Wundersame Musik von Waldhörnern klang herüber. Ein Chor von blasenden Musikanten war oberhalb, ohne daß man sie sehen konnte, in einer Felsennische aufgestellt. Immer wunderbarer! rief Walther aus. Mich schwindelt! Und es war nicht unbegreiflich, da surrend, brummend, flüsternd und halb leise sprechend so viele Gestalten vorübergingen, sich begegnend, grüßend, andere geblendet und sich nicht kennend. —

Jetzt standen sie vor einem kleinen See. Ein Nachen fuhr von jenseit herüber, und Ferdinand stieg hinein. Ein anderer Fremder drängte sich hinzu, und Walther vernahm von einer weiblichen Stimme den leisen Ausruf: Romeo!

Walther machte die Bewegung, in den Kahn nachzusteigen, als dieser schon abfuhr und sich in der Dämmerung entfernte. Bei dem ungewissen Licht konnte er die Gestalten nicht mehr unterscheiden; ja, er war selber ungewiß, ob sich Ferdinand auch unter jenen Gestalten befunden, die im Dunkel schon ganz verschwunden waren. Er wendete sich rückwärts, um Wachtel wieder aufzusuchen, der sich ihm im Getümmel verloren hatte, aber er konnte, so sehr er sich bestrebte, Niemand genau erkennen, so blendeten die vielfach zerstreuten und sich kreuzenden Lichter. Sinnverwirrend war das Geflüster, und die hin und wieder fliehenden Worte und Reden der Wandernden, die sich begegneten, kreuzten, suchten und sich wieder verloren. Endlich sah er Wachteln und bat diesen, bei ihm zu bleiben. Wachtel stellte sich neben ihn, und da die Musik der Hörner jetzt wieder begann, so kehrten sie um, um die wunderbare Harmonie näher zu hören. Können Sie es begreifen, sagte Wachtel, daß unser Ferdinand die Höhle und dieses magische Schauspiel, welches doch recht eigentlich für ihn eingerichtet zu seyn scheint, schon wieder verlassen hat?

Wie? rief Walther, ich hätte schwören wollen, ich habe ihn da hinten den finstern Kahn besteigen sehn, um die stygische Flut zu überschiffen.

Nein, sagte Wachtel, er ist unlängst mir vorbeigelaufen, um, wie er sagte, zur alten Burg hinaufzusteigen, weil ihn dies Getümmel hier zu sehr betäube.

Man wird thöricht und verwirrt, erwiederte Walther, so wunderlich und romantisch das Ganze auch angeordnet ist.

Jetzt ließen sich einige polnische Reden in der Nähe vernehmen, und da Walther der Sprache kundig war, so verstand er, daß zwei Männer ein Frauenzimmer suchten, die mit einem Hauptmann in der Höhle spazieren wandle. Jetzt war Walther überzeugt, diese wären Mitwissende und könnten nur von der verlorenen Maschinka reden. Er hielt sich in der Nähe dieser Fremden und verlor darüber seinen Freund Wachtel wieder aus dem Gesichte.

Die Polen wurden immer eifriger im Suchen, endlich sagte der eine in seiner Sprache: ich fürchte nur, bei ihrer großen Reizbarkeit und Nervenschwäche wird sie nach diesem sonderbaren Tage wieder auf lange krank seyn.

Doch, antwortete der Andere, übersteht sie oft Alles besser, als man es fürchten muß, wenn sie ihre Imagination nur beschäftigen kann, und diese findet doch hier des Spieles genug. Nur ruhen muß sie nachher.

Ein lauter Ausruf entstand, indem man sich vorwärts bewegte, denn ein Kind war gefallen, welches einige Damen liebkosend und tröstend aufhoben. Indem glaubte Walther in der gedrängten Gruppe die Gestalt Ferdinands wieder wahrzunehmen. Als er sich aus dem Gedränge freigemacht hatte, waren, indem er umherblickte, die Polen seinem Auge wieder entschwunden. Er eilte verwirrt nach einer andern Richtung und jetzt glaubte er deutlich wahrzunehmen, daß Ferdinand in einiger Entfernung vor ihm hergehe und ein schön gewachsenes, reich gekleidetes Frauenzimmer am Arme führe. Er suchte in ihre Nähe zu kommen, und indem er schon seinen Arm ausstreckte, um seinen Freund zu berühren, rief die Stimme des Polen dicht hinter ihm: Maschinka! Jetzt sah er, daß Derjenige, welcher die Dame führte, nicht Ferdinand sei, aber seine Ahndung, hier Maschinka und ihren Entführer endlich zu treffen, war doch in Erfüllung gegangen. Er packte also den Fremden ziemlich unsanft am Arm und rief: Hier habe ich Sie also doch, nach vielen Mühungen, mit Ihrer Maschinka entdeckt! Indem war der Pole mit einem Ausruf der Verwunderung ebenfalls näher gekommen, und wie erstaunt und beschämt war Walther, als er in dem Festgehaltenen seinen Reisegefährten Wachtel erkannte und sich jetzt die Dame, eine hochbejahrte Frau, herumwendete. Wie? mein Herr! fragte der Pole: Sie wagen es, meine Schwester zu beleidigen?