereitete, das Wohlwollen, mit dem er dich durch das Knabenalter in die Jünglingsjahre begleitete, — dafür mußt du ihm danken.