Selim. Nein, für dich wäre der Tod die größte Strafe gewesen.
Ali. Du verachtest mich?
Selim. Lehre mich, wie ich dich ehren kann. —
Ali. Du kannst mich hassen, nur verachten sollst du mich nicht. —
Selim. Nimm mir meine Meinung.
Ali. Du wirst zittern!
Selim. Vor dir? — Niemals! — dies ist also der Ali, vor dem Asien bebt? das Schrecken des Volks, der Mann, mit dessen Namen Mütter ihre Kinder zur Ruhe bringen? — Ich hätte ihn schrecklicher geglaubt. — Dies ist der Blick, der Tausende bleich macht, dies die Hand, auf deren Wink das Leben wie ein Hauch entflieht? — O versperre dich, Sultan, in deinem Pallaste, werde von Niemanden gesehen, sonst wird es bald dahin kommen, daß keiner vor dir zittert.
Ali. Du wagst es, mich zu verspotten?
Selim. Was kann ich wagen? — Das Leben hass' ich, so wie ich dich hasse, deine Martern veracht' ich, wie ich dich verachte, — nenne mir ein Wort, das die Farbe von meinen Wangen jagte, einen Ton, der mich erzittern macht; du kannst es nicht. — Sieh, ich bin über dir und über dem Schicksal erhaben. — O sieh' mich nicht so drohend an, dein Blick fällt vergebens so flammend auf mein Angesicht, ich bin kein Verbrecher, ich darf mich nicht vor deinem Auge verkriechen; trüg' ich nicht diese Ketten, o so müßtest du in meiner Gegenwart zittern, ein Verräther hat dir dies Zittern erspart, ein Verräther hat meinen Vorsatz vernichtet, auf ihn komme das Elend des Volks, nicht über dich. —
Ali. Nicht über mich?