„Nie gehe ich zurück!“ rief Dorothea mit erneuter Heftigkeit: „ich will lieber in einem fernen Lande als Magd dienen.“
Jetzt hörte man deutlicher im Nebenzimmer Geräusch, die Frauen stutzten, die Thüre öffnete sich, ein Lichtstrahl drang heraus und Graf Brandenstein trat ihnen entgegen.
„O mein Gott!“ rief Dorothea: „der Graf selbst!“
„Ich war nicht schlafen gegangen,“ antwortete dieser: „sondern arbeitete noch, als dieser unerwartete Besuch —“
„O Sie Heimtückischer!“ rief die Frau von Halden: „und so haben Sie auch gewiß alles gehört, was meine Freundin erzählt hat?“
„Ich kann es nicht leugnen,“ sagte der Graf: „die Wand und Thüre sind so dünn, daß mir kein Wort verloren ging. (Dorothea zitterte heftig.) Sie würden mich also, mein schönes, edles und mir unbeschreiblich theures Fräulein, nicht verschmähen, wenn ich ein Vermögen zu Ihren Füßen legen könnte?“
„O wie beschämen Sie mich!“ sagte das Fräulein —: „soll ich noch mehr sagen?“
„Nehmen Sie dieses Blatt,“ fuhr der Graf fort: „diese wenigen Zeilen werden Ihnen in Ihrem Hause vollkommene Sicherheit gewähren.“
Er sah Dorotheen durchdringend an, und entfernte sich zögernd. Sie war so bewegt und erschüttert, daß ein unruhiger Schlummer sie nur wenig erquicken konnte.
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