Abdallah. Zulma? — O Himmel! Omar, sollte sie mich nicht zu Thaten aufrufen dürfen, durch die ich sie dem hartnäckigen Schicksal abränge; nur diese That führt mich in ihre Arme und sie wird mein Zögern schelten.
Omar. Doch wenn nun diese That, diese einzige, dich auf immer elend machte? —
Abdallah. O wenn ich daran glauben soll, so kann ich meinem Elende auf keinem Wege entrinnen. — In Zulma's Armen bin ich unglücklich, meines Vaters Fluch liegt auch in der einsamen Wüste schwer auf meiner Seele, noch größeres Elend steht neben Roxanen. — Welcher Ausweg bleibt mir übrig?
Omar. Nun so ergreife den Pfad, auf welchem die meisten Blumen blühen, wo der Rasen am hellsten lacht, wo der Himmel blau über der freundlichen Landschaft liegt. Itzt, itzt eben stehst du am Scheidewege. —
Abdallah. Werd' ich aber mit Zulma glücklich sein? —
Omar. Hör' ich diesen Zweifel aus Abdallah's Munde? Von denselben Lippen, die neulich in trunkener Wonne nicht Worte fanden? — Oder ist es nur Schwachheit, die aus dir spricht? Eine Unentschlossenheit, die gern glücklich sein möchte, ohne doch die Schwierigkeiten der Unternehmung zu tragen? die Fluth stürmt hinter dir her, aber du scheust dich, den schroffen Felsen zu erklettern, der dir die Rettung anbietet.
Abdallah. Nein, — nein, — Selim stirbt, und kann ich ihm sein voriges Glück wieder zurückgeben? Wird sein ganzes Leben nicht eine einzige wehmüthige Erinnerung sein? Ein ewiger Kampf von Schmerz und Hoffnung? — Er verliert hier nichts, er kann im Tode nur gewinnen, er dauert, oder löscht aus, — es ist besser, nicht zu sein, als an dem Joch eines quaalvollen Lebens zu schleppen. Selim kann mit Zuversicht sterben, er muß es jenseit besser finden: denn er läßt keine Freude zurück, den letzten Kranz, Vaterfreude, hat er muthwillig zerrissen.
Omar. Der schwache Greis, der schon an der Schwelle des Todes steht —
Abdallah. Ha! wenn meine große Aufopferung ihm Unsterblichkeit gewönne, — ha! dann könnt' ich diesen Kampf in meinem Busen dulden, dann könnt' ich Roxanens Gatte werden, oder ohne Klagen mit meinem Fluch in die Wüste ziehn, ja, könnt' ich ihm durch meine Quaalen auch nur noch ein Menschenalter erkaufen, — aber der unerbittliche Tod lacht über mich. Selim muß sterben, bald sterben, vielleicht ist er schon in wenigen Stunden nicht mehr.
Omar. Wer würde dir dann nicht verzeihen, wenn du bereutest, daß du mit diesem unvermeidlichen Tod dein Glück nicht der eilenden Zeit abgekauft hättest? — Dieser Athemzug erwirbt dir Zulma, ist er ausgelöscht, dann kannst du dieses Kleinod durch tausend Leben nicht erkaufen.