Mir ist es nicht unwahrscheinlich, sagte Anton, daß diese Gewohnheit, die so überhand genommen, die Menschen passiver, träger und unwitziger gemacht hat. Wir sollen keinen Genuß haben, der uns unaufhörlich begleitet, der etwas Stetiges wird, er ist nur erlaubt und edel durch das Vorübergehende. Darum verachten wir den Säufer, ob wir alle gleich gern Wein trinken, und der Näscher ist lächerlich, der seine Zunge durch ununterbrochenes Kosten ermüdet; vom Raucher denkt man billiger, weil es eben Gewohnheit geworden ist, die man nicht mehr beurtheilt, doch begreif’ ich es wenigstens nicht, wie selbst Frauen jezt an vielen Orten dagegen tolerant werden.
Könnt ihr euch, sagte Lothar, einen rauchenden Apostel denken?
Eben so wenig, sagte Ernst, als den adlichen Tristan mit der Pfeife, oder den hochstrebenden Don Quixote.
Dem Sancho aber, sagte Lothar, fehlt sie beinah; hätten manche umarbeitende Uebersetzer mehr Genie gehabt, so hätten sie diese lieber hinzu fügen, als so manche Schönheit weglassen dürfen.
Vielleicht ist dieses Bedürfniß, fiel Friedrich ein, ein Surrogat für so manches verlorne Bedürfniß des öffentlichen Lebens, der Galanterie der Gesellschaft, der Freiheit und der Feste. Vielleicht soll sich zu Zeiten der Mensch mehr betäuben, und dann ist es wohl möglich, daß er jenen alten verrufenen blauen Dunst für ein wirkliches Gut hält. Nicht bloß Taback, auch philosophische Phrasen, Systeme, und manches andre wird heut zu Tage geraucht, und beschwert den Nichtrauchenden ebenfalls mit unleidlichem Geruch.
Nicht so melankolisch, sagte Theodor, laßt uns diese tiefsinnige Betrachtung wenden, denn am Ende kömmt doch in keiner Tugend der ganze Mensch so rein zum Vorschein, als in den Thorheiten. Die Berge rauchen oft und die Thäler sind voll Nebel, viele Gegenden verlieren ihn oft in Monaten nicht, die See dampft, und so laßt denn unserm guten Zeitalter auch seinen Dampf. Nur wir wollen unsrer Sitte treu bleiben. Besorgt bin ich aber für Manfred, daß er sich diesen Zustand als Appendix der Ehe möchte angewöhnt haben, um seine weisen Lehrsprüche aus dampfendem Munde, wie Orakel aus rauchenden Höhlen, verehrlicher zu machen, und ich gestehe überhaupt, daß ich mich ihm nur mit einer gewissen heimlichen Furcht wieder nähern kann.
Du bist ohne Noth besorgt, sagte Lothar. Seit lange kenne ich unsern Freund in seinem häuslichen Zustande, und ich habe nicht bemerken können, daß er seinen jugendlichen Frohsinn und seine muthwillige Laune gegen jene altkluge Hausväterlichkeit vertauscht habe, im Gegentheil, kann er oft so ausgelassen sein, daß die Schwiegermutter im Hause so wenig lästig oder überflüssig ist, daß sie vielmehr zuweilen als kühlende und besonnene Vernunft zum allgemeinen Besten hervortreten muß.
Wenn alles übrige, sagte Theodor, auf denselben Fuß eingerichtet ist, so ist seine Haushaltung die vollkommenste in der Welt.
Noch mehr, fuhr Lothar fort, diese Frau ist noch anmuthig und reizend, und man glaubt es kaum, daß sie zwei erwachsene Töchter haben könne. Sie hat selbst einige annehmlich scheinende Parthien ausgeschlagen, und Männer haben sich um sie beworben, die an Jahren weit jünger sind.
Wenn die Mutter schon so gefährlich ist, sagte Theodor, so muß der Umgang mit den Töchtern gar herz- und halsbrechend sein.