Abdallah schwieg. —
Sprich! schrie Ali noch einmal, meine Wuth steht mit neuer Macht in meinem Busen auf, foltre meine Ungeduld nicht länger, — oder beim Propheten —
Was hab' ich gethan? sagte Abdallah. — Hab' ich es ausgesprochen, das fürchterliche Wort? O nein, nein, ich habe nichts gesagt, ich frage dich Sultan, sprich, nicht wahr, ich habe nichts gesagt? — O laßt mich, laßt mich schweigen, meine Worte werden zu Mißgeburten, die meinen eignen Busen verwunden, ich bin an die Schwelle der Verdammniß gekommen, o laßt mich wieder rückwärts schreiten.
Sein Körper zitterte in einer fürchterlichen Angst, er wollte sich aufheben, aber er sank wieder kraftlos nieder.
Verwegner! sprach Ali zürnend, bist du Frecher hierhergekommen! meiner zu spotten? — Du kannst nicht wieder zurückfordern, was du gesagt hast; sprich, oder Foltern sollen die Nachrichten aus dir herausquälen, die du mir verweigerst. —
Abdallah. Und es muß also sein? die fürchterliche Frage ist nun auf ewig entschieden? — Nun so sei es denn!
Er hob sich mühsam auf, seine Stimme zitterte, sein Gesicht war bleich, sein Blick starr. — Er beschrieb dem wüthenden Ali den Pfad, der zu der Wohnung Selims führte, er nannte ihm die Zeichen, an denen man den Weg erkennen könnte. Ali befahl seiner Leibwache, diesen Weg aufzusuchen und Selim zu ihm zu führen. — Abdallah wollte mit dieser wieder aus dem Saal hinauswanken.
Nein, rief Ali, so steht unser Spiel nicht, du verweilst hier, bis die Abgeordneten zurückkommen; sind deine Nachrichten Lügner gewesen, so soll dein Leben für deine Frechheit büßen.
Abdallah blieb zurück und sahe wieder starr vor sich nieder.
Ali. Hast du Wahrheit gesprochen, o dann werde dieser Tag als ein Fest gefeiert, Jubelgesänge sollen durch den Pallast jauchzen, durch die ganze Stadt eine laute Freude brausen. Was Selims Frechheit wagte, hat noch kein Sterblicher gewagt, er werde gestraft, wie noch kein Sterblicher gestraft worden ist. Ich will darauf sinnen, wie ich ihn martre, allen meinen Launen will ich an diesem Verworfnen ein Fest geben, heut will ich nach langer Zeit wieder fröhlich sein. Fürchterlich will ich unter meine Feinde treten, alles um mich her will ich verwüsten, was mich haßt. Auf Liebe darf ich nicht mehr hoffen, aber fürchten soll man mich immer; so weit ist es mit mir noch nicht gekommen, daß man mich ungestraft verachten dürfte. — Ich will den Trotzigen zittern sehn und sollt' ich mein Gehirn mit Ersinnung von Martern zersprengen; Selim läugnet mir meine Menschheit ab, nun so mag er denn einen Tiger in mir finden. Nur durch Martern will ich zu ihm sprechen, die Folter soll mein Dolmetscher sein.