Ueber diese Gegenstände ist Ferdinand empört und ergrimmt, und er zügelt seine Worte nicht, wenn er mit den Freunden dieser Neuerung spricht. Er behauptet, daß wir es Alle noch erleben würden, wie man neue Klöster stiftet, und er verachtet das spottende Lächeln seiner Gegner.

Vieles Schöne ist in dieser Reform schon zu Grunde gegangen, noch mehr wird verschwinden, aber meine trüben Blicke werden nicht bloß durch Das, was wir jetzt sehen, was dicht vor uns liegt, so tief bekümmert; — was soll aus allem Besitzstand werden, da dies so schnell ohne Widerspruch hat eintreten können? Wo ist eine Sicherheit für irgend eine Regierung? Welche Folgerungen wird die Zeit, ein fremder Sieger, die Politik aus diesen Vorgängen ziehn?

Wie hat sich seit zehn Jahren die Welt verändert! und es scheint, als würden alle Verwandlungen immer rascher und rascher auf einander folgen.

Du siehst, ich fange an, Deine Cousine, die Strafe des Liebhabers, Deine und meine Angelegenheit über dergleichen Gedanken und Befürchtungen zu vergessen.

Walther an seinen Freund.

Würzburg, den 11. Julius 1803.

Ich schreibe Dir sogleich noch einmal nach meinem kaum abgegangenen Briefe, denn das ist das Mittel, mich zu zerstreuen und zugleich zu sammeln. Ich kann mit meiner Umgebung nicht Das sprechen, was mich am meisten interessirt, und so unterhalte ich mich mit Dir.

Hier in der Stadt ist unser Ferdinand in seinem Element. Es ist wahr, ich habe noch niemals eine so feierliche Messe erlebt, als die war, die gestern im Dom uns Alle bewegte; an neun Altären war zugleich Gottesdienst, eine Prozession der Domherren, die in schöner malerischer Tracht waren, ergötzte das Auge.

Die Stadt wimmelt von Fremden, Alles drängt sich, denn es ist zugleich der größte Jahrmarkt. Das Schloß in der Stadt ist prächtig und wohl eins der größten in Europa. Ein wunderliches, knitterndes Echo ist unten vor der Treppe, an dem wir uns Alle wie die Kinder erlustigten. Heut Nachmittag trieben wir uns wieder im Jahrmarktsgedränge um, welches vorzüglich in einer fremden Stadt etwas Bezauberndes hat. Vor dem Thore ging ein uralter Capuziner von sehr ehrwürdiger Gestalt, dem kleine Mädchen im Vorübergehen mit Ehrerbietung die Hand küßten. Diese seltene Ruine einer ehemaligen Zeit verfolgte unser Ferdinand lange mit seinen sehnsüchtigen Blicken, und es schien der Wunsch in seinen gerührten Augen zu liegen, daß er gern an die Stelle der unmündigen Mädchen getreten wäre.

In einer frohen Jahrmarktstimmung traten wir in eine hohe hölzerne Bude, in welcher eine Art von Caroussel mit einer russischen Schaukel vereinigt war. Indem die schwebenden Sitze auf und nieder gingen, stach ein Jeder der Sitzenden mit einer Lanze nach einem Ringe. Der Besitzer und Erfinder dieser schwebenden Kunstanstalt erklärte uns mit vieler Genügsamkeit die Herrlichkeit seiner neuen Erfindung. Steigen Sie ein, rief er, und wenn Sie gleich nur Dreie sind, so werden Sie doch das Kunstwerk genießen können, denn darauf bilde ich mir am meisten ein, daß ich es so eingerichtet habe, daß der angefüllte schwere Sitz niemals den leichten, ihm gegenüberstehenden durch seine Last niederzieht, wie dies an den ordinairen einfältigen russischen Schaukeln der Fall ist, wo die unwissenden Menschen sich alsdann mit eingelegten Steinen zu helfen suchen, wenn ein Sitz ledig bleibt. Wie die Kinder ließen wir uns bereden hineinzusteigen. Die Maschine ging sehr hoch und ein Nervenschwacher hätte wohl Schwindel empfinden können. So stiegen wir auf und ab und stachen mit mehr oder minder Glück die Ringe ab.