Sehn wir die Entwickelung der romantischen Verschlingung! rief Theodor; Wald und Fluß verschwinden links, unser Weg zieht sich rechts, und viele kleine Wasserfälle rauschen aus buschigen Hügeln hervor, und tanzen und jauchzen wie muntre Nebenpersonen zur Wiese hinab, um jenem schluchzenden Bach zu widersprechen, und in Freude und Lust den glänzenden Strom aufzusuchen, den schon die Sonne wieder bescheint, und der so lächelnd zu ihnen herüber winkt.
Sieh doch, rief Ernst, wenn mein geübtes Auge etwas weniger scharf wäre, so könnte ich mich überreden, dort stände unser Freund Anton! aber seine Stellung ist matter und sein Gang schwankender.
Nein, rief Theodor, dein Auge ist nicht scharf genug, sonst würdest du keinen Augenblick zweifeln, daß er es nicht selbst in eigner Person sein sollte! Sieh, wie er sich jezt bückt, und mit der Hand Wasser schöpft, nun schüttelt er die Tropfen ab und dehnt sich; sieh, nur er allein kann nun mit solchem leutseligen Anstande die Nase in die Sonne halten, — und sein Auge hat uns auch schon gefunden!
Die Freunde, die sich lange nicht gesehn hatten, und sich in schöner Einsamkeit so unvermuthet wieder fanden, eilten mit frohem Ausruf auf einander zu, umarmten sich, thaten tausend Fragen und erwarteten keine Antwort, drückten sich wieder an die Brust und genossen im Taumel ihrer freudigen Verwunderung immer wieder die Lust der Ueberraschung. O der Freude, dich wieder zu haben, rief Theodor aus, du lieber, lieber Freund! Wie fällst du so unvermuthet (doch brauchts ja keine Motive) aus diesen allerliebsten Episoden hier in unsre Haupthandlung und Wandlung hinein!
Aber du siehst matt und krank aus, sagte Ernst, indem er ihn mit Wehmuth betrachtete.
So ist es auch, erwiederte Anton, ich habe mich erst vor einigen Wochen vom Krankenlager erhoben, fühlte heut zum erstenmal die Schönheit der Natur wieder, und ließ mir nicht träumen, daß ihr wie aus dem Himmel noch heut in meinen Himmel fallen würdet. Aber seid mir tausend und tausendmal willkommen!
Man ging, man stand dann wieder still, um sich zu betrachten, sich zu befragen, und jeder erkundigte sich nun nach den Geschäften, nach den Absichten des andern. Meine Reise, sagte Ernst, hat keinen andern Endzweck, als mich in der Nähe, nur einige Meilen von hier, über einige alte, sogenannte gothische Gebäude zu unterrichten, und dann in der Stadt ein altdeutsches Gedicht aufzusuchen.
Und ich, sagte Theodor, bin meiner Gewohnheit nach nur so mitgenommen worden, weil ich eben weder etwas zu thun, noch zu versäumen hatte.
Ich besuche unsern Manfred, sagte Anton, der mich auf sein schönes Landgut, sieben Meilen von hier, eingeladen hat, da er von meiner Krankheit und Genesung Nachricht bekommen.
Wohnt der jezt in diesem Gebirge? fragte Ernst.