Die Sonne sank und beschloß den seligsten Tag, den Walther, Blanka und Raimund noch erlebt hatten. Franziska schloß sich diesen an, und im gebesserten Herzen fühlte sich Adlerfels als den glücklichsten Menschen.
Musikalische Leiden und Freuden.
Novelle.
Zwei Freunde stiegen vor der Stadt vom Wagen, um zu Fuß durch die Gassen zu wandeln und den Fragen am Thor auszuweichen. Es war noch ganz früh am Morgen und ein Herbstnebel verdeckte die Landschaft. Etwas entfernt vom Wege bemerkten sie ein kleines Häuschen, aus welchem schon früh vor Tage eine herrliche Frauenstimme erklang. Sie gingen näher, erstaunt über den unvergleichlichen Diskant, wie über die ungewöhnliche Stunde. Einige Träger brachten Lauten und viele Notenbücher, die kleine Thüre öffnete sich, und neugierig gemacht, fragte der ältere Reisende einen von den Tagelöhnern: hier, mein Freund! wohnt wohl ein Musikus und eine Sängerin? Der Teufel und seine Großmutter wohnt hier! erscholl eine krächzende Stimme von oben aus dem offnen Fenster, und zugleich fiel ein Lauten-Futteral dem Fragenden auf den Kopf. In diesem Augenblick hörte der Gesang auf, und der Frager sah im Fenster ein kleines greises Männchen stehn, welches die zornigsten Geberden machte, und dessen funkelnde schwarze Augen aus tausend Runzeln hervor grimmige Blicke herunter schossen. Der Reisende wußte nicht, ob er lachen oder schelten sollte, doch sprach ihm aus dem greisen Kopfe etwas so Wunderliches an, daß er in Verlegenheit den Hut zog, und sich mit einer höflichen Verbeugung stumm entfernte.
Was war das, Herr Kapellmeister? sagte der jüngere Reisende, als sie das kleine Häuschen schon im Rücken hatten. Ich weiß nicht, erwiederte jener, vielleicht ein wahnsinniger alter Mann, vielleicht gar dort in der Einsamkeit, in der Nähe des Tannenwäldchens, eine Spukgestalt.
Sie scherzen, sagte der Sänger; ich begreife jetzt selber nicht, wie wir so gelassen seyn konnten, dem Alten auf seine Grobheit nichts zu erwiedern.
Lassen wir es gut seyn, sagte der Kapellmeister, indem sie schon die noch ruhige Straße der Residenz hinunter gingen: in dem Ton der Sängerin war etwas so Wunderbares, daß es mich tief ergriffen hat; ich war wie im Traum, und darum konnte mir auch der alte Thor keinen Zorn abgewinnen.
Wieder die alte Schwärmerei und Güte! rief der Sänger lachend aus; denn erstens haben wir so gut wie nichts gehört, und zweitens war in dem Wenigen noch weniger Besonderes zu vernehmen, es war weder Methode noch Schule in dem traurigen Gesange.
Als sie jetzt um die Ecke nach dem Gasthofe zu bogen, hörten sie aus einem obern Stock ein Lied pfeifen; ein rundes, junges Gesicht kuckte mit der Schlafmütze aus dem Fenster, und so wie er die Fußgänger gewahr wurde, schrie er: Haltet, Freunde! einen Augenblick! ich bin gleich unten! Gott im Himmel! das ist eine Erscheinung! Er zog den Kopf so schnell zurück, daß er ihn heftig an das niedere Fenster stieß und die Bekleidung des Hauptes langsam schwebend zu den Füßen des Kapellmeisters nieder sank.
Wunderbar! rief dieser, indem er die Zipfelmütze aufhob; sagen diese sonderbaren Vorbedeutungen uns etwas Gutes oder Schlimmes voraus?
Es ist unser Enthusiast Kellermann, erwiederte der Sänger: hören Sie, er rasselt schon mit dem Hausschlüssel.