Und wo sollten Sie denn sonst seyn, lieber Mann, schrie der Direktor zornig, der den verwirrten Haufen theilte und jeden zur Ruhe verwies; wenn Sie sich aber so aufführen und sich in Gesellschaft nicht zu nehmen wissen, so werden wir Sie wieder auf Ihr kleines Stübchen einquartiren müssen. Dies Wort zu nennen, was Sie gebrauchen, schickt sich in diesem Hause gar nicht, und schon aus Achtung vor mir müssen Sie es vermeiden! Und wer Sie hieher gesandt hat? Männer, denen Sie nicht verweigern werden, Gehorsam und Ehrfurcht zu bezeigen!

Wolfsberg war still und nachdenkend geworden, und der Rothgekleidete rief: hab’ ichs nicht gesagt? indem er zugleich die kleine Peitsche nahm und eifrig gegen alle Wände des Saales schlug, bis er außer Athem und ganz kraftlos war. Der Director wandte sich unwillig ab, und als der Ermüdete sich wieder in seinen Sessel geworfen hatte, trat Wolfsberg zu diesem und fragte: was machten Sie eben, und was hat diese Anstrengung zu bedeuten?

Was? rief Herr Kranich aus (denn so nannten ihn die Uebrigen), Herr, wenn ich nicht wäre und die Augen immer offen hätte, so wären Sie und alle Uebrigen hier verloren; ja, ich möchte wohl wissen, was von der Welt sonderlich übrig bleiben würde. Sie sehn es nicht, wie diese verdammten Pygmäen, kleine böse Geister, mich allenthalben verfolgen, Gesichter schneiden, und alles Uebel auf Erden anrichten. Von diesen rührt auch Ihre Verstockung her, daß Sie nicht einsehn wollen, was an Ihnen ist; von diesen kleinen Creaturen entspringt alles Unglück, und ich muß sie unaufhörlich bewachen, um nur zu verhüten, daß sie nicht das Aergste ausüben.

So war Alles wieder beruhigt, als man einen Landedelmann mit seiner Familie anmeldete, die sich das Haus betrachten wollten. Ein ältlicher Mann trat lächelnd herein und sah sich selbstgenügsam um; ihm folgte eine erwachsene Tochter, blöde und einfältig, und ein ebenfalls erwachsener Sohn, der sich gleich das Ansehn gab, als wenn er hier zu Hause gehöre. Der Director fuhr sogleich barsch auf sie zu, und fragte heftig, was zu ihrem Befehle sei. Gott bewahre! stammelte der Edelmann, indem er scheu zurück trat; ist denn hier kein andrer ruhiger Mann, der uns herumführen, und die Merkwürdigkeiten zeigen kann? Der Director sammelte sich wieder und sagte in sanftem Tone, daß er selbst der Vorsteher dieser Anstalt sei, und daß er sich ihm und dem kleinen Friedrich, der sich unterdessen wieder herbei gemacht hatte, getrost anvertrauen könne. Sie gingen hierauf friedlich durch den Saal, ergötzten sich an der Aussicht und betrachteten die Gesellschaft aus der Ferne, als sich der Kupferfarbene herbei machte und um die Erlaubniß bat, etwas vorzutragen.

Meine beiden trefflichen Schüler, fing er an, möchten heute einen poetischen Wettstreit halten, wie er bei den alten Griechen wohl üblich war, und es trifft sich gut, daß einige Fremde, als ganz unbefangene Zuhörer zugegen seyn können, um über die Verdienste meiner begeisterten Scholaren nach reifer Prüfung ein Urtheil zu fällen.

Er winkte, und der lange Blasse, so wie der Beleibte mit dem verschwollenen Gesichte näherten sich. Die Uebrigen schlossen einen Kreis; der Lesende drängte sich am nächsten, und der Pygmäenbekämpfer sah kritisch umher, ob auch keine bösen Geister die poetische Unterhaltung stören möchten.

Der Mann mit der Kupfernase wandte sich hierauf an den Edelmann, den er freundlich bei der Hand nahm und ihm die Tressen seines grünen Kleides streichelte. Englischer Mann, sagte er zärtlich, verstehen Sie wohl Galimathias zu sprechen?

Nein, sagte jener; was ist das für eine Sprache?

Schade, fuhr jener fort; da werden Sie es nur halb genießen können, denn etwas wenigstens sollten sich wohl alle Menschen damit befassen. Es ist zu verwundern, wie wenig wir immer noch auf unsre eigentliche Ausbildung wenden. Tretet zuerst vor, mein theurer Freund und Schüler, würdiger Troubadour und Meistersänger!

Der Aufgeschwollene räusperte sich, athmete tief auf und sprach dann schnell, aber mit einer krähenden Stimme: „Sind wir nicht alle innigst von dem Gefühle durchdrungen, daß, wenn eine Krebsmoral erst an der tiefsten Wurzel der Menschenschicksale nagt, kein einziges Schaalthier mehr auf den Höhen der Gebirge wird gefunden werden? Gewiß, meine Theuersten, schlägt jeder mit erneuertem Mannsgefühl auf seine Brust, wenn er bedenkt, daß bei dem siderischen Einfluß, den jede Theemaschine auf die Verflechtung innerer Organe und Inspirationen unbedenklich ausströmt, die alten Germanen nimmermehr ihren Wodansdienst ohne Hülfsleistung abnormer Zustände und tief empfundener mikroskopischer Ansichten würden haben durchsetzen können. Denn hier kommt es ja nicht auf ein oberflächliches, leichtgewagtes Entdecken vulkanischer Revolutionen an; sondern die Menschheit selbst ruft das in uns auf, was schon im Anbeginn der Zeiten reif und heterodox, aber im galvanischen Mittelpunkt unendlicher Verschlossenheit, tief und geheimnißvoll gebrütet hat. War es denn nicht auch damals dieselbe große Schicksalskatastrophe und Weltumschwungsaxiomatische Wunderbegebenheit, als dasjenige, was man bis dahin nur für orkanische Centripetalkraft abgewogen hatte, sich plötzlich als das ungeheure Ixionsrad schwärmerischer Antidiluvianer manifestirte? So merken wir, ist unsre Seele anders nicht völlig aphoristisch gebildet, und im Mausoleum hyrkanischer Waldgötter anticipirt worden, daß umgekehrte Verhältnisse sich immer wieder zu Kegelausschnitten gestalten, wenn die Galaxie der Planeten sich in ekliptische Rodomantaden verwandeln möchte. Aber festhalten müssen wir einen Gedanken, daß die Hieroglyphen immer nur wieder Apostrophen ausgebären können, wenn wir nicht mit den conglomerirten Gnostikern annehmen wollen, daß die Hypotenuse der Polarvölker immer wieder in die materiellste Abstraction der eleusinischen Pyrrichien verfallen müßte, an welchem Irrthum auch schon der berühmte Johann Ballhorn in seinem großen granitgebundenen Werke vom Phlogiston der Polypenkrater verstorben ist, da er ein Apostem der großen alchemistischen Tinktur mit den rauschenden Katarakten der Amathontischen Apodiktik mehr als ihm billig zugegeben werden konnte, verwechselt hat. So hoffe ich denn bewiesen zu haben, daß immer und ewig das große Geheimniß der peloponnesischen Antithese klar und verständlich ist ausgesprochen worden.“