Eduard empfahl sich, ging aber nicht sogleich nach Hause, sondern eilte, so leicht bekleidet er auch war, nach dem Park, rannte lustig durch die abgelegenen, mit Schnee bedeckten Gänge, lachte laut und rief: o Welt! Welt! Lauter Fratzen und Albernheiten! O Thorheit, du buntes, wunderliches Kind, wie führst du deine Lieblinge so zierlich an deinem glänzenden Gängelbande! Lange lebe der große Eulenböck, er, der trefflicher, als Julio Romano oder Rafael ist! Habe ich doch nun auch einmal einen Kenner kennen gelernt.

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Eduard hatte nun Anstalten zu dem lustigen Abend gemacht, welchen er mit Eulenböck verabredet hatte. Vor Kurzem war ihm dieser Tag als ein lästiger erschienen, den er nur bald hinter sich zu haben wünschte; jetzt aber war seine Stimmung so, daß er sich auf diese Stunden der Betäubung freute, weil er meinte, daß sie für lange Zeit seine letzten vergnügten seyn würden. Gegen Abend erschien der Alte, und schleppte mit einem Diener zwei Körbe mit Wein herbei. Was soll das? fragte Eduard: ist es denn nicht ausgemacht, daß ich Euch bewirthen soll? Das sollst Du auch, sagte der Alte, nur bringe ich einigen Vorrath zum Succurs, weil Du die Sache doch eigentlich nicht verstehst, und weil ich auch an diesem Abend recht ausgelassen seyn will.

Ein trauriger Vorsatz, erwiederte Eduard, lustig seyn zu wollen, und dennoch habe ich ihn auch gefaßt, mir und meinem Schicksal zum Trotz.

Sieh da, sagte Eulenböck lachend, hast Du auch ein Schicksal? Das hab’ ich gar nicht einmal gewußt, junger Bursche; mir schien das Wesen sich immer höchstens zum Verhängniß hin zu neigen. Aber vornehmer ist das andere ohne Zweifel, und vielleicht wird es noch zum Geschick, wenn Du erst etwas klüger geworden bist. Ja, ja, Freund, Geschick, das ist es, was den meisten Menschen fehlt, Verstand, Umstände zu nutzen, oder sie hervor zu bringen, und darüber gerathen sie in’s Schicksal, oder gar in das noch fatalere Verhängniß, wo sich dann nicht immer eine christliche Hand findet, sie wieder los zu schneiden.

Du bist unverschämt, rief Eduard aus, und glaubst witzig zu seyn; oder Du hast Dir gar schon einen Rausch getrunken.

Kann seyn, mein Kind, schmunzelte jener, und wir wollen bald die Anstalten treffen, mich wieder nüchtern zu machen. Unser gutes Prinzchen hat mich in eine Art von Wohlstand versetzt, der, wenn ich Vernunft habe, ein dauernder seyn kann; denn er protegirt mich trefflich, wird mir noch mehr abkaufen, und auch Sachen von meinem eignen Pinsel malen lassen. Er meint, ich wäre hier in dieser Stadt nicht an meiner Stelle, man erkenne mich nicht genug an, und es mangle mir an Aufmunterung. Vielleicht nimmt er mich mit, und bildet mich noch zum ächten Künstler aus, denn er hat den besten Willen dazu, und ich gerade Sinn und Talent genug, um ihn zu verstehn und mir von ihm rathen zu lassen.

Schelm der Du bist! sagte sein junger Freund: ich habe lachen müssen, daß Du Deinen Julio Romano so vortheilhaft verkauft hast; aber ich möchte denn doch nicht an Deiner Stelle seyn.

Der Alte ging auf ihn zu, sah ihn starr an und sagte: Und warum nicht, Kleiner? Wenn Du nur die Gabe dazu hättest! Jeder Mensch malt und pinselt an sich herum, um sich für besser auszugeben, als er in der That ist, und für ein wunderbares köstliches Original zu gelten, da die meisten doch nur geschmierte Copieen von Copieen sind. Hättest Du meinen Gönner das Bild nur analysiren hören, da hättest Du etwas lernen können! Nun verstehe ich erst alle die Kunst-Absichten des Julio Romano; Du glaubst nicht, wie viel Treffliches ich an dem Bilde übersehen hatte, wie viele Stellen seines markigen Pinsels. Ja, es ist eine Freude, einen solchen Künstler so recht zu durchdringen, und wenn man ihn ganz und in allen seinen Theilen zugleich faßt, so überschleicht uns im vollständigen Gefühl seines hohen Werthes eine wohlthätige Empfindung, als hätten wir auch an seiner Herrlichkeit einigen Antheil; denn ein Kunstwerk ganz verstehen, heißt, es gewissermaßen erschaffen. Wie großen Dank bin ich meinem erlauchten Gönner und Kenner schuldig, daß er mir auch außer dem Gelde noch eine solche Fülle von Künstlerweihe zufließen läßt.

Wenn ich ihn nicht an der Tafel hätte malen sehen, rief Eduard lächelnd aus, so könnte er mich glauben machen, das Bild sei ein ächtes!