Gewiß! sagte der Edelmann.

Sublim! rief der Leser aus.

Ein Beifallsmurmeln ertönte aus der dichtgedrängten Umgebung.

Nun, Görge, was meinst du? fragte der Edelmann, indem er sich an seinen Sohn wandte, der mit starren Augen und offnem Munde zugehört hatte.

Ich wollte nur, antwortete Görge, unser Herr Pastor wäre hier, der den Mann vielleicht widerlegen könnte; denn seine Reden klingen fast eben so.

Nun höre man aber auch, rief der Kupferne, meinen zweiten Zögling, den edeln, sanften Musenliebling.

Die lange, hagre Gestalt trat hervor und klagte in einem weinenden, schnell singenden Tone also: Ist nicht die Liebe und immer nur wieder die Liebe das hoch erhabne athletische Bildwerk der ächten attischen Hybla-akademischen, süßflötenden Nachtigallen-Atmosphäre? Wer möchte sich der Thränen enthalten, wenn flutende Herzenslustren im Umschwung der zartesten Cicaden-Gesinnung nicht endlich einmal zur Vollendung einer umarmenden Schicksals-Apotheose hinstreben sollen? Denn das Bildwerk liebender Gestirne ist ja doch nur ein Abglanz häuslicher und mattherzig rührender Sarkophag-Mumien-Attribute; vorausgesetzt, das fromme kindliche Gemüth hat sich schon in eine Phaläne von träumerischen Allegorieen verwandelt, und ist die ganze sublunarische Etymologie der peripatetischen, eben so großartigen, als herzergreifenden Sylbenstechereien uralter Religionsentzündungen durchgegangen. Fragt sich einzig nur: hat ein kryptogamisches Pfeifergericht von enggetriebenen Bildwerken nicht immerdar den Blumenstaub somnambulistischer Zustände auf hydraulische Weise mit Prophetenencyklopädieen vorher verkündigt? worauf die mathematische Antwort lautet: so gewiß der Umkreis der Welt einzig in den Umfang sanfter Cirkelschwingungen gebannt ist, so gewiß hat auch jede Periode und bacchische Begeisterung im Lichtscheine der erotischen Neufundländer Sitz und Stimme gefunden. Denn, was ist es denn, was das Echo unsrer Brust ewig beweint? Nicht wahr, daß noch kein Sterblicher in das Universal-Paradoxon der Himmelskräfte hat einschlüpfen können? Aber dennoch sagen uns begeisterte Seher, daß das Berlappenmehl dazu diene, den Blitz der Götter, so wie alle diagonale hochgefeierte Perioden des Immateriellen zu erschöpfen, wenn wir nicht vergessen, daß Phidias darum der Große genannt wird, weil er zuerst die petrarkische Elegie in der neuen Ausgabe der Homilien hat mit Vignetten in einen großen Salat von Vergißmeinnicht bei den Olympischen Spielen verzehren lassen, was eben die Ursache war, daß Romeo und Julia sterben mußten, so sehr sie auch vorher auf Pardon vom Könige von Abyssinien rechnen durften. Aber das ist das Große und Erschütternde eben in den edelsten Lebensverhältnissen, daß die Liebe des Herzens immer wieder auf die reine und unreine Mathematik angewendet werden soll, was doch kaum dem Platonischen John Bull möglich gewesen ist, mit Hülfe seines Freundes, des großen Eklektikers Pope, vermöge seiner Stanzen und der noch berühmtern Parlamentsreform einzuführen. Daher bleibt unserm Leben diese ewige Trauer, daß jede Sonnenblume in Oel kann verwandelt werden, wenn wir umgekehrt niemals einen Tropfen Oel in Blumen, ja kaum in Sonnen umschmelzen können; daher ist die Thräne an unsrer Wimper ein zartes Herzenssiegel, welches tropfend beurkundet, daß wir alle nur Blindschleichen und arme Würmer sind. Dies herzzerreißende Gefühl mitzutheilen, habe ich mich nicht enthalten können.

Die Tochter des Edelmanns weinte und sagte: ja wohl, ist unser Leben nur ein zerbrechliches Geschirr! Der Lehrer aber sah triumphirend umher und fragte: nun, meine Freunde, welchem würden Sie den Preis zuerkennen?

Das zweite, sagte das junge Mädchen, war mehr für das Herz, das erste mehr für den Geist.

So ist es, sagte Herr Kranich; der lange Herr Melchior hat die beste Rede gehalten: wir sind Alle gerührt; dazu hat er eine Stimme wie eine Nachteule oder Unke: die Thränen laufen einem über die Nase, man weiß nicht wie.