„Sie sind ein arger Frevler,“ sagte der Offizier: „aus launenhafter Verruchtheit hassen Sie die Ehe, und verlangen nun, alle Menschen sollen als sündliche freigeisternde Hagestolze leben, und weil Ihr Sinn nicht in jene Umgebung paßt, so lästern Sie diese Menschen, die jeder Verläumdung zu erhaben sind.“

„Ganz martialisch!“ rief der Baron aus. „Und doch werde ich Recht behalten, und vielleicht seufzen Sie selbst einmal, wenn Sie an der Kette wie ein Eichhorn immer wieder dieselben rechtgläubigen Sprünge machen müssen, um die Nüsse zu knappern, die die Gemahlin Ihnen zukommen läßt: ach! wenn ich doch dem resoluten Wilden hätte glauben wollen!“

„Nein, mein Herr,“ sagte der Rath sich ereifernd, „Ihre Ansicht geht nur aus der Verzweiflung hervor, ja, Sie glauben sich selber nicht.“

„Meinethalben,“ rief jener aus, „kann seyn, daß eine ganz andere Kreatur, als ich selber, aus mir heraus redet; denn das ist im Leben oft der Fall, und bei jenen Apostolischen guckt auch oft was, wie ein Affe, aus den verbrämten und aufgesteiften Gewändern hervor. Nicht wahr, besonders aus dem ältlichen, zu wenig weltlichen Fräulein Erhard, der unvergleichlichen Erziehungskünstlerin? Diese hat das Haubenmuster der inwendigen Gesinnung für die ganze Familie zurecht gesteckt, sich selbst aber die krauseste Religions-Frisur zurecht gezimmert. Ihr meint, wenn diese ihr Orakel kräht und die kleinen Augen verdreht, so müssen wir Ungläubige gleich unterducken. Ihr bin ich am meisten aufsässig, denn sie ist es eigentlich, die die ganze Familie in Grund und Boden verdorben hat.“

Jetzt standen sie am Brunnen. Die Sonne war längst untergegangen, und aus der Finsterniß drehte sich ein Mensch hinter dem Weidenbusche hervor. „Ach! der Michel!“ rief der Baron: „können Sie, meine Herren, einen ehrlichen Bedienten brauchen?“

„Warum,“ fragte der Offizier, „habt Ihr die Dienste der trefflichen Baronesse verlassen, die so mütterlich für ihre Leute sorgt?“

„Ach! gnädiger Herr,“ sagte der Diener, „weil ich neulich so ein bischen unschuldig gelogen habe, bin ich gleich fortgeschickt worden.“

„Das ist recht!“ rief der Offizier, „daran erkenn’ ich die edle Frau.“

„Alles ist nur ein Anstiften,“ fuhr Michel fort, von dem neidischen Fräulein Erhard: „die kann’s nicht leiden, wenn Mann und Weibsen sich gut sind, weil keiner sie aus dem ledigen Stande erlösen will, und seit sie vor vier Wochen sah, wie ich dem Hausmädchen einen Kuß gab, hat sie mir’s nachgetragen.“

„Wie gemein!“ rief Alfred aus.